Digital Life
28.05.2014

Österreich hinkt im Silicon Valley hinterher

So, wie sich Österreich derzeit im Silicon Valley präsentiert, reicht es nicht, meinen Kritiker und fordern ein Umdenken.

Österreich ist im Valley mit einigen Start-ups ständig vertreten – Jumio, Stratotesk oder Blossom - aber auch mit Start-ups, die im Rahmen der Go Silicon Valley Initiative der Wirtschaftskammer ihr Glück versuchen. 18 Startups sind es heuer, die 90 Tage lang Silicon Valley-Luft schnuppern dürfen und in die Gepflogenheiten des Valleys eingeweiht werden.

Gestartet wurde die Initiative vor einigen Jahren vom AußenwirtschaftsCenter in Los Angeles. Pro Jahr werden bis zu 20 Start-ups aus Österreich zu den beiden Acceleratoren Plug &Play-Center und nestGSV geschickt. Die Auswahl erfolge nach strengen Regeln, sagt Rudolf Thaler Außenhandelsdelegierter in Los Angeles. Eine US-Jury reist einmal pro Jahr nach Österreich und wählt aus den Bewerbern jene aus, die sich für das Ticket ins Silicon Valley qualifizieren. Die Start-ups müssen der Jury ihr Projekt, ihre Idee vorstellen und sie überzeugen.

Fragliches Konzept

Vom österreichischen Konzept sind allerdings die wenigsten überzeugt, selbst jene, die einmal Teil der Initiative waren. Warum? Zum einen klagen sie, dass sie sich im Silicon Valley mehr Unterstützung erwartet hätten, zum anderen, weil es sich bei den auserwählten Start-ups meist um Unternehmen handelt, die oft noch nicht einmal im eigenen Land Erfolge vorweisen können. „Es macht keinen Sinn, so viele Start-ups rüber zu schicken“, findet die Leiterin des Innovation Center Denmark im Silicon Valley, Camilla Rygaard-Hjalsted im futurezone-Gespräch. „Wir Dänen wollen nur die Besten der Besten und das sind pro Jahr nur zwei bis maximal drei Firmen.“ Einen österreichischen Weg würde sie nicht gehen, da es keinen Sinn macht, jungen Start-ups die Hoffnung zu machen, dass sie hier erfolgreich sein würden.

"Nicht verheizen"

Auch Manny Fernandez, Serial Entrepreneuer und Angel Investor ist der Meinung, dass mitunter viele Start-ups verheizt werden. „Es wird viel zu wenig geprüft, ob die Idee auch wirklich etwas taugt“, so Fernandez. Und taugen bedeutet in SV-Definition, dass es erstens ein erfolgreiches Produkt handelt, das sich zweitens in einer großen Kundenanzahl und drittens mit einer globalen Strategie auswirken sollte. „Nur wer so etwas vorweisen kann, weckt bei uns Interesse“, schildert der Angel-Investor Dave Strigler. Der Architekt aus San Jose investiert seit zwei Jahren in Start-ups, hat sich bislang etwa 80 Ideen angehört und in sechs Firmen investiert. „Zu glauben, dass man ins Silicon Valley kommt, und hier erfolgreich ist, obwohl man es daheim noch nicht ist, funktioniert nicht.“

Schreibtisch-Sponsoring

Das österreichische Modell hat noch einen anderen Haken – den Start-ups werden die Schreibtische bezahlt, quasi Büros in einem der beiden Acceleratoren (Plug & Play bzw. NestGSV) – das kostet 5000 Euro pro Start-up. Für Flug, Quartier und Spesen müssen sie selbst aufkommen – und das kann zu einem teuren Abenteuer werden mit sehr geringen Erfolgsaussichten.

Silicon Beach?

Im Vergleich mit anderen Ländern ist Österreichs Silicon-Valley-Auftritt eine halbherzige Sache. Die Wirtschaftskammer Österreich ist der Meinung, das Silicon Valley von Los Angeles aus mitbetreuen zu können. „Wir schicken regelmäßig einen Vertreter von Los Angeles ins Silicon Valley“, sagt Thaler: „Zudem hat Los Angeles in jüngster Zeit im Technologie-Business gehörig zugelegt, wird bereits Silicon Beach genannt und gilt nach dem Silicon Valley und Israel als drittes globales Innovationszentrum.“

Die Marktzahlen bestätigen diese Entwicklung allerdings nicht, denn laut PricewaterhouseCoopers kann von einem „Silicon Beach“ keine Rede sein. Innerhalb der USA belegt Los Angeles/Orange County sogar nur den vierten Platz – hinter dem SV, New England und New York. Keine Rede also vom dritten Innovationszentrum der Welt.

Morgen: Wie Österreich im Valley auftreten sollte