Digital Life
27.11.2015

Piraterie: 200.000 Klicks für Video statt Geldstrafe

Ein Tscheche, der unautorisiert Software zum Download bereitstellte, ist mit einem „Reue-Video“ einer Geldstrafe entgangen.

Es ist eine ungewöhnliche Strafe und erinnert an einen Pranger. Weil er eine Geldstrafe von umgerechnet 210.000 Euro wegen Urheberrechtsverstößen nicht zahlen konnte, einigte sich der Tscheche Jakub F. mit dem Industrieverband Business Software Alliance (BSA) auf die Erstellung eines Reue-Videos, berichtet Torrent Freak. Sollte das Video mehr als 200.000 Mal abgerufen werden, werde ihm die Geldstrafe zu großen Teilen erlassen, so die außergerichtliche Einigung.

Das ist Jakub F., der nach eigenen Angaben acht Jahre lang unautorisiert Software im Netz weitergegeben hatte, gelungen. Vier Tage nach der Veröffentlichung des Clips hält der Zähler auf YouTube am Freitagmorgen bei mehr als 380.000 Clicks. Eine Bewährungsstrafe von drei Jahren ist, zu der ihm ein tschechisches Gericht verurteilte, bleibt ihm dennoch nicht erspart.

Zweifel an Authentizität

„Ich bin hier, um ihn zu unterstützten“, wurde etwa unter dem Video kommentiert. Oder „Diese Strafe ist Bullshit.“ Ein anderer Besucher vermutete hinter dem Clip eine Kampagne des Software-Industrieverbandes. Das legt auch die professionelle Machart des Videos nahe - dramatische Stimme, schnelle Schnitte, flirrender Ventilator, düstere Musik. Er habe das Video mit einer professionellen Filmfirma gedreht, sagte F. zu TorrentFreak. Es sei eine wahre Geschichte. Auch ein Vertreter der BSA wies gegenüber dem „Guardian“ den Verdacht zurück. Das Video sei „sehr echt“.