Radikale Gruppen wie der IS treten hoch professionell in den sozialen Medien auf

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Frankreich
01/13/2015

Hunderte Internet-Seiten von Islamisten gehackt

Unter den Zielen der Angriffe befinden sich staatliche Institutionen, Unternehmen und Touristen-Attraktionen.

Nicht nur ein Twitter-Account des US-Militärs, sondern auch hunderte Internetseiten von französischen Institutionen sind seit den islamistischen Anschlägen in Frankreich gehackt worden. Die Internet-Seiten von Rathäusern, Schulen, Universitäten, Kirchen und Unternehmen wurden von Hackern angegriffen, die sich als Islamisten aus Nordafrika oder Mauretanien ausgaben.

Oft wurden die Startseiten gekapert; auf schwarzem Hintergrund erschienen Botschaften wie "Tod für Frankreich" oder "Tod für Charlie". Der Internet-Sicherheitsexperte Gerome Billois sagte, nach seiner Erinnerung habe es noch nie eine solch umfangreiche Kampagne in so kurzer Zeit gegeben.

Keine Einzelfälle

So wurde der Internet-Auftritt des Departements Lot im Südwesten des Landes drei Stunden lang von einer tunesischen Gruppe lahmgelegt, die die Website mit einer Adresse verlinkte, auf der islamistische Reden verbreitet werden. Der Webauftritt der Gedenkstätte zur Geschichte des 20. Jahrhunderts in Caen in Nordfrankreich wurde durch eine Botschaft in Arabisch und Französisch gestört. Dort hieß es: "Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah."

Auch die Webauftritte touristischer Destinationen, etwa des Papstpalastes in Avignon oder der Brücke der Stadt (Pont d'Avignon) wurden Opfer von jihadistisch motivierten Hackerangriffen. Die Diözese von Nantes, deren Seite ebenfalls angegriffen wurde, versuchte hingegen zu beruhigen: Derartige Angriffe würden zwei bis drei Mal jährlich stattfinden, nicht nur vor dem Hintergrund der "Ereignisses und des Klimas der vergangenen Tage."

Online-Terror

Der Europa-Technikchef der Internet-Sicherheitsfirma Checkpoint, Thierry Karsenti bezeichnete die Angriffe als "Cyber-Jihad". Das Kapern von Homepages sei dabei nur "die Spitze des Eisbergs" und die am wenigsten gefährliche Variante.

Angriffe jihadistischer Milizen im Internet oder in Sozialen Netzwerken hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Regelrechte Berühmtheit erlangte etwa eine vom "Islamischen Staat" (IS) programmierte App mit dem Namen "Morgendämmerung der Glücksbotschaften". Mithilfer dieser wurden die Twitter-Accounts jedes einzelnen Users zum Multiplikator von Nachrichten der IS.