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Verschlüsselung
02/28/2014

GMX verunsichert Nutzer mit SSL-Umstellung

Viele GMX-User erhalten derzeit täglich eine Warnung, dass man keine SSL-Verschlüsselung nutze. Das sorgt für Verwirrung bei Thunderbird-, Outlook-, aber auch Gmail-Usern.

von Martin Stepanek

Seit einigen Tagen bombardiert GMX viele User mit Warnungen, dass man ohne SSL-Verschlüsselung auf das GMX-Postfach zugegriffen habe, dies aus Sicherheitsgründen jedoch bald nicht mehr möglich ist. Alle User werden aufgefordert, die SSL-Verschlüsselung zu aktivieren, um E-Mails empfangen und senden zu können.

GMX-User verunsichert

Die tägliche Warnung sorgt bei vielen Usern für Verunsicherung, da viele Nutzer GMX über Desktop-Programme und andere E-Mail-Anbieter wie Gmail nutzen. Damit GMX weiter genutzt werden kann, müssen einige Einstellungen verändert werden.

Wie der SSL-Abruf des eigenen GMX-Kontos über Programme wie Thunderbird, Outlook oder Apple Mail funktioniert, und welche Parameter wie geändert werden müssen, erklärt GMX auf einer Hilfeseite. Auch Anleitungen für Android, iPad/iPhone und Windows Phone finden sich hier übersichtlich und mit entsprechenden Screenshots aufbereitet.

E-Mail-Sammeldienst

Wer nach Änderungen seines GMX-Kontos in Desktop-Programmen bzw. auf Smartphones und Tablets immer noch die Warnung bekommt, sollte prüfen, ob eine GMX-Adresse über einen anderen E-Mail-Dienst verwendet wird. Viele User haben GMX schon vor Jahren in ihren Gmail-Accounts integriert und dort SSL nicht aktiviert.

Leider weist GMX zwar auf das Thema hin, vermeidet aber aus Konkurrenzgründen andere E-Maildienste wie Gmail explizit zu nennen. Auch auf eine klare Anleitung wird verzichtet - die Einstellungen müssen indirekt über den Punkt "Andere Programme" bzw. "Fragen zu SSL" und hier "Servernamen und Ports" herausgelesen werden.

Gmail-Einstellungen

Die Änderungen bei Gmail können unter "Einstellungen" - "Konten und Import" vorgenommen werden. Unter dem Punkt "E-Mails per POP3 aus anderen Konten abrufen" kann dann rechts die Adresse bearbeitet werden. User müssen dann die SSL-Funktion mittels Haken im Kästchen aktivieren. Zusätzlich muss aber auch der Port auf 995 umgestellt werden. Im futurezone-Test reagierte Gmail auf die Umstellungen bockig und zeigte zunächst eine Fehlermeldung. Nach erneuter Eingabe des bestehenden Passworts klappte die Umstellung auf SSL aber.

Die Anzeige von Gmail "Passwort ändern" kann getrost ignoriert werden - wer von früher statt der eigenen E-Mail-Adresse als Nutzername noch die Nummern-ID oder auch statt gmx.net einen länderspezifischen Servernamen wie gmx.at eingetragen hat, kann diese Parameter ebenfalls so belassen wie sie sind.

Ab Ende März kein Empfang

Die täglichen Warn-E-Mails zu ignorieren, ist definitiv keine gute Idee, wenn man auch in Zukunft noch GMX-Mails empfangen will. Denn ab Ende März will GMX den Mailabruf per SSL im Rahmen der Initiative "E-Mail made in Germany" verpflichtend vorschreiben. Unter anderem als Reaktion auf die NSA-Spionage-Berichte soll die E-Mail-Kommunikation somit verschlüsselt und vor dem Auslesen geschützt werden. User der offiziellen GMX-Apps auf Android und iOS müssen übrigens ebenso wie User, die GMX über die GMX-Homepage nutzen, nichts tun.

Über 90 Prozent umgestellt

Bei GMX kann man etwaige Kritik an der Informationspolitik nicht nachvollziehen. "Wir informieren seit langer Zeit offen, verständlich und transparent. Es gibt Hilfeseiten und eine Reihe von Anleitungen, wie die Umstellung funktioniert", erklärt eine GMX-Sprecherin auf Anfrage der futurezone. Das tägliche Warn-Email soll beibehalten werden, schließlich wolle man möglichst viele User dazu bewegen, bis Ende März auf SSL umzusteigen.

GMX zufolge sei zudem nur ein kleiner Teil der User betroffen. Über 90 Prozent aller GMX-User würden von Haus aus über das GMX-Webmail oder die offiziellen GMX-Apps zugreifen, die bereits automatisch auf die verschlüsselte Verbindung umgestellt wurden.