Digital Life
22.08.2018

Starke Facebook-Nutzung führt zu mehr Gewalt gegen Flüchtlinge

In Deutschland haben Forscher einen beunruhigenden Zusammenhang zwischen Angriffen auf Flüchtlinge und Facebook entdeckt.

Das Conclusio der wissenschaftlichen Studie ist alarmierend. Je stärker die Facebook-Nutzung in einem Gebiet, desto wahrscheinlicher sind Übergriffe auf Flüchtlinge und Anschläge auf deren Unterkünfte. Das fanden die beiden Forscher Karsten Müller und Carlo Schwarz nach einer umfassenden Analyse der 3335 polizeilich registrierten Angriffe auf Flüchtlinge in Deutschland in den vergangenen beiden Jahren heraus. Die gesamte Studie ist kostenlos zum Download verfügbar (PDF).

Facebook sticht heraus

Indem sie diverse soziale Faktoren wie Einkommen, Alter, politische Ausrichtung, Zeitungsverkäufe, Flüchtlingszahlen, fremdenfeindlich motivierte Angriffe, aber auch Demonstrationen berücksichtigten, landeten sie immer wieder bei derselben beunruhigenden Korrelation. Städte und Gemeinde, in denen die Facebook-Nutzung hoch waren, verzeichneten unabhängig von ihrer Größe und ihrer demografischen Zusammensetzung substanziell mehr Attacken auf Flüchtlinge.

Dieser Zusammenhang wird laut den Wissenschaftlern auch durch verblüffende Erkenntnisse gestützt. So sorgten Internetausfälle, während derer die Facebook-Nutzung nicht möglich war, ebenfalls für einen Rückgang an Übergriffen gegen Flüchtlinge. Da die Netzinfrastruktur in Deutschland von lokalen Anbietern geprägt ist, habe man den Zusammenhang zweifelsfrei nachweisen können.

Emotion ist auf Facebook Trumpf

In der 75-seitigen Abhandlung, in der vor allem auch die Aktivitäten von den Facebook-Usern unter die Lupe genommen wurden, die politisch der AFD zuzuordnen sind, versuchen die Forscher auch Erklärungen für das Phänomen zu finden. So führen dies darauf zurück, dass Facebook emotionalisierende Postings, die viele Kommentare und Gefühlsreaktionen verzeichnen, bevorzugt und diese an mehr Personen ausspielt, als nüchtern gestaltete Beiträge.

Einige wenige "Super-Poster" könnten durch ihre andauernden, hetzerischen Beiträge schließlich die Stimmung selbst in Städten und Gemeinden kippen lassen, die Flüchtlingen ursprünglich positiv gegenüber standen. Dies geschehe deshalb, da durch die Postings eine verzerrte Realität geschaffen werde, in der Flüchtlinge nicht nur in ausschließlich schlechtem Licht gezeigt werden, sondern auch suggeriert wird, dass die Unterstützung von Flüchtlingen sehr gering sei. Damit ziehe man wiederum Menschen auf die Anti-Flüchtlingsseite, die sich der Mehrheit anschließen wollen.

Facebook-Gruppen werden unterwandert

Diese Erklärungsversuche werden in dem Bericht auch von Betroffenen und Hilfsorganisationen untermauert. So berichten Flüchtlingshelfer und politisch Verantwortliche davon, dass mit dem Einrichten von Facebook-Seiten für Flüchtlingsprojekte oftmals der gegenteilige Effekt erreicht wurde. Die eigentlich positive Grundstimmung vor Ort sei auf Facebook von zumeist ortsfremden Postern unterwandert worden und habe im Gegenteil erst zu einem Schüren von Hass und einer allgemeinen Skepsis gegen Flüchtlinge geführt.

Facebook hat die wissenschaftliche Studie bisher noch nicht kommentiert.