Digital Life
17.08.2016

Suicide Squad: Feiger Film mit Spotify-Playlist auf Zufall

In Suicide Squad ist der Joker auf Hasch und Badesalz, Deadshot den Tränen nahe und Harley Quinn der Lichtblick. Der Film selbst ist ein Zeugnis für DCs Mutlosigkeit.

Justice League: Task Force X (Staffel 4, Episode 4, 2005), Batman: Assault on Arkham (2014) und Arrow: Suicide Squad (Staffel 2, Episode 16, 2014) sind Bewegtbilder-Umsetzungen des Suicide Squads, die von großartig bis akzeptabel reichen. Der aktuelle Film Suicide Squad (Kinostart 18.8. 2016) ist enttäuschend.

Enttäuschend, weil ich als Comic-Fan/Geek/Nerd Hoffnungen hatte, dass DC mit dem Suicide Squad die Freiheit hat und nutzt um einen Film zu machen, der etwas mehr edgy ist. Denn wie Marvels Guardians of the Galaxy ist der Suicide Squad hauptsächlich Comickennern ein Begriff. Das Massenpublikum, das das DC-Universum nur von Batman- und Superman-Filmen kennt, hat also keine bestimmte Erwartungshaltung und hätte positiv überrascht werden können.

Joker auf Drogen

Anscheinend hatte DC aber nicht den Mut ein Risiko einzugehen, wie es Marvel mit Guardians of the Galaxy gemacht hat. Schon früh wurde Suicide Squad mit dem ersten Filmauftritt des neuen Jokers (Jared Leto) beworben. Und das tut dem Film überhaupt nicht gut.

Der Suicide Squad besteht, wie in den Comics, auf einer B-Truppe von Superschurken, die von der US-Regierung gezwungen wird, geheime Missionen durchzuführen. Der Hauptcharakter ist Deadshot, dessen Background-Story Batman involviert. Die zweitmeiste Screentime hat Harley Quinn. Und mit ihr kommt der Joker.

Natürlich ist ihre Origin Story fix mit Joker verknüpft. Die Joker-Szenen sind aber so gezwungen und häufig, dass Harley in den Hintergrund rückt. Noch dazu ist der Joker nicht gut. Er wirkt nicht wie ein verrücktes, gruseliges Verbrecher-Genie, sondern wie ein Gang-Boss auf Hasch und Badesalz. Wenn der Joker schon gänzlich ohne Charisma und Wahnsinn daherkommt, hätte DC ihn nicht so pushen und weniger Screentime geben dürfen. Aber so sollen nun mal die Batman-Besucher ins Kino gelockt werden.

Galerie: Suicide Squad

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Und der Rest

Der Rest des Suicide Squads hat zwar ein bisschen Background-Story, im Vergleich zu Deadshot und Harley ist das aber winzig. So kann man keine Gefühle, sei es Hass oder Sympathie, für die Charaktere entwickeln.

Ein Antiheld ohne Sympathie ist nur ein Statist. Und genau das passiert mit dem Rest des Squads. Eigentlich hätte der Film auch: „Deadshot & Harleys Abenteuer, feat. The Joker“ heißen können.

Spotify auf Random

Die verpassten Chancen die Charaktere interessant zu gestalten, werden zu Beginn des Films mit Popmusik aufgefüllt. Mit viel zu viel Popmusik. Anscheinend hat DC der Erfolg eines weiteren Marvel-Films überrascht: Deadpool. Die Produzenten des Films dürften deshalb folgendes Gespräch geführt haben: „Hey, Deadpool ist ein Hit. Wie können wir das mit Suicide Squad schaffen? Mit schrägem ab-18-Humor?“ „Ach was, lass uns einfach Pop-Musik unter die Einzeiler legen!“

Das Ergebnis ist eine Aneinander-Stückelung an Szenen, bei der die Contemporary Hit-Playlist von Spotify auf Zufallswiedergabe gestellt wurde. Oder vielleicht haben die Cutter Ö3 im Hintergrund laufen gehabt und gedacht, dass das doch eigentlich ganz gut zum Film passt. Jedenfalls nervt es nach dem dritten Song im Schnelldurchlauf und noch viel mehr nach dem sechsten.

Große Emotionen

Mit der zweiten Hälfte des Films ist Schluss mit der Popmusik (bis kurz vor Filmende). Ab hier ist Suicide Squad ein Action-Militärfilm im Stil von Das dreckige Dutzend. Prinzipiell ist das in Ordnung, weil der Suicide Squad auch in der Comicvorlage ins Leben gerufen wurde, um ein Himmelfahrtskommando für die Regierung zu sein.

In diesem Film ist das Ziel aber nicht ein feindliches Land ins Chaos zu stürzen oder eine unliebsame Person auszuschalten, sondern die Welt zu retten. In einer großen US-Stadt. Dafür gibt es im DC-Universum genug „richtige“ Helden, aber anscheinend hatten die während Suicide Squad gerade kollektiv Betriebsferien.

Die Superkräfte der Antihelden des Suicide Squads spielen bis zum Schluss kaum eine Rolle. Im Grunde schießen und prügeln sie sich bis zum Endboss vor. Damit es nicht komplett zum seichten Actionfilm wird, gibt es zwischendurch große Emotionen von drei Charakteren zu sehen. Inklusive glitzernden Augen und der klassisch vorsehbaren Selbstopferung-zur-Wiedergutmachung.

Fazit

Suicide Squad hat brauchbare Ansätze, aber eine mangelnde Ausführung. Will Smith (Deadshot) und Margot Robbie (Harley Quinn) liefern die ein oder andere Pointe, bei der man lachen muss. Das Problem ist, dass die Trefferquote nicht hoch genug ist: Für jeden gelungenen Schmäh gibt es zwei die ins Leere gehen.

Bei den beiden Darstellern hatte ich zumindest das Gefühl, dass sie bemüht waren. Der Rest des Films wirkt wie eine Zusammenstückelung von zu vielen Einzelteilen. Es ist als wäre Suicide Squad schon fertig gewesen und auf Wunsch der Produzenten noch mal überarbeitet worden, nur um danach nochmal überarbeitet zu werden. Und irgendwann dazwischen hat sich jemand mit einer Best-of-Pop-Music-CD an dem Film vergangen.