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Datenleck
02/26/2014

Schülerdaten: "Problem Schatten-EDV"

Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten, ist von der am Dienstag bekannt gewordenen Datenlücke bei Schülertests "wenig überrascht". Als Problem macht er die "Schatten-EDV" aus.

Zwar seien die zentralen Systeme meist sicher - die Schwierigkeiten entstünden aber oft dann, wenn sich Mitarbeiter durchaus in gutem Glauben etwa Kopien für ihre Arbeit machen. Beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) ortet er ein „massives Kompetenzproblem“.

Die im Internet aufgetauchte Datenmenge bezeichnete Zeger als „Mini-Menge“: „1,8 Gigabyte sind gar nichts.“ Das Hauptproblem liege dabei nicht so sehr bei den zentralen Systemen: „Die zentralen Datenbanken, wo unsere Steuern oder Sozialversicherungsakten verwaltet werden, sind halbwegs sicher. Da wird Aufwand getrieben.“ Allerdings seien viele Systeme zu kompliziert und zu wenig nutzbar konzipiert.

„Missachtung von Bürgerrechten“

Er könne sich etwa gut vorstellen, dass ein Forscher am Bifie die fraglichen Daten für einen Vortrag auswerten wollte und sich in der besten Absicht, diese anschließend zu löschen, eine Kopie erstellt habe, so Zeger. Dann stelle er sie in eine Art Cloud - „rumänische Server sind halt billiger als österreichische“ - und schon sei es geschehen. Verantwortlich sei hier eine gewisse Inkompetenz, gepaart mit einer Art Missachtung von Bürgerrechten.

„Massives Kompetenzproblem“

Ein „massives Kompetenzproblem“ ortet Zeger beim Bifie: Dort sei man offenbar schon vor zwei Monaten auf das Problem aufmerksam gemacht worden. „Dass irgendwann einmal Daten wegkommen, kann passieren. Das ist Teil der EDV. Aber darauf zwei Monate lang nicht zu reagieren und zu sagen, das ist ein ehemaliger Vertragspartner, der uns ärgern will, ist schon ein Problem.“ Allerdings kein untypisches: Bei Schulungen in Unternehmen habe man immer wieder innerhalb kürzester Zeit Lücken identifiziert: „Um diese hat sich aber niemand gekümmert, weil niemand sie verstanden hat.“

Warum das Bifie jetzt lange prüfen müsse, was passiert sei, kann Zeger auch nicht ganz nachvollziehen: „Entweder habe ich einen Überblick, was mit meinen Daten passiert - dann habe ich das in ein paar Stunden heraus oder ich habe keinen - dann kann ich wochenlang prüfen.“

„Klarer Auftrag“

Ob die etwa ebenfalls vom Bifie erstellten Fragen für die künftige Zentralmatura sicher seien, könne er nicht sagen, so Zeger. Damit habe er sich zu wenig beschäftigt. „Aber wenn ich das nicht sicher hinbekomme, muss ich in die Hilfsschule gehen.“ Diese Aufgaben würden nur einem kleinen Personenkreis bekannt sein und seien nur für einen kurzen Zeitraum - eben bis zur Matura - von Bedeutung, ein nachträgliches Auftauchen daher kein gröberes Problem. „Das ist jetzt sicher kein Persilschein, aber ein klarer Auftrag, sich darum zu kümmern.“

Skepsis bei ELGA

Bei anderen Systemen sei er skeptischer, verwies Zeger etwa auf die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA): „Das ist völlig intransparent konzipiert, niemand ist verantwortlich für die Sicherheit. Beim Bifie war zumindest jemand dafür verantwortlich.“ Bei ELGA sei es in Sachen Zugriff „ähnlich wie bei einem Tresorschlüssel“: „Auf dem Schlüssel sind keine Diamanten draufgeklebt, aber wer den Schlüssel hat, hat Zugriff auf die Diamanten. Dort sind 100.000 Leute zugriffsberechtigt und Hunderte Server im Spiel.“

Auch hier fürchte er die „Schatten-EDV“ - nämlich was mit den Daten nach dem durchaus legalen Zugriff darauf passiere. Das Problem bei ELGA sei auch, dass man sich weigere, eine zentrale Steuerung einzuführen, die den gesamten Lebenszyklus der Daten umfasse. Dies würde aber etwa in Länderkompetenzen eingreifen.

Lehrer fordern Stopp von Datenerhebungen

Die Lehrergewerkschaft forderte unterdessen einen vorläufigen Stopp von allen zentralen personenbezogenen Datenerhebungen etwa für PISA-Studie, Bildungsstandard-Tests und Zentralmatura. „Bevor das nicht vollständig aufgeklärt ist, haben diese Dinge zu unterbleiben“, so der Vorsitzende der ARGE Lehrer, Paul Kimberger. Kritik kommt auch von der Wiener Schülerunion. Vorsitzende Denise Mach: "Ich bin äußerst schockiert. Es kann nicht sein, dass dermaßen fahrlässig mit derart sensiblen Daten umgegangen wird. Von einem Institut wie dem Bifie erwarte ich mir mehr Professionalität."