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Medien
04/25/2013

Hackerattacke löst Debatte über Twitter aus

Der Hackerangriff auf den Twitter-Zugang der Nachrichtenagentur AP mit seinen kurzfristigen, aber heftigen Folgen für die US-Börsen trifft den Internet-Kurznachrichtendienst zu kritischer Zeit.

Gerade schien es, als habe das US-Unternehmen sich eine zentrale Stellung in der internationalen Medienlandschaft erkämpft - da löscht eine einzige falsche Botschaft für kurze Zeit 135,6 Milliarden Dollar Börsenwert aus. Eine Woche zuvor waren über den Dienst Fehlinformationen über die Bombenangriffe in Boston verbreitet worden. Die Vorfälle haben eine Debatte über die Glaubwürdigkeit von Meldungen via Twitter angestoßen - und parallel dazu eine Diskussion, ob dies überhaupt von der Plattform eingefordert werden kann.

Weltweit hat Twitter 200 Millionen Nutzer, täglich werden mehr als 400 Millionen Tweets abgesetzt. Der Wert des Unternehmens wird auf neun Milliarden Dollar geschätzt. Derzeit bereitet sich Twitter auf einen Börsengang ab 2014 vor. Und der Einfluss wächst: Die US-Börsenaufsicht SEC hat Unternehmen erlaubt, auch wichtige Informationen wie Quartalszahlen über den Internet-Dienst zu verbreiten.

Nach dem Tsunami in Japan 2011 und während des Hurrikans „Sandy" 2012 wurde Twitter zu einem zentralen Nachrichtenkanal für Betroffene. Auch zahlreiche deutsche Politiker nutzen das Medium regelmäßig. „Sie haben die Chance, sich als echten `Player` bei der Informationsverbreitung zu etablieren", sagt Steve Brunetto von der Sicherheitsfirma Edgewave. „Aber jedes Mal wenn jemand sagt, `Man kann nicht glauben, was man auf Twitter liest`, wirft es sie zurück."

Schwierige Beziehung zu Medien
Zu den Medien hat Twitter eine symbiotische, wenn auch manchmal schwierige Beziehung entwickelt. Der Nachrichten- und Finanzdienstleister Bloomberg hat angekündigt, Twitter über seine Terminals an Wall-Street-Händler zu liefern. Hackerangriffe wie den auf AP träfen die Medien besonders hart, sagt der Journalismus-Professor Dan Gillmor von der Arizona State University: Twitter sei für sie inzwischen der Hauptweg, um Kunden zu erreichen, die keine Zeitung abonniert haben.

Deswegen sollten die Medien von Twitter bessere Sicherheitsvorkehrungen einfordern, sagt Robert Quigley von der University of Texas. Fälle wie der Hackerangriff kämen inzwischen zu häufig vor. „Das wird langsam nervenaufreibend." Der Sicherheitsexperte Mark Risher weist allerdings darauf hin, dass zusätzliche Maßnahmen den Umgang mit Twitter erschweren und damit vielleicht das Wachstum - gemessen an der Zahl der Nutzer - schmälern könnte. „Aber Sicherheitsprobleme schaden Twitter als Marke." Das Unternehmen selbst gibt keine Informationen über geplante Änderungen an seiner Software bekannt.

Kein Einfluss auf die Inhalte der Tweets
Allerdings hat sich Twitter bislang als Plattform dargestellt, die keinen Einfluss auf den Inhalt der Tweets nimmt und auch aus juristischer Sicht neutral bleiben will. Einige Experten argumentieren, dass sich die Frage der Glaubwürdigkeit für Twitter nicht stellt. Jeff Jarvis von der City University of New York sagt, durch die Internet-Dienste und Sozialen Netzwerke höre man jetzt halt „mehr Stammtisch-Diskussionen und Spekulationen als vorher". Er warnt: „Das bedeutet nicht, dass man ihnen mehr glauben sollte als vorher."

Gillmor aus Arizona sieht die Medien selbst in der Pflicht. „Es geht nicht darum, ob Twitter glaubwürdig ist oder nicht", sagt er. „Es geht darum, was die Leute damit machen." Die Medien hätten das Gefühl, dass es keine Alternative zu Twitter gebe. Dann müssten sie aber „sehr genau darüber nachdenken, was das bedeutet", ob bei Fragen der Sicherheit oder „was es bedeutet, wenn man einen Teil seines Zeugs neuartigen Vertriebswegen übergibt".

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