Digital Life
30.12.2016

Klage: Apple soll an tödlichem Autounfall Schuld sein

Weil ein Fahrer FaceTime am Steuer verwendete, starb ein fünfjähriges Mädchen bei einem Autounfall. Nun soll auch Apple dafür zur Verantwortung gezogen werden.

Eine Familie aus dem US-Bundesstaat Texas verklagt Apple, weil der US-Konzern Schuld an einem Autounfall haben soll, bei dem ihre fünfjährige Tochter verstarb. Der Unfall, der bereits Ende 2014 geschah, wurde durch einen 20-jährigen Fahrer verursacht. Dieser nutzte offenbar Apples Videochat-Dienst FaceTime während der Fahrt und übersah dabei das Fahrzeug der Familie. Er rammte es mit einer Geschwindigkeit von rund 100 Kilometer pro Stunde. Der FaceTime-Anruf lief laut Unfallbericht noch auf dem iPhone 6 Plus, als der Fahrer geborgen wurde.

Patent aus dem Jahr 2008

Die Anwälte der Familie werfen Apple nun vor, dass man den Unfall verhindern hätte können. Apple beantragte bereits 2008 ein Patent für eine Technologie, die das Verwenden des Smartphones am Steuer verhindern soll. Obwohl Apple das Patent bereits 2014 zugesprochen wurde, hat man die Technologie bislang noch in keinem Gerät verbaut. Die Anwälte argumentieren, dass der Aufwand einer derartigen Funktion für Apple gering, der Nutzen aber ungleich höher wäre. Apple habe demnach „vorsätzlich und bewusst die Rechte und Sicherheit von anderen außer Acht gelassen“. Dennoch fordert man statt einer Implementierung der Technologie Schadenersatz vom US-Konzern.

Kampf gegen Smartphone am Steuer

Es ist nicht die erste Klage dieser Art: Bereits 2013 wurde Apple – ebenfalls in Texas - ein tödlicher Autounfall zur Last gelegt. Dort wurde eine Fahrerin offenbar von ihrem iPhone 5 abgelenkt und verursachte so einen Unfall, bei dem zwei Menschen starben und ein siebenjähriges Mädchen im Rollstuhl landete. Auch hier wurde versucht, über das Patent einen Teil der Schuld an Apple abzugeben. Obwohl eine Entscheidung aussteht, ist es laut der New York Times unwahrscheinlich, dass der Interpretation der Anwälte Recht gegeben wird.

Viele Konzerne geben an, dass sie nicht verlässlich erkennen können, ob eine Person gerade am Steuer eines Autos sitzt – womöglich handelt es sich ja um einen Beifahrer oder einen Fahrgast im Zug oder Flugzeug.

„Die Technologie existiert – wir können uns einfach nicht überwinden, sie zu implementieren“, so Deborah Hersman, Präsidentin des National Safety Council, das sich um das Thema Unfallprävention kümmert. Die Organisation drängt Technologiekonzerne bereits seit Jahren darauf, entsprechende Technologien einzusetzen, die das Verwenden des Smartphones am Steuer verhindern. „Wir haben so viel Angst davor, den Menschen zu sagen, was sie tun sollen, dass man unter diesen Umständen irgendwie mit Mord davonkommt.“