Spionage
04/17/2011

Iran beschuldigt Siemens wegen Stuxnet-Virus

Ein hochrangiger Militärvetreter wirft dem deutschen Konzern vor, den USA und Israel bei ihrem Cyber-Angriff auf das iranische Atomprogramm geholfen zu haben.

Siemens müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden, dass sein in Kraftwerken eingesetztes System von dem Virus befallen wurde, sagte der Militärkommandeur Gholamreza Jalali der iranischen Zeitung „Kayhan“ vom Sonntag. "Der Siemens-Konzern muss erklären, wie und warum er dem Feind die Informationen über seine Scada-Software zukommen ließ, was den Boden für die Cyber-Attacke gegen uns bereitet hat“, sagte Jalali.

"Kein Kommentar" von Siemens
Siemens lehnte eine Stellungnahme ab.
Das Virus Stuxnet dringt nach Einschätzung von Software-Experten in die Systeme zur Überwachung von Automatisierungsprozessen ein, die in zahlreichen Branchen von der Lebensmittel- über die Chemieindustrie bis hin zur Energieerzeugung eingesetzt werden. Die Schadsoftware attackiert auch Rechner, mit denen Kraftwerke und andere Anlagen mit Hilfe von Kontrollsystemen von Siemens gesteuert werden. Stuxnet ist einer der ersten Computerviren, die gezielt für Angriffe auf Industrieprogramme erstellt wurden.

Im letzten September hatte der Iran mitgeteilt, dass Stuxnet Computer von Mitarbeitern des Atomkraftwerks Bushehr befallen hat. Die Anlage selbst sei aber unversehrt geblieben, hieß es damals. Allerdings ist Bushehr noch immer nicht am Netz. Das hat Spekulationen darüber ausgelöst, dass die Rechner des einzigen Atomkraftwerk des Landes selbst von Stuxnet befallen wurden. Einige Experten außerhalb des Iran haben erklärt, Stuxnet sei möglicherweise als Cyber-Angriff auf das umstrittene Programm zur Urananreicherung eingesetzt worden. Der Iran wird von der internationalen Gemeinschaft verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung von Nuklearenergie nach Atomwaffen zu streben. Die Führung in Teheran bestreitet das.

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