Telefone werden größer

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Digital Life
07/17/2015

"Große Displays verführen zu überladenen Apps"

Große Handydisplays verleiten Entwickler oft dazu, ihre Apps mit einer übertriebenen Vielzahl an Features auszustatten, meint Raphael Schneeberger von PocketScience.

PocketScience zählt mit der Schwesternfirma NOUS Wissensmanagement GmbH zu den größten und erfolgreichsten App-Entwicklern in Österreich. Der Trend zu Apps sei derzeit noch ungebrochen, wie Raphael Schneeberger, Geschäftsführer von PocketScience, im Gespräch mit der futurezone erklärt. Dass die Displays von Smartphones in den letzten Jahren immer größer geworden sind, hatte laut Schneeberger auch Auswirkungen auf die Qualität vieler Apps. „Bei den kleinen Displays früher musste man sich viel mehr Gedanken darüber machen, wie man die Oberfläche einer App gestaltet.” Bei den großen Displays würden aufgrund des vielen Platzes jetzt immer mehr Funktionen hineingesteckt werden, teilweise ohne vernünftiges Konzept. "Es gibt oft eine Art 'Featuritis' bei den Apps", so Schneeberger.

In Zukunft erwarte er sich eine Zunahme von Programmen, die Informationen genau dann liefern, wenn sie der Nutzer braucht: „Ich sehe kontextbasierte Infos bei Apps als starkes Wachstumsfeld. Wenn ich bei einem Supermarkt vorbei gehe, könnte mich eine App etwa darauf hinweisen, dass dort vielleicht gerade ein Artikel im Angebot ist, den ich mir zuvor vorgemerkt habe.”

Datenschutz

Zwar gebe es in diesem Bereich bereits vereinzelt Ansätze, jedoch sei laut Schneeberger hier noch viel mehr möglich. Die Problematik des Datenschutzes lasse sich laut Schneeberger mit Transparenz lösen: „Wenn man alles transparent gestaltet, kommt man sich nicht ausspioniert vor.” In erster Linie gehe es immer darum, dem Kunden einen konkreten Nutzen zu bieten: „Leute werden freiwillig Daten hergeben, wenn sie einen Nutzen dadurch haben”, so Schneeberger.

Diesen Nutzen klar und vor allem schnell zu transportieren sei auch eine der schwierigsten Aufgaben beim Entwickeln neuer Apps. „Bei Apps geht es immer um Zeitersparnis”, so Schneeberger. „Wenn Menschen den Nutzen nicht sofort erkennen, werden sie die App nie wieder anschauen.” Aus diesem Grund sei es auch wichtig, dass man sich in einer App sofort zurechtfindet, ohne vorher erst langwierig eine Anleitung oder ähnliches studieren zu müssen: „Ich muss mich sofort auskennen.”

Mobile Webseite

Teilweise setzen Firmen auch darauf, statt einer App lediglich eine mobile Webseite anzubieten. Das ist laut Schneeberger auch nachvollziehbar: „Der Internet-Browser ist fast auf jedem Handy die App Nummer Eins”, so Schneeberger. PocketScience entwickelt aus diesem Grund auch die Webseiten, die speziell für die Betrachtung auf kleinen Displays optimiert sind.

„Macht man eine App, muss sie immer einen zusätzlichen Nutzen zur mobilen Webseite haben, sonst wird sie gar nicht in den App Stores zugelassen”, so Schneeberger. Ein Anwendungsfall wäre etwa Offline-Funktionen, also das Nutzen der App ohne stabile Internetverbindung. Diese Funktionen sind zwar auch im Smartphone-Browser umsetzbar, innerhalb von Apps können sie jedoch weit besser implementiert werden.

Apps in Unternehmen

Smartphone- und Tablet-Apps werden heutzutage auch immer stärker innerhalb von Unternehmen eingesetzt und in Arbeitsabläufe integriert. Außendienstmitarbeiter nutzen etwa verstärkt mobile Geräte, um unterwegs mit der Zentrale zu kommunizieren. „Der Trend zu Apps startet dort derzeit voll durch”, so Schneeberger. Dies zeige sich auch in der Auftragslage, die sich laut Schneeberger zuletzt wieder stärker in Richtung Entwicklung von unternehmensinternen Apps verschoben hat.

Experimentiert werde derzeit unter anderem am Unternehmensbereich auch mit Virtual-Reality-Headsets wie etwa der Oculus Rift. „Wir führen unter anderem Gespräche im Immobilienbereich oder mit Baufirmen”, so Schneeberger. „Durch die Virtual-Reality-Brillen kann man etwa eine zukünftige Geschäftsfiliale virtuell erkunden, so der App-Entwickler. Dies sei allerdings noch eher Zukunftsmusik.

Ein Stück weit näher sind bereits tragbare elektronische Geräte, wie etwa Smartwatches. „Bei der Konzeption von Apps wird das schon immer mitgedacht.” Bei den Smartwatch-Apps konzentriere man sich in erster Linie darauf, eine abgespeckte Version der Haupt-App auf das Handgelenk zu bringen. Obwohl die smarten Uhren derzeit noch wenig verbreitet sind, meint Schneeberger, das sich das in Zukunft ändern wird: „Spätestens Apple hat es mit der Apple Watch vom Zaun gebrochen, es wird kommen."

Windows 10 als Chance

In Sachen Plattformen glaubt Schneeberger daran, dass das kommende Windows 10 Chancen hat, die Marktdominanz von Google und Apple am mobilen Sektor etwas aufzuwirbeln: „Die Geräte sind gut und die Funktionen sehen vielversprechend aus”, so Schneeberger. Besonders das neue Feature Continuum sieht Schneeberger als Chance: Dabei wird jedes Smartphone zu einem normalen Windows-PC, wenn man es mit einem Monitor, Tastatur und Maus verbindet.

Einen Fokus legt man bei PocketScience außerdem auf Apps für relativ junge Geräte, wie etwa Googles TV-Streaming-Stick Chromecast. „Wichtig ist es dabei ist es, auf allen verschiedenen Geräten, auf denen es eine App gibt, die gleiche Experience zu bieten.“

Zum Unternehmen

Gemeinsam mit NOUS Wissensmanagement GmbH ist PocketScience derzeit eine der wichtigsten österreichischen Firmen für App-Entwicklung. Sechs der zehn wertvollsten Marken Österreichs sind Kunden des Unternehmens, wie Schneeberger erklärt. Konkrete Namen könne aus Verschwiegenheitsgründen nur vereinzelt genannt werden: So ist das Unternehmen etwa für die Umsetzung der ORF-TVThek-App verantwortlich und entwickelte für das Sportministerium den RIO 2016 Auftritt für die Olympischen Spiele in Brasilien. Internationale Kunden der Firma sind etwa Samsung oder Mercedes. Neben Wien hat das Unternehmen zwei Standorte in den USA. Einer davon befindet sich in Santa Monica im US-Bundesstaat Kalifornien, der andere in Denver, Colorado.