Digital Life
27.05.2014

Silicon-Valley-Klone funktionieren nicht

Versuche, das Silicon Valley in anderen Ländern nachzubauen, müssen scheitern, denn nur in Kalifornien passen die Voraussetzungen. Das Valley lässt sich nicht kopieren.

Versuche gibt es auf der ganzen Welt, ein Silicon Valley nachzubauen – aus dem Silicon Cape (Kapstadt) wurde genauso wenig wie aus dem Silicon Moscow oder dem nachgebauten Silicon Valley in China, für das man vor einigen Jahren sogar einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben hatte. Das Silicon Valley lässt sich nicht kopieren, es würde auch keinen Sinn machen. Wir können nur einiges vom SV lernen und endlich begreifen, dass man dort als Land ständig und nachhaltig vertreten sein muss, um am globalen Markt mitzuspielen.

Fünf Gründe für den Erfolg

Wenn man heute Unternehmer, Wissenschafter, Studenten und Start-ups fragt, warum das Silicon Valley so erfolgreich ist, werden immer dieselben, scheinbar sehr oberflächlichen Gründe genannt:

Lage

Erstens ist es die Lage – mit San Francisco gibt es einen großen Flughafen, dessen Lage als optimal angesehen wird – es gibt Direktflüge nach Asien, Australien, Afrika und Europa ist ebenfalls Non-Stop zu erreichen. San Francisco wird (wie Los Angeles übrigens auch) als Nabel der Welt gesehen.

Ausbildung

Zweitens gibt es die besten Universitäten der Welt in und um San Francisco – Stanford sowie die University of California, zu denen unter anderem auch Berkeley, Davis, Irvine oder Los Angeles gehören. Und Stanford ist ohnehin etwas Besonderes – wer hier studiert, dem steht nicht nur die Welt der Wissenschaft, sondern auch die Welt des Unternehmertums offen, denn nur die Besten der Besten dürfen hier studieren.

Infrastruktur

Drittens ist es die Infrastruktur, der „Zugang zum Papierkram“, wie es der Österreicher und Forschungschef des Pharmakonzerns Gilead Sciences, Norbert Bischofberger, bezeichnet. „In der einen Straße, Sandhill Road, sitzen die Venture Capitalists, in der anderen, der Pagemill Road, die Anwaltskanzleien. Hier gibt’s praktisch alles, was man zum Firmengründen braucht, sozusagen ums Eck“, sagt Bischofberger, der noch ein viertes entscheidendes Argument kennt:

Wetter und Landschaft

„Ich glaube ja, dass das Wetter die Mentalität der Menschen ändert.“ Bischofberger ist gebürtiger Vorarlberger und hat in seiner Jugend selbst erlebt, wenn es am Bodensee nebelig und im Bregenzer Wald sonnig ist. „Die Menschen sind anders, dort, wo die Sonne scheint, fröhlicher, optimistischer, besser drauf.“ Ad Landschaft – man hat die Berge in der Nähe, kommt in wenigen Stunden in Skigebiete und in Naturschutzgebiete wie den Yosemite Nationalpark und in weniger als einer Stunde ans Meer.

Bevölkerungsmix

Fünftens ist es der Bevölkerungsmix, Kalifornien und das Silicon Valley ist eine durch und durch multikulturelle Gesellschaft, 90 Prozent der 45 Millionen Bewohner sind aus den verschiedensten Ecken der Welt zugereist. „Das erkennt man übrigens auch an der Restaurantauswahl“, sagt Mario Herger, Gamification-Expert, ehemaliger SAP-Manager und Initiator des „Austrian Innovation Center“. „Von Mongolisch über Koreanisch, Indisch oder Italienisch, kann man eine Gourmet-Weltreise machen.“

Die Besten der Besten

Das Silicon Valley zieht die besten Köpfe aus der ganzen Welt an, auch aus den oben genannten Gründen. Die Universität Stanford ist ein Paradebeispiel dieses Bevölkerung-Mixes - 56 Prozent der Studenten kommen aus dem Ausland (Statistik aus dem Jahr 2010), von den verbliebenen 44 Prozent hat wiederum die Hälfte einen ausländischen Hintergrund.

Das Silicon Valley lässt sich nicht kopieren, es lassen sich bestenfalls einige Tricks und How-tos ableiten und auf Länder adaptiert übertragen. Und das Wichtigste zum Schluss: Wer wirklich global erfolgreich sein will, der muss im Silicon Valley vertreten sein, denn nur wer dort ist, wird in der IT-Welt wahrgenommen.

Netzwerken auch am Friedhof

Wenn man hier in der Bay Area ankommt – so wird die Region unterhalb von San Francisco genannt, ist man im ersten Moment überwältigt – weil hier fast alle Firmen vertreten sind oder ihr Hauptquartier haben, über die die Technikwelt täglich schreibt, die den Alltag jedes Menschen beeinflussen. Zugleich ist man auch ein wenig überfordert, denn es gibt Acceleratoren, Inkubatoren, Angels, Business-Angels, VCs, VCTaskforces, diverse Gruppierungen, Interessensgruppen etc. – ein Netzwerk, das auf den ersten Blick völlig undurchsichtig, ja verwirrend erscheint. Rechnet man noch hinzu, wie Finanzierungsrunden ablaufen – von Serie A bis Serie D, F oder G (wie im Falle von Square), so verliert man leicht den Überblick. Doch das Silicon Valley ist weniger komplex als es zu sein scheint, kaum größer als Österreich, hat man schnell durchschaut, dass es eigentlich ein riesiges Netzwerk ist, in dem fast jeder jeden kennt – wenn nicht persönlich, dann zumindest doch das Unternehmen, die Organisation oder den VC, die Anwaltskanzlei, bei dem/der er arbeitet.

Die Devise lautet Netzwerken

Das Um und Auf im Silicon Valley ist netzwerken, „das kann man sogar bei einer Beerdigung“, sagt Mike Macedonio – der Bestseller-Autor und Executive Direktor von BNI (Business Network International) gibt im Silicon Valley Kurse zum Thema „Netzwerken für Start-Ups“ und erklärt ihnen, wie man Kontakte knüpft und wie man in Netzwerke gelangt. Kontakte zu knüpfen, ist im Silicon Valley nämlich eigentlich nicht schwer, es gibt täglich genügend Veranstaltungen, bei denen man neue, interessante und auch einflussreiche Menschen kennenlernen kann. Leichter als anderswo. Und man kommt an Menschen heran, an die man im Normalfall nie herangelassen würde, weil die Assistentin jede Anfrage abblockt. Man trifft sie auf den diversen Veranstaltungen – von Kongressen über Meetups bis zu öffentlichen Pitches. Man kann (und soll) sie ansprechen und ihnen einfach eine Visitenkarte überreichen und kann mit ihnen reden - für wie lange hängt davon ab, wie interessant man für sie ist und wie spannend das Produkt ist, das man ihnen „verkaufen“ will.

Jeder hat eine Chance

Warum man eine Chance bekommt? Weil im Valley jedem zugetraut wird, dass er die große Idee hat, dass er der nächste ist mit einer disruptiven Technologie. Diesen Small-Talk sollte man nutzen, um eine zweite Chance zu bekommen. Und das ist vielleicht ein weiteres persönliches Treffen, ein Telefonat und – wichtig im Silicon Valley- eine Verknüpfung auf Linkedin. Daher ist es im übrigen ratsam, sein Profil auf Linkedin zu aktualisieren und mit Informationen anzureichern, denn Xing, Facebook oder Google+ haben in der Welt des Silicon Valley keine Bedeutung.

Morgen: Österreich im Silicon Valley – halbherzig und leidenschaftslos