Digital Life
02.12.2015

Studie: Wie der IS Twitter und soziale Medien nutzt

Eine US-Universität hat sechs Monate lang die Kommunikation zwischen IS-Anhängern analysiert. Die Forscher waren überrascht, wie clever dabei vorgegangen wird.

Die Terror-Organisation Daesh, auch bekannt als IS oder ISIS, nutzt die sozialen Medien intensiv zur Rekrutierung und Verbreitung von Propaganda. Diese Tatsache ist bereits lange bekannt, doch eine US-Studie gibt nun näheren Einblick in die Methoden der Daesh-Kommunikation. Dazu wurden die Online-Aktivitäten von 400 Daesh-Anhängern sechs Monate lang intensiv beobachtet. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass Twitter die bevorzugte Plattform von Daesh-Anhängern ist. Der Großteil (86 Prozent) davon ist männlich, das Durchschnittsalter lag bei 26 Jahren.

Laut der Studie wird aber nicht nur Twitter genutzt. Daesh-Unterstützer und -Sympathisanten sind auf "einer Vielzahl von Plattformen aktiv", seien es nun offene Dienste wie Facebook, Google+ und Tumblr bis hin zu Messengern wie Kik, Telegram und surespot sowie dem Darknet. "Aber Twitter ist mit Abstand die beliebteste Plattform in dieser formlosen Echo Chamber", heißt es in der Studie.

Clevere Überprüfung per "Ausrufer"

Das dürfte auch Anonymous erkannt haben, die im Rahmen von OpParis gegen tausende vermeintliche Daesh-Sympathisanten auf Twitter vorging. Doch die Sperren erweisen sich oftmals als fast sinnloses "Katz-und-Maus-Spiel", wie die Autoren der Studie anmerken. Sperren werden als "Ehrenauszeichnungen" angesehen und helfen den Daesh-Nutzern offenbar sogar dabei, ihre Glaubwürdigkeit zu steigern. Ein neuer Account wird meist binnen weniger Stunden angelegt und über sogenannte "Ausrufer"-Konten (Shout Out) verbreitet.

Diese Konten haben die Forscher am meisten überrascht. Über diese Kanäle werden Twitter-Handles zu neuen Propaganda-Konten verbreitet, um so trotz regelmäßiger Sperren stets informiert zu sein. Das Vorgehen dabei ist clever: Über den neuen Account wird ein Screenshot von der Sperre gepostet, wodurch die "Ausrufer" wissen, dass es sich um den richtigen Nutzer handelt. Erst dann wird der "Daesh-geprüfte" Nutzer über die eigenen Kanäle verbreitet.

NFL-Logos als Profilbild

"Es ist eine Internet-Community mit verschiedenen Rollen und Persönlichkeiten, genauso wie es eine Community an Justin-Bieber-Fans gibt", erklärt Lorenzo Vidino, einer der Autoren der Studie. Neben den "Ausrufern" gibt es auch die "Knotenpunkte" (die Ersteller von Propaganda-Inhalten) sowie die "Verstärker" (jene Personen, die die Inhalte verbreiten). "Sie werden immer besser und es gibt mehr Koordination als wir gedacht werden. Sie werden beispielsweise immer wieder getrollt und teilen auch eine Liste, auf der bekannte Trolle stehen."

Auch die Profilbilder werden regelmäßig getauscht. Dabei werden scheinbar harmlose Symbole, wie beispielsweise das Logo der NFL-Mannschaft Detroit Lions, grüne Vögel oder einfach nur schwarze Flaggen, verwendet. Diese haben jedoch Symbolcharakter: Der Löwe wird unter Daesh-Anhängern gerne als Zeichen für Mut und Stärke verwendet, die Farbe Grün soll hingegen das Märtyrertum feiern.