Digital Life
22.05.2013

Kritik an Tumblr-Kauf durch Yahoo wächst

Sowohl Finanzexperten als auch User äußern Kritik an dem geplanten Kauf von Tumblr durch Yahoo. Laut Analysten ist der Kaufpreis deutlich zu hoch, Tumblr-User befürchten das Einführen von Altersbeschränkungen.

Yahoos geplanter Milliarden-Kauf von Tumblr ist von Analysten und den betroffenen Bloggern mit Skepsis aufgenommen worden. Während Finanzexperten auf den hohen Preis im Verhältnis zum Umsatz verwiesen, warnten Nutzer der Plattform mit teils drastischen Worten davor, das Wesen der Seite zu ändern. Positive Stimmen verwiesen dagegen auf vergleichbare Übernahmen in der Branche, die sich langfristig durchaus ausgezahlt hätten. Yahoo-Chefin Marissa Mayer gestand in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters ein, dass ihr Unternehmen nicht immer eine glückliche Hand mit Zukäufen gehabt habe. Der US-Konzern habe jedoch jetzt ein ganz neues Management, beschwichtigte sie.

Der schwächelnde Internet-Pionier hatte am Montag angekündigt, Tumblr für 1,1 Mrd. Dollar (855,83 Mio. Euro) in bar zu kaufen. Es ist die größte Akquisition von Yahoo, seit die ehemalige Google-Managerin Mayer im Juli 2012 Chefin wurde. Tumblr wurde vor sechs Jahren gegründet, wartet mit mehr als 100 Mio. Blogs auf und wird pro Monat allein in den USA von Dutzenden Millionen Nutzern besucht. In Medienberichten wird der jährliche Umsatz allerdings nur auf magere 13 Mio. Dollar geschätzt.

Kaufpreis zu hoch
Damit ist der Kaufpreis einigen Analysten zufolge deutlich zu hoch. „Selbst wenn der Umsatz 100 Mio. Dollar beträgt, haben sie immer noch das Zehnfache bezahlt", sagte Colin Gillis von BGC Financial. Das gebe man eigentlich nur für „das schönste Mädchen auf dem Ball" aus. Mark Mahaney von RBC Markets sprach von einem Schuss ins Blaue. Allerdings könne sich dieser langfristig auszahlen und passe gut in Mayers Strategie. Tumblr könne dabei helfen, Yahoo besser bei sozialen Netzwerken und mobilen Geräten zu positionieren. Andere Experten verwiesen darauf, dass die Tumblr-Nutzer im Schnitt deutlich jünger seien als die von Yahoo.

User-Ängste
Viele Tumblr-Nutzer reagierten jedoch entsetzt und mit offener Wut auf den Deal. In dem Blog „Meltdowns About Yahoo Buying Tumblr" warnten sie zum Teil mit Kraftausdrücken davor, die Website plötzlich familienfreundlich aufzuziehen oder Altersbeschränkungen einzuführen. Bereits am Wochenende, als Gerüchte über den Kauf die Runde machten, hatten Tausende Blogger Tumblr den Rücken gekehrt. Der konkurrierende Dienst WordPress berichtete am Sonntag, man habe in nur einer Stunde 72.000 Tumblr-Blogs in seine Systeme übertragen.

Yahoo hat in der Vergangenheit bereits mehrere Milliarden-Übernahmen vor die Wand gefahren. So wurde 1999 für mehr als vier Mrd. Dollar Geocities gekauft, damals einer der größten Dienste im Netz. Ein Jahrzehnt später musste man den Stecker ziehen. Und auch nach der Übernahme von Broadcast.com 1999 für mehr als fünf Mrd. Dollar wurde das Geld Experten zufolge nicht wieder hereingeholt.

YouTube als Vorbild
„Mir ist bewusst, dass einige Übernahmen in Yahoos Vergangenheit nicht so gut liefen", sagte Mayer im Reuters-Interview. Sie verwies darauf, dass Tumblr in New York bleiben werde, damit das Team um den 26-jährigen Gründer David Karp unabhängig agieren könnte. Und sie nannte als Beispiel den Video-Dienst YouTube. Dieser habe von Google eine gewisse Autonomie bekommen und sei erfolgreich.

Adam Seessel von Gravity Capital Management nannte ebenfalls YouTube als Vorbild für eine teure Übernahme, die sich langfristig aber gelohnt habe. Für 1,6 Mrd. Dollar habe der Suchmaschinen-Betreiber Google eine Plattform erhalten, die mit anderen Online-Diensten gut verzahnt worden sei. Auch Facebooks Kauf des Bilderdienstes Instagram für 700 Mio. Dollar gilt inzwischen als schlauer Zug, obwohl es sich bisher finanziell nicht gelohnt hat. Das weltgrößte soziale Netzwerk schaltete damit einen schnell wachsenden Rivalen aus.

Aktienkurs
Für den Yahoo-Aktienkurs sehen einige Analysten schließlich den Tumblr-Kauf schlicht als nebensächlich an. Das Kerngeschäft sei ohnehin „wie ein Lottospiel", sagte etwa Ryan Jacob von Jacob Funds, der selbst über Yahoo-Aktien verfügt. Diese Experten schauen vielmehr mit Spannung auf den geplanten Börsengang des chinesischen Dienstes Alibaba, an dem Yahoo 24 Prozent hält. Lawrence Haverty von GAMCO Investors geht davon aus, dass dabei 100 Mrd. Dollar eingenommen werden könnten. Ein verpatzter Börsengang der Chinesen wäre demnach viel ernster als alles, was je mit Tumblr passieren könnte.

 

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