Digital Life
03.10.2017

Google und Facebook verbreiten Falschmeldung zu Las Vegas

Aus diesen eingeschlagenen Fenstern hat der Täter in die Menge gefeuert © Bild: APA/AFP/GETTY IMAGES/DAVID BECKER

Anstatt Betroffene und Besorgte zu informieren, halfen Google und Facebook dabei, politisch motivierte Falschmeldungen zu verbreiten.

Insgesamt 58 Opfer forderte das Attentat in Las Vegas, zuzüglich zahlreicher Verletzter. So schlimm die Tat auch war, politische Ausschlachtung war gewiss. Neben Politikern, die Deutungshoheit erringen wollten, brachten Unbekannte des rechten Lagers auch diverse Falschmeldungen in Umlauf – dank tatkräftiger Unterstützung durch Facebook und Google mit Erfolg.

Seit Jahren bietet Facebook im Falle von Naturkatastrophen und größeren Anschlägen den sogenannten Safety Check an, der es Nutzern vor Ort ermöglicht, Freunde und Familienmitglieder über das eigene Wohlbefinden zu informieren. Zuletzt erweiterte der US-Konzern das Feature und installierte für solche Ausnahmesituationen – wie ebenjenes Massaker in Las Vegas – eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene, die neben dem angesprochenen Safety Check auch weiterführende Informationen sowie Spendendetails liefert. Das ist per se hilfreich, wird aber dann zum Problem, wenn die dort in Szene gesetzten Informationen schlichtweg falsch sind.

Fehlinformation geht viral

Ein prominent verlinkter News-Artikel titelte beispielsweise „Las-Vegas-Schütze angeblich Demokrat […] und in Kontakt mit Anti-Trump-Army“. Die dafür verantwortliche Webseite Gateway Pundit konnte jedoch keinerlei Beweise liefern. Das erzkonservative Medium machte in der Vergangenheit schon mit politisch motivierten Falschmeldungen auf sich aufmerksam.

Zwar entschuldigte sich Facebook binnen weniger Stunden in einem Statement und entfernte etwaige Falschmeldungen, doch war der Schaden bereits angerichtet: Die Geschichte ging viral. Algorithmus hin oder her, einem großen Konzern wie Facebook sollte ein solcher Fehler nicht unterlaufen – insbesondere in Zeiten, in denen „Fake News“ ohnehin verschrien und im Kontext sozialer Medien Gegenstand diverser Untersuchungen sind.

Google und Facebook weisen Schuld zurück

Doch offenbar handelt es sich um ein größeres Problem, denn auch die Google-Algorithmen gingen den Falschmeldern auf den Leim. Zwischenzeitlich verlinkte Google News auf einen Thread der anonymen Plattform 4chan, der möglicherweise Inspiration für den Gateway-Pundit-Artikel war. Dort verbreiteten Nutzer den vermeintlichen Namen des Schützen und ordneten diesen basierend auf einer Facebook-Seite einer „Anti-Trump-Army“ zu. Da der angebliche Name sich später als komplett falsch herausstellte, dürfte auch der politische Bezug zu US-Präsident Trump frei erfunden sein.

Auch Google veröffentlichte später eine Entschuldigung und verwies auf algorithmische Fehleinschätzungen. Das mag zutreffen und begründet sein, hatte aber auch zur Folge, dass eine Fehlinformation viral ging.