Digital Life
28.10.2018

Konto von mutmaßlichem US-Briefbomber: Twitter gesteht Fehler ein

Der Kurznachrichtendienst hat ein Konto des Verdächtigen trotz Hinweis nicht gesperrt.

Am Freitag wurde der 56-jährige Cesar Sayoc im Zusammenhang mit der Briefbomben-Serie verhaftet, die die USA in den letzten Tagen in Atem hielt. An insgesamt 13 prominente Kritiker des US-Präsidenten Donald Trump wurden gefährliche Pakete verschickt, verletzt wurde dabei niemand.

Sayoc soll in der Vergangenheit unter anderem via Twitter Drohungen ausgesprochen haben, die dem Kurznachrichtendienst auch gemeldet wurden. Das berichtet die Politik-Analystin Rochelle Ritchie. Demnach antwortete Twitter, dass das Konto nicht gegen die Richtlinien verstoße.

Entschuldigung

Am Samstag entschuldigte sich der Kurznachrichtendienst nun über den offiziellen Account @TwitterSafety. Demnach habe man einen Fehler gemacht, der entsprechende Tweet hätte entfernt werden sollen. Mittlerweile wurde der Account @hardrock2016, der Sayoc zugeordnet wird, ebenfalls gelöscht.

Über den 56-Jährigen selbst ist indes wenig bekannt. In den mittlerweile gesperrten Konten ist er als Anhänger des US-Präsidenten in Erscheinung getreten. Die Ermittlungsbehörden wollten sich kurz nach der Festnahme noch nicht zu den Motiven des mutmaßlichen Attentäters äußern. Dafür sei es "zu früh", sagte der Chef der Bundespolizei FBI, Christopher Wray. Rechtsgerichtete Verschwörungstheoretiker hatten in den vergangenen Tagen angezweifelt, dass der Briefbomber ein Trump-Unterstützer sei - obwohl dies die Liste der Adressaten der Sprengsätze bereits nahelegte.

Stattdessen witterten sie ein vermeintliches Komplott linker Fanatiker mit dem Ziel, dem rechten Lager die Schuld an dem Bombenalarm zuzuweisen und so den Republikanern bei den bevorstehenden Kongresswahlen zu schaden. Diese wilden Spekulationen passen aber ganz und gar nicht zum Profil des nun festgenommenen Mannes, wie es sich aus den ersten Indizien ergibt.

TOPSHOT-US-POLITICS-MEDIA-POLICE

Lieferwagen

Sayoc war in einem Lieferwagen unterwegs, der offenbar großflächig mit Aufklebern politischen Inhalts zugekleistert war. Auf Fotos in den Onlinenetzwerken, die das von der Polizei beschlagnahmte Fahrzeug zeigen sollen, sind diese Aufkleber zu sehen - sie werben für Trump und prangern die oppositionellen Demokraten an.

Auf einer der Scheiben kleben etwa Fotos von Ex-Präsident Barack Obama und der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Sie tragen Zielscheiben auf den Gesichtern. Auch ein Aufkleber mit dem Spruch "CNN ist zum Kotzen" gehört zum Dekor. Obama, Clinton und der Trump-kritische Fernsehsender gehörten zu den Briefbomben-Adressaten.

Facebook

Ein Foto von Sayoc auf Facebook zeigt ihn mit einer roten Kappe mit dem Trump-Slogan "Macht Amerika wieder großartig". In einer Twitter-Botschaft im Juni, die offenbar von Sayoc stammt, wird Trump zum Geburtstag gratuliert und der Präsident aufgefordert, das "fantastische" Projekt des Mauerbaus an der Grenze zu Mexiko voranzutreiben.

Debra Gureghian, Managerin einer Pizzeria in Fort Lauderdale, in der Sayoc früher arbeitete, beschreibt ihn als "durchgeknallt". Sayoc sei "sehr wütend" auf die Welt gewesen - auf "Schwarze, Juden, Schwule", sagte sie der Zeitung "Washington Post".

Debra Gureghian, general manager of New River Pizza and Fresh Kitchen, speaks with Reuters about her former employee, Cesar Altieri Sayoc, who was arrested during an investigation into a series of parcel bombs, at the restaurant in Fort Lauderdale

Fingerabdruck

Das FBI stieß durch einen Fingerabdruck auf Sayoc, der auf einem der Briefumschläge mit den Sprengsätzen gefunden worden war. Sayoc war in früheren Jahren schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. So wurde er wegen einer Bombendrohung gegen seinen Stromversorger zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Festgenommen wurde er auch wegen Diebstahls und häuslicher Gewalt. 

Über Sayocs Lebenslauf ist bisher wenig bekannt. Die biografischen Angaben auf seinen mutmaßlichen Onlinekonten sind nicht unbedingt zuverlässig. Demnach soll Sayoc früher "professioneller Fußballspieler, Ring- und Käfigkämpfer" gewesen sein, aber auch Tiermedizin studiert haben. Auch soll er zumindest teilweise philippinischer Herkunft sein, sein Großvater sei dort ein "berühmter Chirurg" gewesen.

Andererseits wird Sayoc in diesen Darstellungen mit dem Indianerstamm der Seminoles in Verbindung gebracht. Er habe in einem von den Seminoles betriebenen Hotel-Kasino gearbeitet. Der Stamm teilte jedoch mit, er habe "keine Belege" dafür, dass Sayoc dort tätig gewesen und Stammesmitglied sei.

Mehrjährige Haftstrafe droht 

Die US-Öffentlichkeit hofft nun gespannt darauf, dass die Ermittlungsbehörden schon bald mehr Aufklärung über diesen in vielerlei Hinsicht noch mysteriösen Mann schaffen. Klar ist aber bereits, dass ihm jahrzehntelange Haft droht. Sayoc wurde bereits formell mehrerer schwerer Verbrechen beschuldigt, darunter "Angriffe" auf frühere Regierungsvertreter. Seine absehbare Maximalstrafe beläuft sich laut Justizministerium auf 48 Jahre.