© Gerhard Deutsch

Internet
11/13/2010

Japaner verübte Selbstmord vor der Webcam

Auf der Streaming-Webseite Ustream.tv übertrug ein 24-Jähriger, wie er sich erhängte. Zuseher, die ihn offenbar für einen Schwindler hielten, sollen ihn zu der Tat ermutigt haben. Die Tragödie ist leider kein Einzelfall.

von Jakob Steinschaden

Einem Bericht der japanischen Tageszeitung //Yomiuri Shimbun// zufolge hat ein 24-jähriger Mann aus der Großstadt Sendai im Norden des Landes seinen Selbstmord am Dienstag live im Internet gesendet. Er startete am Sonntag einen Video-Stream auf der Webseite Ustream.tv und soll dort vor einer wachsenden Zahl an Zusehern seine Selbstmordabsichten verkündet sowie über sein Leben erzählt haben. Nach einem ersten, gescheiterten Versuch erhängte sich der Bankangestellte vor laufender Kamera am Dienstagmorgen (Ortszeit). Die Polizei, die zuvor von Zusehern des Live-Streams alarmiert worden war, fand den Mann tot in seiner Wohnung.

Der Video-Stream wurde Berichten zufolge etwa eine halbe Stunde, nachdem sich der Mann erhängt hatte, von den Ustream.tv-Betreibern abgedreht. Während einige Seher der Live-Übertragung versucht hätten, mit dem man zu kommunizieren (zu jedem Stream können selbst aufgenommene Video bzw. Kommentare gepostet werden), hätten ihn andere zu der Tat ermutigt - wohl im Glauben, dass es sich bei dem Video um einen Schwindel handelte.

Der Selbstmörder war laut Bericht im August von seinem Arbeitgeber suspendiert worden, in der vergangenen Woche soll er in einem Internet-Forum mehrmals seine Selbstmordabsichten kundgetan und sich über seine Arbeit beschwert haben. Japan hat eine der höchsten Selbstmordraten der Welt: 2009 wurden 32.000 Suizide in dem 120-Millionen-Staat registriert.

Kein Einzelfall

Im November 2008 wurde ein ähnlicher Fall in den USA bekannt: Damals sendete ein 19-Jähriger seinen Selbstmord live über den Web-Dienst Justin.tv. Dabei dürfte es zu ähnlichen Szenen gekommen sein wie bei dem Fall in Japan: Einige Zuseher stichelten ihn an, die tödliche Dosis Tabletten einzunehmen. 2003 und 2007 wurden ähnliche Fälle in den USA und Großbritannien verzeichnet.

"Menschen in Suizidsituationen versuchen ihr Defizit manchmal mit Öffentlichkeit auszugleichen", sagt Prof. Eberhard Deisenhammer von der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie in Innsbruck zur FUTUREZONE. "Der Selbstmörder hatte offenbar ein massives narzisstisches Problem." Ob er bei den Betrachtern des Suizid-Videos eine Krise auslösen könnte, daran habe der Mann wahrscheinlich nicht gedacht. Personen, die im Internet auf Selbstmorddrohungen stoßen, rät er, Kontakt zu dem Betroffenen aufzunehmen. "Das Gespräch mit dem Menschen ist in suizidalen Situationen extrem wichtig", so Deisenhammer. Man solle versuchen, "lebenserhaltende Faktoren" des Gefährdeten anzusprechen, etwa Kinder oder Religion.

(Jakob Steinschaden)

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