Der neue Google-Campus soll sich komplett unter Glas befinden

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Digital Life
03/27/2015

"Ich kann nicht plötzlich so wie bei Apple arbeiten"

Technologie-Unternehmen wie Google setzen auf innovative Büros mit vielen Freiheiten. Doch hierzulande stoßen diese Konzepte noch auf Skepsis, allen voran das Großraumbüro.

Großraumbüros eilt kein guter Ruf voraus. Während sie in den Sechzigerjahren noch als effiziente Alternative gefeiert wurden, sind sie nun das Schreckgespenst schlechthin. Studie um Studie belegte in den vergangenen Jahren, wie Großraumbüros Gesundheit und Produktivität von Arbeitnehmern beeinträchtigen. Doch die Großraumbüros von Heute haben mit den grauen Bienenstöcken des letzten Jahrtausends nichts mehr zu tun.

“Das amerikanische Großraumbüro gibt es nicht mehr”, sagt Michael Fried, Vorstand für Sales & Marketing beimösterreichischen Büromöbel-Hersteller bene.Das Bild der unpersönlichen Bürolandschaften habe sich dank Hollywood-Filmen in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt. “Niemand kann sich vorstellen, wie ein gutes Großraumbüro aussieht. Das ist vor allem ein Image-Thema”, meint Manuela Lindlbauer, Gründerin des Personalmanagement-Unternehmens Lindlpower.

"Klosterbibliothek auch nur Großraumbüro"

Dem stimmt auch Franz Kühmayer, früher Manager bei Microsoft und heute als Unternehmensberater tätig, zu: “Klosterbibliotheken sind auch nichts anderes als Großraumbüros und dort wird schon seit Jahrhunderten effizient gearbeitet.” Doch was tun, um das angeschlagene Image der offenen Büros wieder zu retten? In den USA sind diese dank Vorzeigebeispielen wie Google längst wieder salonfähig und vor allem unter Start-ups die Norm. Ein Allheilmittel seien sie aber dennoch nicht. “Das traditionelle Familienunternehmen kann nicht von Heute auf Morgen sagen: Ich will jetzt so arbeiten wie Apple. Das ist zum Scheitern verurteilt”, sagt Kühmayer.

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Google wird immer wieder als Vorzeigebeispiel genannt, der Konzern aus Mountain View erhält regelmäßig Auszeichnungen als beliebtester Arbeitgeber in den USA. Der Konzern tut alles, um seine Mitarbeiter bei Laune zu halten: Seien es Massagen im Büro, kostenloses Bier, Wäscherei und Frisör am Campus oder eine Kantine, die Haubenküche serviert. Das mag übertrieben erscheinen, doch im “War for talents”, dem “Kampf um die besten Mitarbeiter”, muss man einiges bieten. Das spüren auch Personalmanager wie Lindlbauer: “Die Generation Y macht ordentlich Druck. Früher war man für einen Job dankbar, heute setzen sie eine gewisse Flexibilität voraus. Das zwingt die Unternehmen zum Handeln.”

Manager als Vorbilder Dieser Wandel entpuppt sich aber für viele Unternehmen als Drahtseilakt, da langjährige Mitarbeiter auf alte Werte pochen. “Die Generation Y ist eher offen und flexibel, ältere Arbeitnehmer sehen das große Einzelbüro aber immer noch als Machtsymbol”, so Lindlbauer, die vor allem die Manager in der Pflicht sieht. “Wenn die immer noch an ihren alten Büros festhalten, gibt das ein schlechtes Beispiel ab.” Die Experten sind sich darin einig, dass dieser Konflikt zugunsten “der Jungen” ausgehen wird, man solle aber auf dem Weg dahin auf die Bedürfnisse aller Mitarbeiter eingehen. “Die Mitarbeiter müssen sich wohl fühlen. Nur mit zufriedenen Mitarbeitern lässt sich ein Erfolg erzielen. Es geht schließlich um Räume, in denen man die Hälfte seiner Lebenszeit verbringt”, sagt bene-Manager Fried.

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Dafür brauche es aber klar definierte Regeln. “Ist es zum Beispiel in Ordnung, wenn alle Mitarbeiter in der Pause am Arbeitsplatz essen oder ihre privaten Laptops mitnehmen?”, so Kühbauer. Falsche Vorstellungen über die neuen Arbeitswelten ersticken zudem die gewünschte Dynamik im Keim: “Ich hocke zum Arbeiten in der Lounge und plötzlich kommt der Chef vorbei und wirft mir vor, dass ich schon wieder Pause mache. Ab diesem Zeitpunkt ist dieser Ort für mich gestorben.” Auch das sogenannte Desksharing, bei dem Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz jederzeit frei wählen können, sorgt oftmals für Skepsis. “Man muss den Mitarbeitern klar machen, dass man zum Beispiel zehn coole Arbeitsplätze zur Auswahl hat und es keinen Wettbewerb um einen Sitzplatz gibt.” Dafür brauche es aber auch entsprechende Bürolandschaften, in denen die Mitarbeiter rasch zwischen ruhigen, produktiven oder Team-orientierten Bereichen wechseln können.

"Büro wird nie obsolet"

Nicht nur die Bürogestaltung ist umstritten, auch das sogenannte “neue Arbeiten.” In vielen Branchen sind klassische 9-to-5-Arbeitstage mittlerweile überholt. Freie Zeiteinteilung soll dem Mitarbeiter die Freiheit geben, selbst zu bestimmen, wie man am produktivsten ist. “Zeit ist ein ganz schlechter Maßstab für Arbeit. Viele Unternehmen messen nur mehr in Erfolg”, so Kühmayer, der Arbeit und Freizeit als nicht trennbar ansieht. “Meine besten Ideen habe ich unter der Dusche. Soll ich diese Zeit jetzt als Arbeitzeit abrechnen? Das geht nicht mehr zusammen.”

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Bereits jetzt kommen nur den wenigsten Arbeitnehmern Geistesblitze am Schreibtisch, wie Studien belegen. Das Ende des Büros bedeute das aber dennoch nicht, so Fried: “Das Büro wird nie obsolet. Irgendwo muss man auch mitbekommen können, wie das Unternehmen eigentlich tickt.” Dieses “neue Arbeiten” liegt zwar im Trend, dürfte sich aber erst bei der kommenden Generation voll entfalten und ist auch nicht für jeden geeignet. “Jeder Arbeitnehmer will eigenständig arbeiten, aber wie viele schaffen das wirklich? Viele Menschen brauchen gewisse Grenzen und Strukturen”, meint Lindlbauer. Das sei zudem keine Frage von Alter.

Facebook statt E-Mail

Eine Generationenkluft sei jedoch bei der Verwendung neuer Technologien erkennbar. Während sich Manager oftmals für die Sperre von Sozialen Netzwerken wie Facebook aussprechen, um die Produktivität zu steigern, warnt Kühmayer vor einem gegenteiligen Effekt. “Man muss sich nur anschauen, was Studenten verwenden, wenn sie eine Seminararbeit organisieren. Die haben Erfahrungen mit Facebook-Gruppen, Google Drive und Co - und dann kommen sie in ein Unternehmen das nur E-Mail anbietet. Natürlich werden die anfangen, ihre eigenen Geräte mitzubringen.”

Mit einem hübschen Büro allein sei es den Experten zufolge nicht getan. “Wenn sich dahinter ein Bergwerk verbirgt, bin ich ebenso schnell wieder weg”, sagt Kühmayer. Irgendwann müssten auch die Manager erkennen, dass ein Büro die Produktivität eines Unternehmens maßgeblich beeinflusse, so Lindlbauer. Das sieht auch Michael Fried von bene ähnlich: “Das Büro ist ein vitaler Lebensraum, egal in welcher Branche man tätig ist. Auch ein Call-Center braucht zufriedene Mitarbeiter.”