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Entwicklung
08/09/2012

Indien verschenkt Handys an arme Familien

Mehr als sechs Millionen Haushalte sollen kostenlose Handys mit 200 Freiminuten im Monat bekommen. Die indische Regierung will mit dem 1,2 Milliarden US-Dollar schweren Programm die Vernetzung im ländlichen Raum stärken, dabei aber auch bereits Wählerstimmen für 2014 einsammeln.

Laut der Online-Zeitschrift Times of India plant die indische Regierung ein 1,2 Milliarden US-Dollar teures Projekt, bei dem die ärmsten Familien Indiens mit günstigen Mobiltelefonen ausgestattet werden sollen. Knapp sechs Millionen Haushalte sollen zumindest ein Gerät erhalten, das 200 Freiminuten im Monat beinhaltet. Eine entsprechende Ankündigung sei für den 15.August geplant. Das Projekt mit dem Namen "Har Hath Mein Phone" hat vor allem politische Hintergründe. 2014 finden wieder Wahlen in Indien statt und die derzeit regierende United Progressive Alliance (UPA) möchte damit nicht nur potentielle Wähler überzeugen, sondern auch dauerhaft ein Netzwerk für Wahlwerbung aufbauen.

Finanzierung über Staatsfonds und Mobilfunker
Das Projekt wird zu 50 Prozent von einem staatlichen Telekommunikationsfonds finanziert, die andere Hälfte stammt voraussichtlich vom Mobilfunkbetreiber, der das entsprechende Netz zur Verfügung stellt. Der Fonds ist zur Finanzierung von Technologien gedacht, der Bewohnern von ländlichen Gebieten Zugang zum Mobilfunknetz verschaffen. Das Geld hierfür stammt von den indischen Mobilfunkbetreibern, die fünf Prozent ihrer Umsätze an die Regierung abtreten müssen. Die indische Regierung hat bereits zuvor ähnliche Projekte gestartet. So wurde vor kurzem eine Initiative in Auftrag gegeben, durch die mehr als 2,5 Millionen Panchayats, selbstverwaltete ländliche Regionen in Indien, innerhalb der nächsten 16 Monate über das Internet miteinander verbunden werden.

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