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Österreich
12/14/2011

Hard Graft: Hightech in Wiener Filz und Leder

Vom Wiener Kreativbezirk Mariahilf aus hat ein Designer-Duo Apples Zubehör-Welt erobert. Mit österreichischen Materialien und europäischer Produktion will man all jene Kunden überzeugen, die wertige Hüllen für ihr Hightech haben wollen - künftig nicht nur Apple-Produkte.

von Jakob Steinschaden

Wenn Apple-Mitarbeiter ihre MacBooks, iPhones oder iPads in Schutzhüllen schieben, ist es gut möglich, dass diese in Wien gefertigt wurden. Denn vom Kreativbezirk Mariahilf - und einem ausgesprochen schicken Loft - aus hat die Firma Hard Graft still und heimlich die Herzen all jener erobert, die ihre Apple-Geräte gerne in wertige Leder-Filz-Hüllen stecken.

“Viele unserer Kunden arbeiten bei Apple”, sagt die in Wien lebende Designerin Monika Katzenschläger, die das Kleinstunternehmen gemeinsam mit dem britischen Grafiker James Teal gegründet hat. Die Ursprungsidee: Auf einem gemeinsamen Australien-Trip vermissten die beiden eine reisetaugliche Notebook-Hülle, worauf sie sich selbst eine schneiderten.

Insider-Tipp
Seither ist Hard Graft zum internationalen Geheimtipp avanciert, was schickes und gleichzeitig praktisches Apple-Zubehör angeht. Von den USA bis China trudeln die Bestellungen im selbst designten Web-Shop ein, sogar nach Kasachstan hat man bereits Ware verkauft. Dabei hilft natürlich, dass Hard Graft im Fahrwasser der Weltmarke Apple operiert. Kalkuliert war der Erfolg, der sich ohne jegliches Investorengeld einstellte, aber nicht.

“Wir sind selbst immer Apple-Nutzer gewesen, da war es natürlich, Zubehör dafür zu machen”, sagt Teal. Zudem sei es viel einfacher, für die Produkte der US-Firma zu designen, da diese im Gegensatz zu anderen Herstellern sehr einheitlich sind und selten Größe und Form verändern.

Von dem Umstand, dass Apple-Nutzer gerne ein bisschen tiefer in die Tasche greifen, profitiert Hard Graft natürlich. “Wer einen billigen Laptop hat, wird wahrscheinlich keine Tasche dafür bei uns kaufen”, sagt Katzenschläger. Konkrete Angaben zu Kundenzahl, Einnahmen und verkauften Produkten wollen die beiden nicht machen, “aber wir machen gutes Geschäft damit und können davon leben.”

Hardgraft

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Handgemacht
Qualität, hochwertige Materialien und Liebe zum Detail sind für viele Kunden ausschlaggebend bei der Entscheidung, etwa für eine iPad-Hülle einmal mehr als 70 Euro auszugeben - und das in einem Markt, der von günstigem Zubehör aus China wahrlich geflutet wird. Bis 2010 hat das Hard-Graft-Duo nahezu alle Produkte selbst per Hand gefertigt, heute ist dafür eine italienische Manufaktur zuständig, in der auch internationale Top-Marken herstellen lassen.

Standard bei fast jeder Tasche sind zwei Materialien: Leder und Filz. “Das sind sehr österreichische Materialien, die viele an Trachtenjacken erinnern”, sagt Teal. “Viele fühlen sich dadurch in die gute alte Zeit zurückversetzt, die sie jetzt mit den modernen Geräten kombinieren können.” In den USA würden die Produkte mit mitteleuropäischer Tradition assoziiert werden. Spielereien wie Magnete statt Knöpfen oder zu Rucksäcken umfunktionierbare Umhängetaschen komplettieren den Hard-Graft-Stil.

Kostspielige Nostalgie
Die Kundschaft der zwei ist überwiegend männlich, die sich einerseits vom Technologie-Fokus und andererseits für die für Hardgraft typischen Farben (Grau, Braun, Schwarz) angesprochen fühlen dürften. Der Bestseller verwundert kaum: Das “Phone Fold Wallet” ist eine Geldbörse mit einem auf das iPhone zugeschnittenen Fach.

Besonderen Wert legen die beiden darauf, in Europa zu produzieren. Die gleiche Ware in China zu produzieren, sei gar nicht möglich, weil dort die Lederverarbeitung nicht so qualitativ wie in Italien wäre. “Die Produktion ist teuer, kein Vergleich zu China”, sagt Katzenschläger. “Die Preise müssen sich mit der Konkurrenz messen können.” Man wolle Preise so gestalten, dass sich “normale Leute” die Produkte leisten können “und nicht nur Snobs”. Mit China verbindet aber eines: Dort sind bereits gefälschte Hard-Graft-Produkte aufgetaucht, die man aber nicht gerichtlich zu bekämpfen versucht.

Zukunftspläne
Auch wenn mit Apple alles begann, soll es nicht dabei bleiben. In Planung sind bereits Taschen für digitale Spiegelreflex-Kameras, Amazons neues Tablet “Kindle Fire” sowie Hüllen für populäre Android-Handys wie SamsungsGalaxy S II”. Außerdem wolle man auch vermehrt Taschen für den “für den modernen Menschen, der Hightech mit sich herumträgt” anbieten und versuchen, über externe Online-Shops und Boutiquen zu vertreiben. “Wir betreiben keine Marktforschung, welche Geräte derzeit stark gefragt werden. Für welche Modelle wir Zubehör machen, entscheiden wir eher nach Bauchgefühl”, sagt Katzenschläger.

Von einer zentralen Firmenphilosophie wollen die beiden aber nicht loslassen: Sie machen keine Werbung für Hard Graft. “Man kann Dinge nicht erzwingen. Uns ist es lieber, wenn die Leute uns von alleine entdecken”, sagt Teal. Bisher habe das sehr gut funktioniert. Via Mundpropaganda im Internet - zuerst über kleine Blogs, später große Online-Netzwerke - hätte sich die Marke herumgesprochen.

Zur Kommunikation nach außen nutzen Katzenschläger und Teal den Newsletter, Twitter und den Foto-Dienst Instagram. “Facebook haben wir zum Beispiel nach einem halben Jahr wieder aufgegeben”, sagt Katzenschläger. “Wir verwenden nur Plattformen, die wir persönlich mögen.”

Urban Tool: Konkurrenz mit Asien-Fokus
Mit Urban Tool gibt es eine zweite Wiener Firma, die sich der Herstellung von Hightech-Zubehör verschrieben hat. Seit 2004 bietet das Unternehmen - oft sehr sportliche und jugendliche - Accessoires für Handys, MP3-Player oder Notebooks an. Das beliebteste Produkt ist bis dato der “SportHolster” (49 Euro), der das bequeme Tragen eines Musik-Players oder Smartphones beim Joggen etc. erlaubt.

Auch für Urban Tool ist Apple Zubehörmarkt ein wichtiger Faktor. “Bei Gerätegrößen ist Apple meist richtungsweisend und für unser Design deswegen oft maßgebend”, sagt Urban-Tool-Mitgründerin Anja Herwig.

Im Geschäftsjahr 2011 wird die Firma mit derzeit acht Mitarbeitern einen Umsatz von knapp einer Million Euro schaffen. Im Fokus steht derzeit die Expansion nach Asien, weil dort die Leute aufgeschlossener für die Produkte seien als in Europa, so Herwig. Dort werden die Accessoires übrigens auch hergestellt: Die Produktion ist seit längerem in ein Werk in China ausgelagert.