DEUTSCHLAND
11/23/2010

Medienwächter beanstanden "Tatort Internet"

Vorwurf: Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag

Die RTL-II-Reihe "Tatort Internet" hat in den Augen der deutschen Medienaufsicht gegen den Rundfunkstaatsvertrag verstoßen. Das hat die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) am Dienstag in Stuttgart mitgeteilt. Die Beanstandungen betrafen die ersten beiden Folgen der viel diskutierten Reihe, die am Montagabend mit einer Doppelfolge bei RTL II zu Ende ging.

Nach Einschätzung einer Expertengruppe der Landesmedienanstalten, die insgesamt vier Folgen geprüft hatte, verstießen die ausgestrahlten Sendungen gegen die im Rundfunkstaatsvertrag verankerten Programmgrundsätze, wonach die Persönlichkeitsrechte hinreichend gewahrt werden müssen.

Täter nicht hinreichend unkenntlich gemacht

Die ZAK kritisierte, dass in den beiden ersten Folgen am 7. und 11. Oktober die potenziellen Täter nicht hinreichend unkenntlich gemacht worden seien, so dass ihr soziales Umfeld sie durchaus hätte identifizieren können. In den beiden anderen geprüften Folgen vom 18. und 25. Oktober wurden die Informationen so weit reduziert, dass kein Verstoß gegen das Rundfunkrecht vorgelegen habe.

In der Sendung "Tatort Internet" legte RTL II Spuren für potenzielle Sexualstraftäter aus, indem scheinbare Minderjährige in Internet-Foren kommunizierten. Einige, vornehmlich ältere, Männer gingen in den Chats auf die Jugendlichen zu und verabredeten sich mit eindeutigen Absichten mit ihnen. Der Sender stellte sie dann zur Rede. In der Auftaktfolge unterstützte auch Stephanie zu Guttenberg, Ehefrau von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), das RTL-II-Format.

Diskussion über vertretbare Formate

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), die die Sendungen zuvor geprüft hatte, hatte keine Verstöße gegen den Jugendschutz feststellen können. Die Vorsitzenden der ehrenamtlichen Gremien der Landesmedienanstalten haben nach ZAK-Auskunft das Thema nun auf die Tagesordnung der Gremienvorsitzendenkonferenz gesetzt: Unter anderem soll darüber diskutiert werden, wie man in journalistisch vertretbaren Formen mit solchen sensiblen Themen umgehen kann.

Über eine Fortsetzung der Sendung ist nach Angaben einer Sprecherin bei RTL II noch keine Entscheidung gefallen.

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(dpa)