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Digital Life
06/09/2015

Krautreporter haben 18.000 Mitglieder

Vor einem Jahr sammelte das Online-Magazin Krautreporter vor dem Start über Crowdfunding knapp eine Million Euro. Inzwischen hat die Plattform 18.000 zahlende Abonnenten.

Ist Crowdfunding der Schlüssel für kostenpflichtigen Journalismus im Internet oder bleibt „Schwarmfinanzierung“ durch Leser eine Ausnahme? „Wir haben gezeigt, dass nicht nur einzelne Geschichten, sondern auch ganze journalistische Angebote durch diese Form der Finanzierung möglich sind“, sagte Chefredakteur Alexander von Streit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Nachdem Krautreporter am 13. Juni 2014 das Startkapital zusammen hatte, ging das Angebot im Oktober online. Mit der ersten Million, die 15.000 Geldgeber beisteuerten, war das Projekt zunächst für ein Jahr sicher. Inzwischen sind 3000 weitere Mitglieder hinzugekommen. Nun will Krautreporter eine Genossenschaft als „festeres Fundament“ für das Projekt gründen. Außerdem startet das Magazin demnächst einen neuen Abo-Aufruf.

Hinter Krautreporter stehen rund 30 Journalisten, darunter der Medienkritiker Stefan Niggemeier, der Fernsehjournalist Richard Gutjahr und der Blogger Thomas Wiegold. In der Redaktion arbeiten sechs feste Mitarbeiter, dazu kommen zwei Dutzend Stammautoren. Krautreporter verzichtet auf Werbung, das Magazin hat aber keine Bezahlschranke. Mitglieder, die mindestens fünf Euro im Monat zahlen, haben Vorteile, etwa Treffen mit Autoren oder Zugang zu Artikeln im E-Book-Format.

"Recyclinghof"

Noch nie hatte ein Medienprojekt in Deutschland nach dem Prinzip der „Schwarmfinanzierung“ („crowdfunding“) soviel Geld zusammengebracht wie Krautreporter. Doch nach der anfänglichen Begeisterung gibt es inzwischen auch inhaltliche Kritik. Von fehlender Relevanz und einer beliebigen Mischung aus Linksammlungen, Presseschauen und Reportagen ist da die Rede. Die Bloggerin Meike Lobo („Frau Meike“) schrieb vom „Recyclinghof Krautreporter“.

„Wir verstehen Relevanz nicht so, dass wir mit der Tagesschau oder Tageszeitungen in Konkurrenz treten“, sagt Chefredakteur von Streit. „Wir wollen Hintergründe erklären, Geschichten erzählen, die in anderen Medien keinen Platz finden und Standpunkte vertreten, die in der öffentlichen Diskussion zu kurz kommen.“ Deswegen reagiere Krautreporter häufig mit Zeitverzögerung auf aktuelle Ereignisse. Kritik habe Krautreporter„ ohnehin seit dem Start begleitet. Man habe gelernt, “Lautstärke nicht mit Argumenten zu verwechseln.“

Auch andere setzen auf Crowdfunding

Auch andere Medienprojekte in Deutschland setzen inzwischen auf Crowdfunding, etwa die Plattform Correctiv und Deine Korrespondentin. Doch anders als Krautreporter sammeln sie für einzelne Investigativ-Beiträge Geld. In Frankreich hat das vom einstigen “Le Monde„-Chefredakteur Edwy Plenel 2008 gegründete Portal Mediapart mehr als 112 000 zahlende Nutzer und veröffentlichte bereits zahlreiche exklusive Storys.

Für die Journalistin und Auslandskorrespondentin Pauline Tillmann, die hinter dem Projekt Deine Korrespondentin steht, kommt der Trend aus den USA. Dort gründen immer mehr Journalisten eigene Start-ups. In Deutschland seien der “Unternehmerjournalismus“ und “Crowdfunding“-Initiativen auch eine Folge des Stellenabbaus in der Branche.

Nachdem sich Krautreporter zunächst als Gegenpol zum werbefinanzierten (und oft kostenfreien) “Click-Journalismus“ präsentierte, dämpfen die Macher die Erwartungen. Das Online-Magazin sei keine Blaupause für das künftige Geschäftsmodell des Journalismus. “Wir sind nur ein Teil im Puzzle“, sagt Chefredakteur von Streit.