Digital Life
03/18/2012

Uganda lädt Unterstützer des Kony-Videos ein

Ministerpräsident Mbabazi: "Ihr werdet einen sehr anderen Ort vorfinden, als den, den Invisible Children darstellt"

Als Reaktion auf ein umstrittenes Video über den ugandischen Rebellenführer Joseph Kony hat Ugandas Ministerpräsident Amama Mbabazi die Unterstützer des Films in sein Land eingeladen. „Ich schätze Euer Interesse und lade Euch zu einem Besuch ein“, schrieb Mbabazi am Samstag in einer Online-Nachricht über den Kurznachrichtendienst Twitter. „Wir haben Frieden, Stabilität und ein großartiges Volk.“ Auch über das Online-Portal Youtube sprach der Ministerpräsident die Einladung an die Unterstützer des Films „Kony 2012“ der US-Gruppe Invisible Children aus, darunter viele Hollywoodstars.

Mbabazi erklärte, er wolle die „gut gemeinte“ Absicht des Videos korrigieren. Kony sei nicht in Uganda, zudem befinde sich das Land nicht in einem Konflikt. „Kommt und schaut Euch Uganda selbst an, Ihr werdet einen sehr anderen Ort vorfinden, als den, den Invisible Children darstellt“, fuhr der Ministerpräsident fort.

Das umstrittene Video „Kony 2012“, das den seit Jahren vom Internationalen Strafgerichtshof gesuchten Rebellenführer „berühmt“ machen will, wurde im Internet bereits millionenfach angeklickt. In dem Video ruft die Gruppe Invisible Children, die gegen den Einsatz von Kindersoldaten kämpft, die Zuschauer auf, Druck auf US-Politiker zur Entsendung von Truppen nach Afrika auszuüben, um Kony festzunehmen. Konys Lord`s Resistance Army (LRA, Widerstandsarmee des Herrn) gilt als eine der brutalsten Rebellengruppen der Welt. Sie ist heute vor allem im Kongo, in Zentralafrika und im Südsudan aktiv.

Experten diskutieren die Kampagne kontrovers. Während die einen es generell begrüßen, dass damit das öffentliche Interesse auf den Kindersoldaten-Missbrauch gelenkt werde, kritisieren andere die hochemotionale, aber wenig fundierte Darstellung des Problems. Bedenken kamen zur Finanzierung von Invisible Children und der Verwendung von Spendengeldern auf. Zudem waren die Informationen zu Kony und den Kindersoldaten in Uganda veraltet.

Initiator verhaftet
Der kalifornische Filmemacher und Mitinitiator der „Kony 2012“-Kampagne ist nach einem aufsehenerregenden Zusammenbruch in ärztlicher Behandlung. Jason Russell, Mitbegründer der US-Kinderhilfsorganisation Invisible Children, hatte sich „bizarr und irrational“ verhalten, zitierte die „Los Angeles Times“ am Samstag eine Polizeisprecherin. Nach einem Vorfall am Donnerstag in San Diego war Russell in Polizeigewahrsam genommen worden und in ein Krankenhaus gekommen.

Bei der Polizei seien Anrufe eingegangen, dass „ein Mann in Unterhosen auf der Straße den Verkehr störte, schrie, wirr herumbrüllte und mit den Fäusten auf den Bürgersteig schlug“, hieß es in der Mitteilung der Behörden. Ein Strafverfahren solle nicht eingeleitet werden.

Der Leiter von Invisible Children, Ben Keesey, teilte am Freitag auf der Homepage der Organisation mit: „Jason Russell wurde gestern leider wegen Erschöpfung, Dehydration und Mangelernährung ins Krankenhaus gebracht.“ Die vergangenen zwei Wochen hätten allen Mitarbeitern der Organisation emotional viel abverlangt, insbesondere Russell. „Und dieser Tribut hat sich unglücklicherweise in dem gestrigen Vorfall manifestiert“, so Keesey.

Ihr Mann habe einige „irrationale Dinge“ getan, zu denen „extreme Erschöpfung“ beigetragen habe, sagte Russells Frau, Danica Russell, nach Angaben der „Los Angeles Times“. In einer Mitteilung der Familie hieß es, den Filmemacher habe die Kritik an seiner Videokampagne „sehr schwer“ mitgenommen.

Invisible Children hat in den vergangenen Wochen mit der Internet-Kampagne „Kony 2012“ weltweit Aufsehen erregt. In einem halbstündigen Video fordert die Organisation die Festnahme des ugandischen Rebellenführers Joseph Kony. Er soll für den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen als Kindersoldaten verantwortlich gemacht werden. Der bei YouTube veröffentlichte Film wurde bereits mehr als 80 Millionen Mal abgerufen.

Mehr zum Thema

  • Kony2012: Online-Jagd auf Kriegsverbrecher