Digital Life
07.07.2016

Gründer von Anti-Porno-Website will in Kirche einziehen

Alexander Rhodes, Gründer der Selbsthilfe-Website NoFap.com, hat für Religion nichts übrig, will das Hauptquartier seines Unternehmens aber in einer alten Kirche aufschlagen.

Alexander Rhodes ist 26 Jahre alt. „Ich bin kein guter Geschäftsmann. Ich bin eigentlich nichts außer der Typ, der von Internet-Pornografie abhängig war“, sagt er im Interview mit der New York Times. Seine Website NoFap.com hat gut eine Million Besucher pro Monat und bilanziert fast ausgeglichen.

Als Sohn eines Computer-Programmierers hatte er schon früh Zugang zu Technologie. Mit elf Jahren sah er das erste Mal pornografische Inhalte im Internet. Im College masturbierte er bis zu 14-mal täglich zu Online Porno: „Ich habe es keinen einzigen Tag ohne masturbieren ausgehalten.“

Erektionsprobleme

Ein trauriger Höhepunkt seiner Sucht waren negative Effekte auf die Beziehung zu seiner Freundin, als er die Universität besuchte. Er litt an Erektionsproblemen: „Ich musste an Pornos denken, um eine Erektion zu bekommen. Es war der einzige Weg.“

2011 beschloss er Hilfe zu suchen und erstellte ein Forum auf Reddit. Mit dem Geld, das er als Auftragsnehmer für Google verdiente, öffnete er die Website NoFap.com. Seine Sucht konnte er erst später besiegen, nachdem eine weitere Beziehung wegen seines Porno-Konsums in die Brüche gegangen ist. Seinen Job bei Google hat er aufgegeben, um sich ganz NoFap.com zu verschreiben.

Panik-Knopf

NoFap.com finanziert sich durch Abos, Spenden und Werbung, etwa für Porno-Blocker und Kurse, die helfen sollen von der Porno-Abhängigkeit loszukommen.

Auf der Website gibt es auch einen Panik-Knopf. Zu vier verschiedenen Themen, wie Depression oder Einsamkeit, werden motivierte Sprüche und Bilder angezeigt. Den Panik-Knopf gibt es auch als App für iOS und Android.

Kirche ohne Religion

Beim Panik-Knopf muss eine Option angeklickt werden, wenn man auch religiöse Motivationssprüche sehen will. Das scheint ungewöhnlich, da Proteste gegen Pornografie und Selbsthilfegruppen für Masturbations-Abhängige oftmals mit christlichen Organisationen in Zusammenhang gebracht werden.

„Ich bin keine religiöse Person“ stellt Rhodes klar: „Ich bin nicht gegen Religion, aber ich unterstütze sie nicht. Außerdem bin ich Sex sehr positiv gegenüber eingestellt. Und ich glaube absolut an Sex vor der Ehe.“

Umso bizarrer wirkt es, dass Rhodes plant sein Hauptquartiert in einer alten Kirche aufzubauen. Sein Vater hat bei einer Auktion eine verlassene Kirche, erbaut im Jahr 1906, um 50.000 US-Dollar erstanden. Es steht noch nicht fest, ob Rhodes Junior tatsächlich die Kirche benutzen darf. Er könnte sich aber durchaus vorstellen, mit Angestellten von dort aus NoFap.com zu betreiben.

Todesdrohungen

Obwohl er kein religiöser Fanatiker ist, der mit einem „Masturbation is a ticket to hell!“-Schild vor Fruchtbarkeitskliniken steht, musste er schon etliche Angriffe hinnehmen.

So gab es Hack-Versuche auf seine Website, das Forum wurde mit Pornobildern gespammt und sein Vater bekam pornografisches Material per Post geschickt. Rhodes erhielt auch Todesdrohungen.