Digital Life
11.03.2011

Japan: Twitter trotzt Erdbeben und Tsunami

Im Chaos nach Erdbeben und Tsunami in Japan wird das Internet und dabei vor allem Twitter einmal mehr zu dem Informationskanal, der immer noch funktioniert. Betroffene werden aus dem Netz mit Krisen-Infos versorgt.

Wenn nicht mehr viel funktioniert, hilft Twitter: Als in einigen Gegenden Japans nach dem Erdbeben das Telefonnetz zusammenbrach, informierten viele Bewohner Freunde und Familie über den Kurznachrichtendienst. Für Millionen besorgte Beobachter in aller Welt wurde das Netz einmal mehr zum schnellsten und zuverlässigsten Informationskanal über die Katastrophe.

Twitter am schnellsten
Vor allem Twitter wurde seinem Ruf als Nachrichtenturbo einmal mehr gerecht. Erste Meldungen über die Schockwellen kursierten binnen weniger Minuten, danach gingen Eilmeldungen, Augenzeugenberichte und Gebete für die Betroffenen im Sekundentakt um die Welt. „Das einzige, was zu funktionieren scheint, ist Twitter“, schrieb ein Autor der englischsprachigen Website „Timeout Tokyo“ rund eine halbe Stunde nach dem Beginn des Bebens. Das Telefonnetz war da längst tot.

Auch der Schweizer Unternehmer Oliver Reichenstein nutzte den Dienst als Ersatz für Telefon und SMS. Weil in Tokio das Telefon- und Handynetz zusammengebrochen war, aber das Internet noch lief, twitterte er seine Frau an. „Da kriegt man am schnellsten mit, was wichtig ist“, so der Deutsche gegenüber der dpa später über Skype.

Traditionelle Berichterstattung auf Web angewiesen
Aber auch in der traditionellen Berichterstattung spielt das Internet eine immer wichtigere Rolle. Die TV-Bilder von CNN und BBC werden mit Livestreams japanischer wie internationaler Fernsehsender ergänzt. Amateurclips auf Portalen wie YouTube dokumentierten in vielen Variationen zusätzlich den Horror jener, die von den Schockwellen überrascht wurden. Auf dem Kanal „Citizentube“, wo die Plattform Videos zu aktuellen Ereignissen bündelt, ist zu sehen, wie Menschen mit schwankender Kamera in der Hand aus einem Haus flüchten oder wie Supermarktregale heftig wackeln.

Zahlreiche Websites sollen helfen, das Chaos zu bewältigen: Wo sind Notunterkünfte für die Gestrandeten in der Innenstadt von Tokio? Wann erreicht der Tsunami die Küste von Hawaii?
Google richtete auch eine Personensuche ein. Nutzer können dort auf Japanisch und Englisch Suchanzeigen aufgeben oder Informationen über sich selbst hinterlassen, um besorgte Verwandte oder Freunde zu informieren. Auf der Plattform sollen Suchanfragen und Wortmeldungen zusammenkommen. Eine ähnliche Funktion hatte der Internetriese bereits nach den Erdbeben in Haiti und Chile 2010 angeboten.