Digital Life
08.07.2016

Schießerei in Dallas landet als Live-Video auf Facebook

Erneut gab es eine Schießerei in den USA, vier Polizisten starben und sieben weitere wurden verletzt. Wie bei den Schießereien davor gibt es ein Facebook-Live-Video davon.

In Dallas sind während eines Protestmarsches gegen Polizeigewalt am Donnerstagabend vier Beamte erschossen worden. Dies teilte die Polizei der texanischen Großstadt auf Twitter mit. Insgesamt seien elf Polizisten beschossen worden, sagte Polizeichef David Brown. Die Polizei geht von zwei Scharfschützen aus.

Wie bei der tödlichen Polizei-Schießerei wenige Tage zuvor landete auch dieses Mal ein Live-Video von diesem Vorfall auf Facebook. Facebook-Nutzer Michael Kevin Bautista filmte das Geschehen aus der Distanz mit. Das Video zählt bereits mehr als 2,6 Millionen Aufrufe und wurde mehr als 100.000 Mal geteilt. Zu Beginn des Videos ist zu sehen, wie mehrere Polizisten unter starkem Schusswechsel zum Schutz hinter ein Polizeiauto robben.

Laut Bautista ist einer der Polizisten getroffen. Obwohl das Video aus der Distanz gefilmt wurde, ist das Geschehen durch den Kommentar von Bautista auch erkennbar. Im Gegensatz zum Live-Video einer Polizei-Schießerei warnt Facebook dieses Mal nicht vor dem Starten des Videos. Das kontroverse Video, bei dem zu sehen ist, wie ein Mann von einem Polizisten erschossen wird, startet mit einem Warnhinweis.

Kritik aus Silicon Valley

„Die Bilder, die wir diese Woche gesehen haben, sind drastisch und herzzerreißend. Sie werfen ein Licht auf die Angst von Millionen Menschen, die ein Teil unserer Gemeinschaft sind“, so Facebook-CEO Mark Zuckerberg in einem Posting. Er weist darauf hin, dass Offenheit und Zusammenarbeit in Zeiten wie diesen notwendig seien. Auch Apple-CEO Tim Cook verurteilte die „sinnlosen Tötungen“ in einem Tweet.

Die Polizei bat die Öffentlichkeit um Hilfe bei der Suche nach Verdächtigen und veröffentlichte ein Foto. Es zeigt einen Mann, einen Mann, der eine Waffe bei sich hat und ein T-Shirt in Camouflage-Farben trägt. Er soll sich gestellt haben. Ein zweiter Verdächtiger sei festgenommen worden, twitterte die Polizei.

Transportpolizist getötet

Verdächtige hatten gedroht, eine Bombe zu legen, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf die Polizei. Die Schützen hatten es vermutlich gezielt auf Polizisten abgesehen, so der Sender.

Bei einem Toten handelt es sich offenbar um einen Transportpolizisten des Nahverkehrsunternehmens DART. Drei weitere wurden verletzt, wie DART auf Twitter mitteilte. Die Polizei forderte die Bürger auf, das Stadtzentrum von Dallas zu meiden, der öffentliche Verkehr wurde unterbrochen, berichtete die „Dallas Morning News.“

Protest gegen Polizeigewalt

Zuvor habe es friedliche Proteste gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gegeben. Auslöser waren zwei erschossene Afroamerikaner innerhalb von zwei Tagen. In Falcon Heights (Minnesota) starb Philando Castile (32) im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. Kurz zuvor hatten in Baton Rouge (Louisiana) zwei Polizisten Alton Sterling (37) auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Diese Tode seien ein Ereignis, das alle Amerikaner gleichermaßen angehen muss, sagte Präsident Barack Obama. „Wir erleben so etwas viel zu oft“, sagte Obama unmittelbar nach der Landung in Warschau, wo er in der Nacht zum Freitag zum Nato-Gipfel eintraf. Der sichtbar berührte Präsident beschwor die Amerikaner, nach dem Geschehenen nicht in routinierte Reaktionsmuster zu verfallen, sondern innezuhalten.