Künftig werden alle Fluggastdaten für Flüge nach Europa und innerhalb Europas fünf Jahre lang in einer zentralen Datenbank gespeichert.

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Geldwäsche
10/13/2016

Twitter-Bot überwacht Diktatoren-Flugzeuge in Genf

Ein Schweizer Journalist hat einen Twitter-Bot erstellt, der 80 Flugzeuge, die auf repressive Regierungen registriert sind, überwacht.

Der Twitter-Bot "GVA Dictator Alert" verschickt Tweets, wenn eines der überwachten Flugzeuge am internationalen Flughafen in Genf startet oder landet, wie theverge berichtet. Der Bot überwacht derzeit 80 Flugzeuge, die autoritären Regimen gehören. Landet oder startet eine der Maschinen in Genf, wird automatisch ein Tweet verschickt. Seit dem Start der Aktion im April sind bereits über 60 Starts und Landungen dokumentiert worden.

Ziel der Aktion, so der Journalist und Bot-Ersteller François Pilet, ist es, ein wenig Transparenz in eine "sehr geheime Welt" zu bringen. Zwar gebe es auch unverfängliche Gründe für Diktatoren und ihre Handlanger nach Genf zu kommen, aber es sei eben auch vorstellbar, dass Steuervermeidung und Geldwäsche die Gründe für einen Besuch seien. Der Twitter-Bot könne anderen Journalisten helfen, Muster in den Reisegewohnheiten zu finden, die weitere Recherchen unterstützen könnten.

Motive hinterfragen

"Ich denke, dass wir jedesmal, wenn wir ein solches Flugzeug aus - nur zum Beispiel - Äquatorialguinea sehen, nachdenken sollten, warum dieser Typ hierherkommt. Gibt es diplomatische Gründe oder kommt er nur, um das Geld zu verstecken, das er seinem Volk gestohlen hat", sagte Pilet in einem Interview. Die Idee zum Bot ist bei den Recherchen über den äquatorialguineischen Diktator Teodoro Obiang Nguema Mbasogo entstanden, dessen häufige Ausflüge nach Genf Pilet ausführlich dokumentiert hat. Die Daten dafür stammten von einem Hobby-Flugbeobachter, der mit speziellem Gerät die ADS-B-Signale empfängt, die zur Übermittlung der Flugidentifikationsnummer an Flughäfen dienen.

Offene Daten

Auch Seiten wie FlightRadar24 setzen auf solche Amateur-Daten. Der Bot greift auf diese Informationen zu und gleicht sie mit einer Liste an Flugzeugen ab, die öffentlich auf autoritäre Regime registriert sind. Einmal pro Stunde kontrolliert der Bot die Daten. Die Tweets sehen dann so aus: "A dictator's plane left #gva airport: A320 used by the royal family of Qatar (A7-AAG) on 2016/10/10 at 09:11:02." Zu den Regierungen, deren Flugzeuge überwacht werden, gehören unter anderem Aserbaidschan, Bahrain, Katar, Russland und Saudiarabien. Pilet möchte das System auch auf andere europäische Flughäfen ausweiten und zudem auch Privatjets überwachen. Dazu bräuchte er aber nachkontrollierbare Registrierungsnummern. Der Journalist gibt zu, dass sein Bot sehr wenig darüber aussagen kann, was Diktatoren in Genf machen. Er hofft aber ein Zeichen setzen zu können, auch für Diktatoren, die bisher daran gewohnt waren, ihre Schweizer Geschäfte im Geheimen durchzuführen.