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10/12/2010

Google arbeitet an Software zur Analyse von Web-Handel

Google will anhand von Preisen im Online-Handel Preisentwicklungen analysieren und somit eine Alternative zu konventionellen Inflationsstatistiken liefern.

Die riesigen Datenmengen, die der Internet-Gigant seit seiner
Gründung 1998 im Geheimen sammelt, sollen nun zur Analyse der Wirtschaft herangezogen werden. Laut einem Bericht der Financial Times arbeitet das auf Suchanfragen und Online-Werbung spezialisierte US-Unternehmen an einem Werkzeug, das Entwicklungen im Online-Handel protokolliert. Google greift dabei aus von unzähligen Web-Shops gesammelten Daten zurück.

Laut Hal Varian, Chefökonom des Konzerns, soll so der "Google Preisindex" (GPI) etabliert werden, der auf täglicher Basis die Inflationsrate misst. Im Gegensatz zu bisherigen Methoden sei dieses Werkzeug deutlich schneller und präziser.

Trends
Laut dem 63-jährigen Wirtschaftsexperten, der sich in seiner Forscherkarriere auf Informationsökonomie spezialisiert hat, sei etwa aktuell in den USA ein Trend hin zu Deflation, in Großbritannien hingegen ein Trend zu Inflation zu bemerken. Wobei Varian betont, dass der GPI sich von anderen Indizes insofern unterscheidet, da der reale Handel sich von jenem im Internet deutlich unterscheide: Während im Internet beispielsweise verstärkt Elektronik oder Schmuck verkauft werden, ist der Anteil an Lebensmitteln oder Immobilien weit geringer. Varian zufolge, der zu Internet-Wirtschaft unter anderem an der US-Universität Berkeley unterrichtet, werde die Software ständig weiterentwickelt. Ob das neue Analyse-Werkzeug veröffentlicht wird, sei allerdings noch nicht beschlossen.

Aktienmarkt
Neben dem Preisindex arbeitet Google unter Aufsicht von Varian zudem an einer Software, die Entwicklungen der weltweiten Wirtschaft vorhersehen sollen. Als Basis dienen hierfür jene Anfragen, die Milliarden von Web-Nutzer täglich in die Suchleiste eintippen. Wird von Leuten etwa verstärkt nach dem Begriff "Arbeitslosigkeit" gesucht, könne Google mit Hilfe andere Datenbestände sofort Rückschlüsse auf weitere Entwicklungen ziehen.

Diese Vorhersagekraft wurde schon auf anderen Gebieten unter Beweis gestellt. So kann Google den Ausbruch von Grippe-Wellen deutlich früher erkennen als staatliche Institutionen, da Erkrankte über Google nach Symptomen, Ärzten oder Behandlungsmethoden suchen.

Dass Google auch die Macht besitzt, Entwicklungen von Aktienmärkten voraussagen zu können, hat Google-Chef Eric Schmidt bereits im Februar 2010 auf einem internationalen Kongress in Abu Dhabi bestätigt. Google hätte dies jedoch gestoppt, da man intern entschieden habe, dass das Vorgehen illegal sei.

(futurezone)