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Recht

Keine Angst vor gedruckten Waffen in Österreich

Cody Wilson, ein 25-jähriger Student aus den USA, hat mithilfe eines gebrauchten 3D-Druckers für 8.000 Dollar eine Plastik-Schusswaffe hergestellt und die Baupläne ins Netz gestellt. Jeder Mensch mit Zugang zum Internet und einem hochwertigen 3D-Drucker kann sich somit eine funktionsfähige Faustfeuerwaffe herstellen. Lediglich ein herkömmlicher Metallnagel als Schlagbolzen wird als zusätzliches Teil benötigt. Einige US-Politiker fordern jetzt eine Gesetzesreform, um zu verhindern, dass fehlgeleitete Bastler Waffenmanufakturen in ihren Hinterhöfen eröffnen. In Österreich sehen die Behörden die Entwicklung dagegen gelassen.

Ausreichende Rechtslage
"Die derzeitigen Bestimmungen reichen aus, um Waffen aus dem 3D-Drucker zu regulieren. Das unsachgemäße Herstellen einer Waffe ist - genau wie der Umbau von Übungswaffen - ein Delikt. Zudem kann Munition ohne waffenrechtliche Urkunde nicht legal erstanden werden", sagt Mario Hejl, Pressesprecher des Bundeskriminalamtes, auf Nachfrage der futurezone. Zudem lässt der aufwendige Herstellungsprozess der gedruckten Waffe eine Massenproduktion ohnehin unrealistisch erscheinen.

Die Faustfeuerwaffe besteht aus 15 gedruckten Plastik-Teilen. Allein die Herstellung des Laufs dauert etwa vier Stunden. Der notwendige 3D-Drucker ist derzeit noch teuer. Hier wollen die Konstrukteure allerdings mit Anpassungen für billigere Geräte nachlegen. "Ich mache mir keine großen Sorgen um gedruckte Waffen. Es gibt einfachere Wege, sich illegal Waffen zu organisieren. Die Kosten sind hoch und die Herstellung erfordert ein gewisses technisches Know-How", so Hejl.

Riskante Herstellung
Die Pläne sind im Netz verfügbar, die Gefahr einer Umsetzung wird aber relativ gering eingeschätzt. "Gegen die Information im Netz vorzugehen, wäre sinnlos. Dort gibt es auch Anleitungen zum Basteln von Bomben, das kann nicht verhindert werden. Entscheidend ist, dass die Produkte verboten sind", erklärt Hejl.

Neben dem rechtlichen Aspekt müssen experimentierfreudige Waffenbauer auch das Risiko eines Unfalls beachten. Bei den ersten Testläufen mit der  Faustfeuerwaffe aus dem 3D-Drucker kam es zu Fehlschlägen, bei einem Test mit großkalibriger Munition explodierte die Konstruktion sogar.

"Ich würde dringend von solchen Basteleien abraten. Nicht umsonst gibt es Beschussämter, die Waffen normalerweise testen und Mindestwandstärken für die verbauten Stähle", sagt Waffenexperte Martin Kruschitz der futurezone. Auch die Qualität des Produktes ist bei einem Eigenbau kaum zu gewährleisten. "Vergleichbare Neu-Faustfeuerwaffen gibt es beim Waffenhändler ab 600 bis 700 Euro", sagt Kruschitz.

Politischer Aktionismus
Für Konstrukteur Wilson ist die Veröffentlichung der Baupläne auch ein politischer Akt. Der radikale Libertarier ist der Meinung, dass jeder US-Bürger das Recht auf Waffenbesitz hat. Kritiker werfen ihm sogar vor, mit seiner Erfindung die Abschaffung des Staates befördern zu wollen. In einigen Kreisen der US-Gesellschaft kommt die Idee des Auslebens des zweiten Verfassungszusatzes auf der Produktionsebene gut an, wie einschlägige Postings im Netz beweisen.

In Österreich spielt dieserpolitische Hintergrund in der Diskussion um gedruckte Waffen jedoch kaum eine Rolle. "Wir sind nicht der Auffassung, dass es Waffen für jeden geben sollte. Waffenbesitz muss gesetzlich geregelt werden. Die Frage nach Waffen aus dem 3D-Drucker ist aber eine technische und keine rechtliche. Ob ein unbescholtener Bürger mit Lizenz eine Waffe kauft oder selbst herstellt, macht keinen Unterschied und jemand anderes erhält sie sowieso nicht", erklärt Andreas O. Rippel, Präsident der Interessensgemeinschaft Liberales Waffenrecht in Österreich.

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Markus Keßler

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