© Stephan Borovicieny

Plugged 11.0
11/10/2011

Jabkowski: „Der Letzte dreht das Licht ab“

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit ist ein strategisch verankertes Thema des Bundesrechenzentrums, das die Patronanz über den Grünen Stecker des Plugged 11.0 übernommen hat. Im Interview spricht Roland Jabkowski, Geschäftsführer des BRZ, über Energiesparmaßnahmen und Bewusstseinsbildung beim Bürger.

futurezone: Warum hat das BRZ die Patronanz über den Grünen Stecker übernommen?
Roland Jabkowski: Wenn man sich mit Green-IT beschäftigt, geht es um unsere eigene Zukunft und die unserer Kinder. Mit dem Ziel, das grünste Rechenzentrum Österreichs zu werden, wollen wir Vorbild für andere sein.

Rechenzentren gehören zu den größten Energieverbrauchern, was bedeutet das in Zahlen?
Die ITs sind große Verbraucher der EU, etwa acht Prozent des Stromverbrauchs und vier Prozent des CO2-Ausstoßes werden der IT zugeordnet. Rechenzentren sind da für einen großen Teil davon verantwortlich.

In Island wurde das erste energieneutrale Datencenter eröffnet. Strom wird durch Geothermik erzeugt, Abkühlung durch Außenluft. Wäre so etwas auch in Österreich möglich, natürliche Ressourcen wie Solar, Wasserkraft oder Erdwärme zu nutzen?
Solche Themen sind auch in Österreich machbar. Wir beziehen unseren grünen Strom aus Wasser, auch Solaranlagen und Warmwasseraufbereitung sind bei uns ein Thema. Die Wärme aus unserem Rechenzentrum wird in unser Heizsystem eingespeist und dabei sparen wir etwa 300.000 Kilowattstunden ein. Auf Grund neuester Kühltechnologien können wir in den Wintermonaten unsere Kältemaschinen abschalten.

Das heißt Sie müssten sich über einen langen Winter freuen?
Was die Energiebilanz betrifft, wäre das eine richtige Aussage.

Was tut das BRZ als eines der größten Rechenzentren des Landes gegen den Verbrauch?
Wir haben 2010 ein 3-Jahres-Energieeffizienz- bzw. Green-IT-Programm gestartet. Wir setzen auf zwei Maßnahmen: Die eine ist das Thema der technischen Infrastruktur, dazu zählen Klimatisierung und unterbrechensfreie Stromversorgung. Die andere ist der Auslastungsgrad der Rechner-Systeme.

Wo liegt dieser Auslastungsgrad?
In den meisten Fällen liegt er im einstelligen Bereich.

Da kann man nicht von Effizienz sprechen?
Alleine 2011 haben wir durch Maßnahmen im Bereich moderner Klimatisierung 1,3 Gigawattstunden eingespart, das sind 1,3 Millionen Kilowattstunden; Durch Maßnahmen wie Server-Virtualisierung planen wir die Energieeffizienz unserer Rechner um 50 Prozent zu erhöhen. Daraus ergibt sich wiederum eine Einsparung von 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom/Jahr.

Der Begriff Free Cooling macht seit geraumer Zeit die Runde.
Genau, wir kühlen mit Außenluft. Ab unter 9 Grad Celsius, also heute (3.11.2011, Anm.) sind die Kältemaschinen ausgeschaltet, weil unsere Server-Räume mit Außenluft gekühlt werden. Vor zwei, drei Jahren konnten wir unsere Kältemaschinen bei unter sechs Grad abschalten, mittlerweile schalten wir sie bereits ab, wenn es neun Grad Außentemperatur hat.

Wie viele Euro haben Sie sich heuer durch Green-IT-Maßnahmen erspart?
Heuer werden es in Summe aller unserer Projekte etwa 300.000 Euro sein. Damit haben wir bereits ein Jahr nach Start unseres dreijährigen Green-IT-Programms die Hälfte des Ziels erreicht. Das entspricht übrigens einer Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs um 20 bis 25 Prozent und das bedeutet eine CO2-Reduktion um 900 Tonnen pro Jahr. Wir sparen so viel ein wie 2000 Haushalte verbrauchen, so viel wie ganz Schladming.

Welche Ideen aus einem Rechenzentrum könnte ein Privathaushalt nutzen?
Ein einfaches Mittel ist ein Messgerät, mit dem man den Verbrauch von Geräten misst. Das ist auch der erste Schritt, den man in einem Rechenzentrum unternimmt. Diese Messgeräte gibt es für Privathaushalte im Baumarkt. Das klingt banal, aber wenn man solche Geräte zum Flat-TV, zum Kühlschrank, zur Spielkonsole schaltet, bekommt man „visualisiert“, dass es so etwas wie Standby-Betrieb gibt. Da ich grundsätzlich nicht gerne für Nicht-Leistung Geld bezahle, habe ich zudem Steckerleisten angeschafft.

Das ist eine sehr bekannte Methode.
Aber noch nicht ausgeschöpft. Man glaubt ja nicht, wie hoch der Verbrauch ist.  Wenn die Messgeräte 8 Watt, 10 Watt, 15 Watt anzeigen und man zusammen rechnet, was die verbrauchen – da kommt einiges zusammen.

Wie kann man Energieeffizienz promoten?
Das Wesentliche ist Bewusstseinsbildung beim Bürger. Es ist machbar, zu sensibilisieren, denn Energieverbrauch kostet Geld. Heutige Geräte verbrauchen weniger Strom als vor einigen Jahren, denken Sie an die alten Röhrenfernseher – das waren ja Zusatzheizungen. In der Zwischenzeit ist ein niedriger Energieverbrauch auch so etwas wie eine Marketing-Botschaft. Wenn ich einen Kühlschrank kaufe, interessiert mich die Energieeffizienz sehr. Ich bin auch bereit, für Geräte mit mehr Energieeffizienz mehr Geld in die Hand zu nehmen. Es schont die Umwelt, es ist wichtig für unsere Zukunft und für die unserer Kinder.

Wichtig für den Konsumenten ist aber das Einsparpotenzial.
Man rechnet in heutige Investitionsrechnungen den KW-Preis ein, wir können aber davon ausgehen, dass Energie nicht billiger wird. Etwas, was sich heute nicht rechnet, wird sich morgen rechnen.

Wie bewusst gehen Sie privat mit dem Thema Energieeffizienz um?
Ich habe das Haus meiner Eltern, das in den 60er Jahren gebaut wurde übernommen und saniert, damals waren Energie und Dämmung überhaupt kein Thema, weil Energie damals nichts gekostet hat. Ich habe das Haus mit einen Vollwärmeschutz  und einer Deckenisolierung ausgestattet. Der Verbrauch ging um die Hälfte zurück. Das sind echte, viele Euros.

In wie weit kann ein Unternehmen Vorbild für seine Mitarbeiter sein?
Die ganzen Energiemaßnahmen in unserem Haus begleiten wir seit eineinhalb Jahren mit einer internen Kommunikationskampagne, damit wir auch die Mitarbeiter darüber informieren und sie sensibilisieren. Wir haben z.B. eine Plakataktion, im Intranet Infos über Energiesparen etc. Man merkt sehr wohl, dass weniger Papier ausgedruckt wird, Abfall getrennt wird etc.

Welche einfachen Energiespar-Tipps haben Sie?
Tipp 1 – der Letzte dreht das Licht ab. Tipp 2 – Schalter auf Null, das ist das Steckleistenthema. Tipp 3 – Zieh den Stecker und Tipp 4, der fällt aus der Reihe – „Treppen steigen hält fit“. Was ich nicht wusste, ist, dass ein Lift viel Energie pro Fahrt verbraucht. Das eine und andere Mal bin ich auch schon zu Fuß gegangen, obwohl mein Büro im 6. Stock ist. In diesem Büro wird alles abgedreht, es verbraucht keinen Strom, wenn ich nicht im Haus bin.

Was empfehlen Sie an „technischen Maßnahmen“ für den Normalbürger?
Einfache Maßnahmen, wie Messgeräte, die den Verbrauch anzeigen oder die Steckerleiste. Drucker, Scanner etc. alles läuft mit Standby, alles frisst Strom und Geld. Die großen Maßnahmen, etwa das Dämmen von Häusern, wissen Leute ohnehin.

Wie lässt sich mit eGovernment Energie sparen?
Im September 2011 hatten help.gv.at und das Unternehmens-Service-Portal usp.gv.at 600.000 Besucher. Wenn man bedenkt, dass Bürger früher persönlich zum Amt gefahren sind, um sich Informationen zu besorgen, bräuchte man für einen solchen Ansturm 200 Schalter. Durch eGovernment erspare ich den Bürgern die Anfahrt, verhindere ich, dass sie sich in ihr eigenes Auto setzen müssen etc. Bei eGovernment kommen daher wieder wir Rechenzentren ins Spiel, mit unseren Themen wie Bündelung, Skalierung, Effizienzsteigerungen. Wenn ich heute eine Lösung auf x Computern installiert habe, ist das weniger energieeffizient, als wenn ich sie zentral über ein System bereit stelle. Das Energiesparen bei Rechenzentren betrifft den Bürger mehr als er vordergründig glaubt.

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