Digital Life
12/28/2012

Nachlese: Unsere Artikel-Highlights 2012

Die futurezone-Redakteure haben eine kleine Auswahl an Geschichten und Interviews zusammengestellt, auf die das Team in diesem Jahr besonders stolz ist. In unserer Nachlese-Sammlung finden sich Artikel, die für die Redakteurinnen und Redakteure persönlich in Erinnerung geblieben sind - sei es, weil sie eine große Herausforderung waren, weil sie besonders gut gelungen sind oder weil sie einfach nur Spaß gemacht haben.

Die futurezone präsentiert ihren Leserinnen und Lesern zum Jahresausklang noch einmal die Highlights an exklusiv recherchierten Geschichten, auf die die Redaktion mit Stolz zurückblickt. Wir wünschen viel Spaß beim Nachlesen und Stöbern - die Redakteure mit ihren persönlichen Lieblingsstorys finden Sie alphabetischer Reihenfolge.

Gerald Reischl, Chefredakteur
Als einer der ersten Österreicher überhaupt, der noch dazu eines der wenigen Google-kritischen Bücher verfasst hat, ein Interview mit Eric Schmidt, dem ehemaligen CEO und jetzigen Executive Chairman von Google zu bekommen, gehört zu meinen persönlichen journalistischen Highlights des Jahres. Er sagte mir bei unserem Gespräch in Hannover nicht nur, dass er immer bei Google bleiben wird - "bis ich tot umfalle" -, sondern auch, warum er Facebook nicht wirklich als Konkurrenten sieht und weshalb er viel Geld in Tiefseeforschung steckt.

Eine Story vor allen anderen Journalisten zu haben, die diese News dann auch übernehmen (und teilweise auf die futurezone.at verweisen) - das ist beim Drei-Orange-Deal passiert. Über die Mobilfunk-Hochzeit und die Details und Hintergründe wurde erstmals auf futurezone.at ausführlich berichtet. Übrigens waren wir auch die ersten, die in den Monaten danach gewusst und auch berichtet haben, dass die EU und die Regulierungsbehörde RTR den Deal genehmigen.

Patrick Dax
Inkompetenz, Ignoranz und Opportunismus. Im Umgang mit dem umstrittenen Handelsabkommen ACTA zeigte sich die österreichische Spitzenpolitik nicht von ihrer besten Seite. Zwar hatte der Ministerrat Ende Jänner die Unterschrift unter den umstrittenen Pakt einstimmig beschlossen, wenige Tage später wollte aber niemand mehr etwas davon wissen. Die Bundesregierung veranstaltete einen regelrechten Eiertanz um ACTA. Als das Thema dann medial Wellen schlug, wandelte sich das Bild. Die Innenministerin hielt ein "Stopp ACTA"-Schild in die Kamera eines Boulevardblattes. Ein Stück österreichischer Realsatire.

Medial begleiten konnte die futurezone im vergangenen Jahr auch das Wachsen einer kritischen Netzöffentlichkeit, die sich rund um ACTA und die Proteste gegen Vorratsdatenspeicherung massiv bemerkbar machte. Diese zivilgesellschaftlichen Initiativen werden zwar von der Politik noch immer nicht ernst genommen, wie der Umgang des Parlaments mit der Bürgerinitiative "Stoppt die Vorratsdatenspeicherung" und die Einladungspolitik des Justizministeirums zu den Diskussionrunden zur Urheberrechtsreform zeigen. Das kann aber noch werden. Netzkritik hat in Österreich Tradition. Das beweist nicht zuletzt der Netzaktivist und Künstler Konrad Becker, der mit der Wiener Public netbase (t0) in den 90er-Jahren weit über die Grenzen hinaus den kritischen Diskurs zu netzkulturellen Fragen prägte. Becker hat auch heute noch einiges zu sagen. Im Interview mit der futurezone sprach er über Politikversagen.

Gregor Gruber
Wie sieht es im Herzen des IT-Riesen aus, den viele nur als gesichtslosen Monopolisten wahrnehmen? Ich habe die Firmenzentrale, den Microsoft-Campus, in Redmond besucht. Ein teilweise erschreckendes Highlight der Campus-Tour ist "Microsoft Home" - ein Projekt-Heim der Zukunft, in der alles vernetzt ist, Push-Werbung auf die Pinnwand kommt und der digitale Hausgeist Grace automatisiert Kreditkartenrechnungen durchsucht.

Aus den zahlreichen Tests, die ich für die futurezone gemacht habe, stach einer besonders heraus. Nicht weil es das beste, neueste, teuerste oder schönste, sondern einfach mal etwas anderes war: ein Elektro-Skateboard mit Outdoor-Bereifung und 30 km/h Spitzengeschwindigkeit. Beim Test wurden keine Redakteure (ernsthaft) verletzt - auch wenn das Video es vermuten lässt.

David Kotrba
Einer meiner liebsten Artikel des Jahres war jener über den Besuch bei der Radarstation Koralpe. Einerseits, weil ich an einem der schönsten Tage im Mai nicht im Büro sitzen musste und mir in frischer Bergluft beinahe einen Sonnenbrand holte. Andererseits weil ich an diesem Tag geradezu vollgepumpt wurde mit Informationen über die österreichische Flugsicherung - und das im besten Sinne, mit Hilfe hochkompetenter Experten, die äußerst geduldig mit jemandem sprachen, der unter jeder zweiten der zahlreichen Abkürzungen in der Fluglotsen-Welt zunächst nur Bahnhof verstand. In Gesellschaft der Kommunikationsabteilung der Austro Control konnte ich hinter jede Tür blicken, sowohl in der Radarstation am Berg, als auch am Tower des Flughafens Graz. Das Ganze war jedenfalls eine gute Kombination aus Spaß, Abenteuer und Bildung.

Ein für mich mindestens ebenso spannender Artikel resultierte aus einer Reise nach Japan und Südkorea, die im November von der Wirtschaftskammer organisiert wurde. Als Teil einer österreichischen Delegation von Unternehmern aus der Automobilzulieferindustrie besuchte ich die Firmenzentralen von Toyota, Hyundai und Co., konnte dem futuristischen, koordinierten Spiel riesiger Schweißroboter zusehen und erfuhr aus erster Hand über die Hybrid-, Elektroauto- und Brennstoffzellen-Pläne diverser Unternehmen und Forschungsinstitute. Als Teil der Delegation konnte ich quasi die kommentierte Version dieses "Films" genießen und erhielt so Einblicke über verschiedene Seiten gewisser Ansätze. Nicht zu verachten waren auch die Insiderinformationen aller Art, die während den zahlreichen Bustransfers oder zu später Stunde in Hotelbars ausgepackt wurden.

Michael Leitner
Ein Smartphone, mit dem man Fußball spielen kann - aber nicht nur als Spiel auf dem Bildschirm, das Sony Xperia go ließ sich tatsächlich durch die Redaktionsräume kicken ohne einen Kratzer davonzutragen.  Kaum ein anderer Test hat mir so viel Spaß bereitet wie der des Outdoor-Handys, das sich auch in puncto Hardware recht solide zeigte. Nicht nur meine Redaktionskollegen ließen sich das ein oder andere Mal durch die harten Tests erschrecken, insbesondere die iPhone-Besitzer reagierten durch unliebsame Erinnerungen empfindlich auf das Auf-den-Boden-werfen. Das zeigt umso mehr, dass moderne Smartphones zwar schick aussehen können, dafür aber gelegentlich wie rohe Eier behandelt werden müssen.

Meine Augen müssen wie die eines Kleinkindes geleuchtet haben, als ich dieses Jahr erstmal den Makerbot CupCake CNC eines Freundes gesehen habe. Der simple 3D-Drucker kann zwar nur Objekte mit einer Größe von 10 x 10 x 15 Zentimetern ausdrucken, doch selbst das bot aus meiner Sicht unzählige Möglichkeiten. Der Preis für viele Selbstbau-Kits von 3D-Druckern ist mittlerweile unter 1.000 Euro gefallen - das ist erschwinglich, aber zumindest für mich immer noch nicht leistbar. Daher bin ich, solange ich mir nicht einen Stratasys-Drucker oder zumindest einen Replicator 2 leisten kann, auf 3D-Druck-Dienste wie Shapeways und Sculpteo ausgewichen, die ich mit Begeisterung auch

habe. Mittlerweile hat mich meine Begeisterung für diese Dienste auch etwas Geld gekostet, weswegen ich meine 3D-Modelle nur mehr in ihrer digitalen Form behalte und das "gesparte" Geld für einen vernünftigen 3D-Drucker sammle.

Thomas Prenner
2012 hat sich bei PCs so viel getan, wie schon lange nicht mehr. Microsoft Windows, das mich und viele Computernutzer bereits seit mehr als 20 Jahren begleitet, wurde radikal überarbeitet. Diese Veränderungen sind in einer Zeit, wo Computer in so gut wie alle Lebensbereiche vorgedrungen sind, spürbarer denn je. Ein umfangreicher Windows-8-Test sowie ein Überblick für Anwender war daher notwendig und hat mir 2012 zwar viel Arbeit, aber auch Freude bereitet.

Zwischen all den Tests von Smartphones, Computern oder Kameras vergisst man als Redakteur oft, dass es nicht immer darum geht, was das schnellste oder leistungsfähigste Gerät ist. Dieser Wärmebild-Kamera-Test dreht sich etwa darum, welches das Heißeste aller Geräte ist und hat mich ein Mal mehr daran erinnert, dass Technik nicht immer trocken und ernst sein muss, sondern auch einfach Spaß nur machen kann.

Jakob Steinschaden
Eine meiner Recherche-Reisen für mein Buch "Digitaler Frühling" führte mich im Mai 2012 unter anderem nach Island - ein unscheinbares Land am Rande Europas, das aber eine Vorreiterrolle bei Internet-Politik, Online-Partizipation und Netzbewegungen spielt. Die Reportage: "Island weist den Weg in die Internet-Zukunft" sei deswegen als Gustomacher auf mein Buch empfohlen.

Ein zweites faszinierendes Land besuchte ich im Oktober 2012: Israel. Die umstrittene Nation in Nahost ist nach dem Silicon Valley die wichtigste Hightech-Region der Welt, wo sich zwischen tausenden Start-ups quasi alle IT-Riesen der Welt - inklusive Apple, Google und Facebook - angesiedelt haben. Dass der Glaube an Hightech die gesamte Bevölkerung bis hinauf zum Präsidenten Schimon Peres durchdringt, zeigte sich beim Besuch seines Jerusalemer Präsidentensitzes - nachzulesen in der Reportage "Israel: Mit Chuzpe und Militär zur IT-Macht".

Martin Stepanek
Keine Frage, Apple fasziniert und polarisiert auch mehr als ein Jahr nach dem Tod von Steve Jobs. Einen renommierten Apple-Analysten aufzutreiben, der nicht nur auf fünf Minuten medialen Ruhm aus ist und sich tatsächlich tiefergehende Gedanken über den Konzern macht, ist allerdings gar nicht so einfach. Umso mehr hat es mich gefreut, mich im Rahmen meiner Ein-Jahresbilanz über Tim Cook mit dem finnischen Mobilfunk- und Apple-Kenner Horace Dediu auszutauschen, der in seiner Analyse den Bogen zu Henry Ford spannt und Tim Cook zumindest bescheinigt, ein besserer CEO als Microsoft-Chef Steve Ballmer zu sein: "Welches Apple-Produkt kommt, ist egal".

Wenn man einen Blick hinter die Kulissen der schönen, glänzenden Smartphone- und Gadget-Welt wirft, bekommt man leider schnell Hässliches und Schockierendes zu sehen. Meine Recherchen zur unfairen Handy-Produktion "Blut-Handys: Fair Trade bleibt Utopie", die mich spätestens seit einem Interview mit dem afrikanischen Journalisten Mike Anane über den europäischen Elektromüll in Afrika beschäftigt, haben mich schwer zum Nachdenken angeregt. Dass Konsumenten beim Geräte-Kauf nicht giftige Elektroschrott-Berge und gesundheitlich ruinierte Fabriks- und Minenarbeiter vor Augen haben, ist nachvollziehbar. Durch mediale Kritik und Druck der Konsumenten könnte die Industrie aber zum Umdenken gezwungen werden. Ich für mich habe nicht zuletzt durch die Beschäftigung mit diesem Thema das zweite Jahr in Folge der Versuchung widerstanden, mir ein neues Smartphone und Tablet zuzulegen. Ich hoffe, dass die Artikel einige Leser zum Nachdenken anregen.

Benjamin Sterbenz
Trotz zahlreicher, nicht minder spannender Artikel über die heimische Spiele-Entwicklerbranche ist die Reportage über Computerspiele in österreichischen Gefängnissen jener Text, auf den ich aus diesem Themenkreis am meisten stolz bin. In den Gesprächen mit den Insassen hat sich gezeigt, dass es auf den ersten Blick zwar viele Parallel zur Nutzung "draußen" gibt, die Motive des Spielens dann aber doch andere sind.

Ein zweiter Games-Artikel, der mit vielen Zahlen, Fakten und Standpunkten gespickt ist, und so ein breites Bild über Crowdfunding zeichnet, ist jener über Spielefinanzierung via Kickstarter. Die dort für Games zuständige Cindy Au gibt zudem Einblicke, wie es beim New Yorker Unternehmen so zugeht.

Bei Interviews und Firmenportärts ist jenes mit Intels Tom Kilroy sicherlich eine Lektüre wert - weil der Gesprächspartner sehr offen Antworten gab und über Intels Pläne bei Smartphones freizügig sprach.

Wer keine Interviews mag, dem sei stattdessen mein Blick auf Huawei - das im US-Wahlkampf heuer als Sinnbild für die "Gefahr aus dem Osten" herhalten musste - empfohlen.

Barbara Wimmer
Bis 2019 sollen in Österreich flächendeckend intelligente digitale Stromzähler eingesetzt werden. Bisher hat es allerdings ausgereicht, dass unser Stromverbrauch einmal jährlich (oder noch seltener) abgelesen wird. Doch künftig soll der Verbrauch in Viertel-Stunden-Intervallen erfasst werden. Diese neu generierten Daten sollen für Netzbetreiber "essenziell" sein. Doch ist das wirklich so, oder werden die neuen Stromzähler nur zur elektronischen Überwachung von uns Bürgern eingeführt, wie manche Datenschützer befürchten? So manche Geschäftsmodelle sehen auch vor, dass man mit Gratis-Strom belohnt wird, wenn man seine Daten freiwillig rausrückt - das zeigt sehr deutlich, dass unsere exakten Stromdaten tatsächlich Gold wert sind.

Er ist ein echter Nerd, wie aus dem Bilderbuch: Der Programmierer und WikiLeaks-Aktivist Jacob Appelbaum sprach im 40 Minuten langen Gespräch so viel (inhaltlich wertvolles), wie es manch ein Politiker nicht einmal in drei Stunden schafft. Im Gespräch mit dem Appelbaum ging es vor allem um den Schutz der Privatsphäre im digitalen Zeitalter. Der US-Aktivist erzählte, warum er sich als Programmierer für den Anonymisierungsdienst Tor engagiert, was er von "Stasi-Facebook" hält  und wie man mit dem Wissen lebt, ständig überwacht zu werden. Überwachung und Datenschutz sind übrigens auch zwei Themen, die beim diesjährigen "Big Brother Award 2012", dem jährlichen Datenschutz-Negativpreis, nicht zu kurz gekommen sind.

675.000 US-Dollar Strafe für das Tauschen von 30 Songs über die Tauschbörse Kazaa. Diese Summe blühte dem mittlerweile 28-jährigen US-Bürger und Doktor der Physik, Joel Tenenbaum. Er hat in seiner Schulzeit Songs von Nirvana oder Green Day geteilt - etwas, das Jugendliche heutzutage täglich über legale Dienste wie Spotify machen. Im Interview erzählte mir der Filesharer unter anderem, dass er ein großer Musikliebhaber sei und erst durchs Filesharing viele der Künstler entdeckt hat, für dessen Alben er in Folge viel Geld ausgegeben hat.

Claudia Zettel
Ein Artikel, der speziell auch in der Vorbereitung sehr spannend für mich war, ist das Interview mit Internet-Pionier Jaron Lanier. Lanier hat den Begriff der virtuellen Realität maßgeblich geprägt und mit seinem Buch "You are not a gadget" für viel Aufsehen und viel Kritik gesorgt. Mit seinen Thesen wirft er ein sehr kritisches und streitbares Bild auf das Netz, wie wir es heute kennen. Auch in seiner Persönlichkeit gilt Lanier als provokant und nicht immer einfach im Umgang. Auch in diesem Interview sorgten viele seiner Aussagen für Diskussionsstoff. Lanier ist der Überzeugung, dass Information im Netz nicht einfach kostenlos sein darf, dass Wikipedia eine Fehlentwicklung ist und dass soziale Netzwerke Entwicklungen begünstigen, die demokratiegefährdend sind und die er zum Teil sogar auf eine Stufe mit dem Nationalsozialsmus setzen würde.

Ebenfalls in Erinnerung geblieben ist mir die Geschichte über Anonymous Austria, die sich nach dem Ausbleiben des angekündigten "großen Coups" im Zuge der Einführung der Vorratsdatenspeicherung ergeben hat. Der Aprilscherz von AnonAustria rief die unterschiedlichsten Reaktionen hervor und spaltete auch die lose Gruppierung dahinter in zwei Lager. Der Artikel sollte einen Einblick geben, wie vielfältig und uneins die Meinungen hinter Anonymous, in diesem Fall Anonymous Austria, waren und sind. Er beschäftigte sich aber auch mit den Erwartungen unserer Gesellschaft an eine Gruppe wie Anonymous und sollte aufzeigen, wie schnell man sich dazu verleiten lässt, solche Bewegungen als eine Art Retter in der Not in die Pflicht zu nehmen.

Nicht zuletzt war auch mein Besuch in Mountain View bei Google ein Highlight in diesem Jahr. Im Rahmen der Google I/O hatte ich neben vielen anderen spannenden Geschichten auch die Gelegenheit, das Google-Hauptquartier zu Besuchen und einen Blick in die Arbeitswelt des Internetgiganten zu werfen.