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GREEN IT
11/08/2010

Republik-Rechner werden grüner

Das Bundesrechenzentrum startet eine grüne Offensive und will die Energiemenge von 2000 Haushalten einsparen. Dies soll vor allem durch ein geschicktes Energie- und Hitzemanagement in Rechenzentren sowie die Sensibilisierung von Mitarbeitern erreicht werden.

Für uns ist es selbstverständlich, wenn eine Suchanfrage in 0,15 Sekunden beantwortet wird, der Facebook-Eintrag in Echtzeit auf der Seite erscheint, das Handy-Gespräch im Ausland sofort hergestellt wird oder die Einkommensteuererklärung per Mausklick zur Behörde geschickt werden kann. Verantwortlich für dieses Tempo ist das weltweite Netzwerk an Rechenzentren. Tausende gibt es weltweit (eine genaue Zahl ist nicht bekannt), 14 in Österreich.

Mit mehr als 2000 Rechnern ist das Bundesrechenzentrum (BRZ) eines der vier größten heimischen Rechenzentren - nach Siemens IT-Solutions, Raiffeisen-Informatik und IBM. "Wir sind ein sehr großer Energieverbraucher", sagt BRZ-Chef Roland Jabkowski im FUTUREZONE-Gespräch. Pro Jahr verbraucht das BRZ nicht weniger als acht Gigawatt-Stunden (acht Millionen Kilowatt-Stunden, Anm.) an Fernwärme und 22 Gigawatt-Stunden an elektrischer Energie. "Ein Viertel dieses Stromverbrauchs muss in den kommenden Jahren eingespart werden", sagt Jabkowski. Zur Veranschaulichung: Mit dem, was man einspart, können 2000 Haushalte ein Jahr lang mit Energie versorgt werden.

BRZ goes Green IT

"Wir wollen das grünste Rechenzentrum Österreichs und ein Vorbild werden", erklärt Jabkowski. Denn Server-Farmen gehören weltweit zu den größten Energieverbrauchern. "Alle Rechenzentren weltweit verbrauchen so viel Strom, wie 50 Atomkraftwerke produzieren", so Sektionschef Gerhard Popp, im Finanzministerium für die gesamte IKT-Infrastruktur der heimischen Verwaltung verantwortlich. Der Energieverbrauch durch immer größere Rechenzentren steigt pro Jahr um 17 Prozent. Ihr Ausstoß ist genauso groß wie jener des Flugverkehrs.

"Über den wird diskutiert, über die Rechenzentren aber nicht", meint Popp. Dabei ist es für jeden am eigenen Leib spürbar, dass IT ein Energieverbraucher ist: Ein Computer gibt viel Wärme ab. Dieses Phänomen kennt man nicht nur von daheim, sondern auch vom Büro in der Firma. Es wird erst recht warm, wenn in einem Zimmer mehrere Rechner stehen. Was in der kalten Jahreszeit einen durchaus positiven Effekt hat, ist aber ein Zeichen für starken Energieverlust.

Wie kann gespart werden? Systemausstatter wie T-Systems, Fujitsu, Siemens IT-Solutions, IBM oder Oracle machen sich seit geraumer Zeit Gedanken, wie sie den Energieverbrauch senken können. Von Computern und Servern, die mit weniger Strom auskommen bis hin zu Geräten, die im Stand-by-Betrieb überhaupt keine Energie benötigen.

Von Freiluft-Kühlung bis virtuelle Rechner

Ein zentrales Thema beim Energiesparen in Rechenzentren ist das Energie- und Hitze-Management, durch das das BRZ etwa 180.000 Euro an Stromkosten einsparen könne; durch Umluftkühlung fallen 600.000 Kilowattstunden weniger an. Auch "Free Cooling" wird bereits genutzt - die Außenluft wird zur Kühlung eingesetzt, die Natur ersetzt praktisch die Aggregate. Durch "Cloud Computing" (Internet-basierte Dienste, die von überall genutzt werden), "Shared IT-Services" (einmal entwickelt, mehrfach verwendet) oder "Server Virtualisierung" können weitere Hunderttausende Euro eingespart werden.

Auch die Mitarbeiter werden sensibilisiert - es beginnt bei simplen Maßnahmen wie in einem E-Mail hinzuweisen, dieses nicht auszudrucken. Statistiken belegen, dass in der so oft zitieren papierlosen Gesellschaft der Papierverbrauch ständig ansteige. Innerhalb der Beamtenschaft gibt es zudem einen Ideenwettbewerb.

Sparen mit eGovernment

Auch die Bürger sind aufgerufen, beim Sparen mitzuhelfen und digitaler zu agieren, Stichwort eGovernment. Die Österreicher verbringen im Jahr 32,4 Millionen Stunden mit Behördenwegen, vier Stunden pro Bewohner. 9,5 Millionen Stunden davon sind Wegzeiten, bei denen 30.000 Tonnen anfallen. Im Vergleich: Das wären 40 Flüge um die Welt.

"Es gab in den vergangenen Jahrzehnten zwar so etwas wie eine Dematerialisierung", sagt Thomas Schauer, Geschäftsführer des Club of Rome. Aber die Einsparung wurde durch die große Zahl der Geräte überkompensiert. "IT-Geräte verbrauchen vor ihrem Gebrauch Ressourcen, wenn sie in Betrieb sind und - Stichwort Elektronikschrott - wenn sie ausgedient haben."

(Gerald Reischl)

Umweltbewusst:
Alle Rechenzentren der Welt verbrauchen so viel Energie wie 50 Atomkraftwerke erzeugen. Bundesrechenzentrum-Chef Roland Jabkowski will das BRZ grüner machen

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