Facebook verkörperte in seinen Anfangszeiten die Silicon-Valley-Kultur eindrucksvoll: Jung, männlich, unter 30.

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Digital Life
06/30/2014

Selbstverliebtes Silicon Valley hemmt Vielfalt

Autor Carlos Bueno kritisiert die "Mirrortocracy"-Kultur von IT-Unternehmen, die zur oberflächlichen Bewertung und zum Ausschluss talentierter Bewerber führt.

In einem Artikel für Quartz beschreibt der Programmierer und Buchautor Carlos Bueno ein Problem, das seiner Meinung nach dazu führt, dass das Silicon Valley von weißen und asiatischen Männern unter 30 dominiert wird. Eine seit wenigen Jahren entwickelte und sich selbst verstärkende Unternehmenskultur habe dazu geführt, dass Andersdenkende ausgeschlossen werden - wobei sich das Andersdenken auch nur durch einen nonkonformen Kleidungsstil manifestieren kann.

Gruppen-Eignung

Der Rekrutierungsprozess wird oftmals mit einer informellen Erforschung der Kompatibilität mit einer bestimmten Gruppe verwechselt. Wer nicht dazu passt, wird abgelehnt. Um sich in eine Gruppe zu fügen, müssen Jobkandidaten teilweise dazu bereit sein, jederzeit Einladungen zu einem vermeintlich lockeren Bier mit künftigen Kollegen anzunehmen. Wer mit einem Anzug erscheint, riskiert nicht zum Team zu "passen". Vorurteile werden zu Aufnahmekriterien.

Erfolgskriterien für das Valley

Wie Bueno beschreibt, müsste man theoretisch folgende Regeln befolgen, um im Silicon Valley Erfolg zu haben:

  • Man muss im Silicon Valley leben, bevorzugt in San Francisco
  • Man muss "organisch denken", also sich dem Zeitplan des Unternehmens flexibel anpassen
  • Man sollte nicht "overdressed" sein, aber auch nicht "underdressed", je nachdem welche sozialen Hinweise man erhält
  • Man sollte ein Unternehmen überraschen, dem man beitreten will, am besten durch bestechende Essens-Geschenke
  • Man sollte alles lesen, über das ein Unternehmen bloggt
  • Man braucht Beziehungen. Eine "warmherzige Einführung" eines gemeinsamen Bekannten ist beinahe Pflicht
  • Man sollte niemals bezweifeln, es mit objektiven, leistungsorientierten Menschen zu tun zu haben - auch wenn dieser Eindruck so gar nicht zutreffen sollte

Mehr Selbstreflektion

Gerade durch den Kampf um neue IT-Talente sei es schwierig, mit der Überzeugung, dass nur die eigene Kultur die bestmögliche ist, die bestmögliche Personalentscheidung treffen können, meint Bueno. Der Autor fordert mehr Selbstreflektion. Auch Mark Zuckerberg, der als 22-Jähriger noch meinte, man müsse in der IT-Welt einfach jung sein, weil "junge Menschen einfach smarter sind", habe mit den Jahren seine Überzeugungen geändert.