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Geistliche Impulse
07/16/2013

Papst Franziskus als fleißiger Twitter-Nutzer

„Verkündet das Evangelium - sollte es nötig sein, auch mit Worten!" Diese Maxime seines Namensgebers Franz von Assisi hat sich Papst Franziskus offenbar in einer ganz eigenen Weise zu eigen gemacht. Der Pontifex ist nämlich auf dem Internet-Kurznachrichtendienst Twitter seit seinem Amtsantritt im März äußerst aktiv.

Fast täglich schickt er Kurzbotschaften über den Äther, in manchen Fällen sogar mehrmals am Tag. Dabei ist der Vatikan eigentlich ein ziemlicher Twitter-Neuling. Erst im Dezember 2012 hatte Franziskus` Vorgänger Benedikt XVI. das offizielle päpstliche Twitter-Konto @pontifex aus der Taufe gehoben. Er twitterte noch eher zaghaft und wenig systematisch.

Nach Benedikts überraschendem Rücktritt mit 28. Februar 2013 wurde das Konto dann auch zunächst gesperrt. Der Nachfolger sollte entscheiden, ob er diesen Kanal des Kontaktes mit der Welt nutzen wollte. Und Franziskus wollte es. „Liebe Freunde, ich danke euch von Herzen und bitte euch, weiterhin für mich zu beten. Papst Franziskus" lautete seine erste Botschaft vom 17. März, vier Tage nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche.

"Geistliche Impulse"
Derart persönliche Mitteilungen sollten bisher allerdings die Ausnahme bleiben. Vielmehr nutzt Franziskus Twitter, um - in der Tradition des „geistlichen Impulses" - Kerngedanken seiner Predigten und Ansprachen unter die Leute zu bringen. Viele der Tweets sind daher seinen täglichen Kurzbetrachtungen in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta, seinem Wohnort, entnommen.

Andere haben wieder einen aktuellen Bezug, etwa jener vom 8. Juli, als er die italienische Flüchtlingsinsel Lampedusa besuchte: „Bitten wir um ein weites Herz für die Immigranten. Gott wird uns danach richten, wie wir den am meisten Bedürftigen begegnet sind."

Spanisch und Englisch am meisten verbreitet
Die Twitter-Botschaften des Papstes werden vom Vatikan in neun Sprachen - Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Arabisch, Polnisch, Latein - verbreitet. Die Wortmeldungen sind auch auf die Vatikan-Homepage sowie dem vatikanischen Nachrichtenportal nachzulesen. Das Interesse der Twitter-Nutzer an den verschiedenen Sprachversionen fällt freilich recht unterschiedlich aus. So hat Franziskus auf Spanisch (@pontifex_es) die meisten Follower mit 2,8 Millionen, gefolgt von Englisch (@pontifex) mit 2,7 Millionen.

Alle anderen Sprachversionen fallen demgegenüber stark ab (unter einer Million) - allerdings könnte der kommende katholische Weltjugendtag in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro einen Boom an portugiesischsprachigen Followern bringen (derzeit sind es 450.000 bei @pontifex_pt). Auf Deutsch (@pontifex_de) hat der Papst hingegen „nur" 118.000 Follower, sogar weniger als solche auf Latein (@pontifex_ln). Auf Nachrichten in der klassischen Kirchensprache des Westens sind nämlich derzeit 125.000 Twitterer neugierig.

Großes Interesse
Auch wenn der Pontifex bzw. seine Mitarbeiter nicht direkt mit anderen Twitter-Nutzern interagieren, ist das Interesse an den Mitteilungen immens. Jede einzelne Botschaft wird tausende Male „retweetet" und kommentiert. Die Bandbreite reicht dabei von feindseligen oder sarkastischen Bemerkungen (einschließlich Hinweisen auf den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Kleriker) bis hin zu unverhüllter Begeisterung.

Zuweilen fühlt sich auch der eine oder andere Leser persönlich berührt, so wie eine evangelische Pastorin aus Deutschland, die zur Papst-Botschaft „Wenn wir Jesus näher nachfolgen wollen, können wir kein angenehmes, ruhiges Leben suchen" twitterte: „Der @Pontifex_de kennt scheinbar mein Leben..."

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