Digital Life
02.07.2013

OLED: Versteckte Beleuchtung im Alltag

Die OLED-Technologie wird derzeit vor allem mit Fernsehern verbunden, doch auch die Beleuchtungs-Branche setzt auf die organischen Leuchtdioden. Die dünnen und flexiblen Bauweisen eröffnen viele Möglichkeiten, die Hersteller haben aber noch mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen.

OLED - diese Technologie ist derzeit vor allem in der TV-Branche in aller Munde. Doch die organischen Leuchtdioden finden nicht nur in Smartphone- und Fernseher-Bildschirmen Anwendung, auch die Raumbeleuchtung soll in Zukunft von der OLED-Technologie profitieren. Da man aber bis vor kurzem weit von der Lebensdauer herkömmlicher Glühbirnen entfernt war, hielten sich viele Unternehmen von dieser vermeintlich einfachen Aufgabe fern. Doch während die Technologie in den Forschungslabors weiterhin große Fortschritte macht, nutzen bereits jetzt einige Hersteller den wohl derzeit größten Vorteil von OLEDs in ihren Produkten: die hohe Flexibilität.

Der Spiegel leuchtet
Das derzeit wohl eindrucksvollste Beispiel ist Philips Living Shapes-Spiegel, der einen entsprechend dicken Geldbeutel voraussetzt und bereits im Handel erhältlich ist. Für 2.990 Euro erhält man einen 75 mal 75 Zentimeter großen Spiegel, der auf den ersten Blick keine wirkliche Besonderheit bietet. Doch sobald das Licht eingeschaltet wurde, werden 64 kleine OLEDs sichtbar, die den Benutzer mit bis zu 400 Lumen Licht versorgen. Wird der Spiegel aktiv verwendet, blendet er automatisch jene OLEDs aus, in denen der Benutzer gerade zu sehen ist. So bleibt die Beleuchtung stets eingeschalten, ist dabei aber nicht störend im Weg.

Über einen Bedienknopf lässt sich ein "Lichtrahmen" in verschiedenen Ausführungen fixieren oder die Beleuchtung ganz ausschalten. Die OLEDs sind, wenn sie ausgeschaltet wurden, aus der Distanz nahezu unsichtbar. Erst bei näherer Betrachtung werden die Umrisse der OLEDs sichtbar. Dennoch ist der im Vorjahr veröffentlichte Spiegel eine der bislang ausgefeiltesten OLED-Lösungen in dieser Preisklasse.

Teurer Einstieg
Wer ein größeres Budget zur Hand hat, kann sich auch gleich eine ganze Wand mit der Lichtlösung von Philips bauen lassen, allerdings ohne Spiegel. Ein Quadratmeter kommt hier auf 10.000 bis 12.000 Euro, die Wand kann allerdings auch für rund 10.000 Euro pro Woche ausgeliehen werden - Montage und Anlieferung nicht inkludiert. Die Wand besteht aus OLED-Panelen, auf denen sich insgesamt 16 OLEDs in der Größe von fünf mal 5,5 Zentimetern befinden. Mit Hilfe einer Kamera werden die Bildinformationen dann auf die Panele übertragen, die in Echtzeit eine Schwarz-Weiß-Darstellung des Video-Feeds zeigen.

Die derzeit erhältlichen OLED-Lösungen beschränken sich zum Großteil noch auf derartige künstlerische Lösungen. Das ging so weit, dass Philips mittlerweile einen Online-Editor anbietet, mit dem jeder virtuelle Lichtinstallationen zusammenstellen kann. Die Einstiegskosten werden wohl auch für die nächsten Jahre im hochpreisigen Segment angesiedelt sein, das Lumiblade-Starterkit kostet derzeit 400 Euro und umfasst drei OLED-Panele. Diese taugen nicht gerade zum Ausleuchten eines ganzen Hauses, für erste Schritte mit OLED-Beleuchtung sind sie aber sehr gut geeignet. Insgesamt liefert eine Fläche von 100 Quadratzentimetern (Zehn mal zehn Zentimeter) rund 120 Lumen und kommt damit auf eine Lichtausbeute von 16,8 Lumen pro Watt.

Das ist im Vergleich derzeit noch eher durchschnittlich, energieffiziente Glühbirnen erreichen ähnliche Werte. Theoretisch sollen bis zu 140 Lumen pro Watt möglich sein, derzeit wurden in Tests bereits 60 Lumen pro Watt erreicht. Bis 2018 soll aber auch die Marke von 130 Lumen pro Watt geknackt werden. Damit wären OLEDs bis zu 15-mal effektiver als herkömmliche Beleuchtungs-Lösungen. Ein weiterer Flaschenhals ist die derzeit eher magere Lebensdauer. Bei einer Leuchtdichte von 1.000 cd/m² hält nahezu kein Modell länger als 15.000 Stunden durch, LED-Glühbirnen schaffen hingegen bereits bis zu 50.000 Stunden und mehr.

Im Autodach versteckt
Dabei ist sowohl bei LED als auch OLED ein Totalausfall sehr unwahrscheinlich, lediglich die Lichtstärke nimmt mit der Zeit ab. Bei 30 Prozent Verlust der Lichtstärke wird die Lampe als defekt bezeichnet, daran wird auch die Lebensdauer gemessen. Aber auch die Lebensdauer soll sich nach den Plänen der Hersteller in den nächsten Jahren deutlich verbessern, bis 2018 sollen bis zu 40.000 Stunden möglich sein.

Bis dahin werden OLEDs wohl eher noch Exoten auf dem hart umkämpften Beleuchtungs-Markt bleiben und vorwiegend in speziellen Lösungen Anwendung finden. Philips hat beispielsweise gemeinsam mit BASF eine OLED-Beleuchtungslösung für ein durchsichtiges Autodach entwickelt. So bleibt das Autodach über die gesamte Fläche transparent und die Beleuchtung ist bei Bedarf am Platz verfügbar. Da OLED-Panele sehr flexibel sind und in nahezu beliebiger Form verbaut werden können, könnten dadurch auch sehr kuriose Lampen-Designs auf den Markt kommen.