Digital Life
27.10.2017

Saudi-Arabien verleiht erstmals Roboter Staatsbürgerschaft

Der menschenähnliche Roboter Sophia hat im Rahmen einer Konferenz die Saudi-arabische Staatsbürgerschaft erhalten. Das rief auch heftige Kritik hervor.

Saudi-Arabien hat dem Roboter Sophia die Staatsbürgerschaft verliehen. Damit ist der von Hanson Robotics gebaute menschenähnliche Roboter der erste Roboter mit einer offiziellen Staatsbürgerschaft. „Ich fühle mich geehrt, diese einzigartige Auszeichnung erhalten zu haben“, sagte Sophia im Rahmen einer Rede auf dem Future Investment Summit in Riyadh, wo auch die Verleihung der Staatsbürgerschaft stattfand.

Die „Sophia“-Schöpfer waren bereits einmal zu Gast in Wien: 2015 demonstrierte Hanson Robotics seine zum Verwechseln echt aussehenden Roboter auf dem Pioneers Festival. Die Staatsbürgerschaft für Sophia dürfte wohl nicht mehr als ein aufwändiger PR-Stunt sein - allerdings ein ziemlich erfolgreicher. Fernsehsender CNBC interviewte Sophia und selbst Tesla-Gründer Elon Musk konnte sich keinen Kommentar verkneifen. Der bekannte KI-Kritiker meinte, man sollte ihr einfach „Der Pate“ zeigen und abwarten, was passiert.

Roboter erhält mehr Rechte als Frauen und Ausländer

Die Aktion sorgte aber auch für durchaus kontroverse Reaktionen. Ein arabischer Hashtag, der übersetzt „Roboter mit saudischer Staatsbürgerschaft“ heißt, wurde binnen der ersten 24 Stunden mehr als 30.000 Mal genutzt. Zugleich regte sich Protest unter dem ebenfalls arabischen Hashtag „Sophie fordert das Ende der Vormundschaft“, der rund 10.000 Postings generierte. In Saudi-Arabien müssen Frauen laut Gesetz einen männlichen Vormund haben. Ohne Vormund dürfen Frauen beispielsweise nicht das Land verlassen.

Zudem wiesen zahlreiche Nutzer darauf hin, dass Sophia ohne die in Saudi-Arabien für Frauen erforderlichen Hijab (Kopftuch) und Abaya (Überkleid) auftrat. „Ein menschenähnlicher Roboter hat die saudische Staatsbürgerschaft erhalten, während Millionen andere staatenlos bleiben“, kritisierte der Journalist Kareem Chahayeb. Er will damit auf das umstrittene Kafala-System hinweisen, unter dem zahlreiche ausländische Arbeiter in Saudi-Arabien beschäftigt werden. Diese erhalten zwar eine Arbeitserlaubnis, werden aber stark in ihren Rechten beschnitten und dürfen ebenfalls nicht das Land verlassen.