Digital Life
15.12.2013

Staatsdruckerei bastelt an Ausweis auf dem Smartphone

DIe OeSD-Chefs denken an offene Plattform für Staat und Firmen. Gleichzeitig heißt es aber: "Haptisches Dokument stirbt nicht aus".

Der Mensch 2.0 lagert seine Fotos nicht in der verstaubten Kiste am Dachboden, sondern in der Cloud - das Smartphone ist sein zentrales Werkzeug zum Kommunizieren, Einkaufen, Arbeiten. In näherer Zukunft kann sich homo digitalis vielleicht auch mit seinem Handy ausweisen, glauben die Chefs der Staatsdruckerei. Sie arbeiten intensiv an einer Gesamtlösung für digitale Identitätsleistung.

"Vor zwei Jahren haben wir massiv mit der Entwicklung begonnen", sagt der Vorstandsvorsitzende der 2000 privatisierten Staatsdruckerei (OeSD), Robert Schächter, im Gespräch mit der APA. Ihm und seinem Vorstandskollegen Helmut Lackner schwebt eine Art offene Plattform vor, die der Staat genauso nutzen können soll wie zum Beispiel Handelsketten. "Wo muss ich mich identifizieren? Das unterste Ende ist die Kundenkarte im Geschäft, nach oben ist alles offen. Dazwischen gibt es eine ganze Menge: Geld abheben oder ein Paket bei der Post holen", so Schächter.

"Datensparsamkeit"

Der jeweilige Kunde, etwa die Handelskette, soll dann nur die Informationen bekommen, die er wirklich braucht. In Zeiten von staatlichem und unternehmerischem Datensammelwahn und NSA-Affäre sei "Datensparsamkeit" das Gebot der Stunde.

Woher aber soll die OeSD, die ja ein privates Unternehmen ist, die Daten bekommen? Das müssten die Bürger freiwillig zur Verfügung stellen, meint der Vorstandschef. "Zahlen soll der, der den Nutzen hat", das könne auch der Bürger sein.

Digitale Zukunft

Auch puncto Ausweise, dem Kerngeschäft der OeSD, die noch immer etwa zwei Drittel ihres Umsatzes Aufträgen von österreichischen Ministerien zu verdanken hat, sehen Schächter und Lackner die Zukunft digital. Sie denken daran, dass sich Menschen bald auch vor staatlichen Stellen via Smartphone authentifizieren können, etwa am Flughafen. "Die elektronische Identifikation kann durchaus analog - von einem Grenzbeamten - kontrolliert werden." Um Sicherheit zu gewährleisten, brauche es immer dreierlei: "Sie müssen etwas haben, etwas wissen und ein Externer muss das überprüfen", erklärt Schächter.

Bis das alles Realität wird, dauert es aber noch. "Das haptische Dokument, das gibt es noch sehr lange", prognostiziert Lackner. Für den "täglichen Gebrauch" könnten die unzähligen Plastikkarten sukzessive ersetzt werden.