Digital Life 16.04.2018

RTR: Weniger Beschwerden, Roaming sorgt aber für Ärger

© Bild: APA/dpa/Daniel Reinhardt / Daniel Reinhardt

Die Österreicher beschweren sich seltener über Mobilfunker. Die Zahl der Schlichtungsfälle ist so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr.

2017 fiel die Zahl der Beschwerden über Telekom- und Medienkonzerne auf den niedrigsten Wert der vergangenen 15 Jahre. Die Rundfunk- und Telekom-Regulierungs-GmbH (RTR) verzeichnete im Vorjahr lediglich 1893 Schlichtungsfälle. 2016 waren es noch 1996 Fälle. Auch bei der Einigungsquote wurde ein neuer Rekordwert erzielt. 84 Prozent aller Fälle kamen zu einer Einigung. 93 Prozent aller Verfahren wurden innerhalb von 90 Tagen beendet.

„Die Bereitschaft der Betreiber ist sehr groß, eine schnelle und einvernehmliche Lösung in den Verfahren zu finden“, lobt Johannes Gungl, RTR-Geschäftsführer für den Bereich Telekommunikation und Post, das Vorgehen der heimischen Mobilfunker.

Ärger trotz Roaming-Aus

Trotz der relativ geringen Zahl an Streitfällen wurde der stetige Rückgang der vergangenen Jahre etwas gebremst. Im Vorjahr ging die Zahl der Schlichtungsfälle noch um 17 Prozent zurück, dieses Jahr war es nur ein Minus von fünf Prozent. Das ist auch auf einen starken Anstieg der Streitfälle bei Datendienste-Roaming zurückzuführen. Während es 2016 noch 117 Fälle in dieser Kategorie gab, waren es 2017 216.

Seit 15. Juni 2017 fallen innerhalb der EU Roaminggebühren weg, Mobilfunker müssen die im Inland gewährten Freieinheiten auch im EU-Ausland nutzbar machen. Auch die Beschwerden über die Netzqualität haben zugenommen. In 148 Fällen beklagten sich Nutzer über die Qualität der Mobilfunknetze, ein Jahr zuvor waren es lediglich 79.

Zustellprobleme nehmen zu

Den Löwenanteil machen mit 629 Schlichtungsfällen nach wie vor allgemeine Vertragsstreitigkeiten aus. Auch beim Bereich Pay-TV konnte die Zahl der Schlichtungsfälle deutlich reduziert werden. Es gab lediglich sieben Streitfälle um das Entgelt sowie 71 Fälle zu "sonstigen Vertragsschwierigkeiten" - in Summe 32 Fälle weniger als 2016.

Bei den Postdiensten ließ sich aber eine deutliche Steigerung beobachten. 2017 wurden 277 Schlichtungsfälle durch Zustellprobleme und andere Fehler verzeichnet. Ein Jahr davor waren es noch 159 Fälle. Laut Gungl sei der Anstieg auf die "starke mediale Präsenz und dem damit einhergehenden steigenden Bekanntheitsgrad der Schlichtungsstelle für Postdienste" zurückführbar. "Im Vergleich zu den rund 720 Millionen im Inland beförderten Paketen und Briefen 2017 sehen die 277 Fälle aber sehr gering aus."

Meldestelle für Ping-Anrufe

Neben dem Schlichtungsbericht kündigte die RTR am Montag die Einrichtung einer Meldestelle für Ping-Anrufe an. Diese Betrugsmasche hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Dabei rufen Betrüger an, lassen es aber nur einmal klingen. Das Opfer soll zum Rückruf verleitet werden. Da es sich um ausländische Mehrwertnummern handelt, kann das aber rasch teuer werden.

"Aus dem Markt fehlen allerdings Zahlen, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Österreich tatsächlich betroffen sind", so Gungl. Diese Erhebung wolle man mit der Meldestelle vornehmen und gemeinsam mit den Mobilfunkern gegen die Ping-Anrufe vorgehen. Damit wolle man einer "harten Regulierung. durch Verordnung "smart" zuvorkommen". 

( futurezone ) Erstellt am 16.04.2018