Digital Life
24.04.2017

Unroll.me: Newsletter-Verwalter verkaufte private E-Mails

Unroll.me, ein Dienst, der das Abbestellen von Newsletter-Abos vereinfachen wollte, verkaufte die privaten E-Mails seiner Nutzer. Der Dienst zeigt sich nun verwundert.

Die Enthüllungen der New York Times rund um Uber förderten ein weiteres, interessantes Detail zutage: Unroll.me, ein Dienst, mit dem Nutzer E-Mail-Abos verwaltet werden können, verkaufte die privaten E-Mails seiner Nutzer. Bekannt wurde dies, da Uber einer der Kunden der Unroll.me-Tochter Slice war. Uber kaufte per E-Mail zugestellte Rechnungen von Lyft-Kunden, um den Umsatz des schärfsten Konkurrenten in den USA abschätzen zu können. Lyft ist einer der schärfsten Konkurrenten von Uber und vermittelt per App Fahrtdienste.

Uber kaufte Lyft-Rechnungen

Unroll.me entdeckte das neue Geschäftsmodell erst 2014, drei Jahre nach der Gründung des zuvor vorwiegend werbefinanzierten Dienstes. Damals wurde man von der Tracking-App Slice gekauft, deren Geschäftsmodell auf dem Verkauf von aufbereiteten Kundendaten basiert.

Unroll.me dürfte dabei entdeckt haben, dass man auf einer Goldmine sitzt: Der Dienst verlangt von seinen Nutzern Zugriff auf den Posteingang und untersucht den Inhalt der Mails, um den Absender identifizieren zu können. Anschließend können die Nutzer mit einem Mausklick einzelne Newsletter-Abos entfernen.

Unroll.me gibt Nutzern die Schuld

Jojo Hedaya, CEO von Unroll.me, äußerte sich mittlerweile zu den Vorwürfen in einem Blogpost. Er sei „untröstlich“, zeigte sich aber auch verwundert, dass plötzlich so viele Nutzer verwundert über den in den Geschäftsbedingungen erwähnten Verkauf der Daten seien. Die verkauften Daten – auch die von Uber erworbenen Lyft-Rechnungen – seien zudem stets anonymisiert und würden keinerlei persönliche Daten enthalten. Er versprach, dass man künftig das Geschäftsmodell deutlicher kommunizieren werde.

Doch mittlerweile könnte es schon zu spät sein, zahlreiche Nutzer auf Twitter, Facebook und in den Blogpost-Kommentaren beklagen sich über den Dienst und fordern diesen dazu auf, die gespeicherten Daten zu löschen. Ein Hacker-News-Nutzer behauptet zudem, Unroll.me würde die Daten auf „schlecht gesicherten S3 Buckets“ von Amazons Web Services speichern.

Open-Source-Alternative

Mittlerweile gibt es mit „unsubscribe-gmail“ bereits eine Open-Source-Alternative zu Unroll.me, die allerdings nur für den Webmail-Dienst Gmail funktioniert. Diese macht sich Google Script und ein Google-Drive-Dokument zunutze, bietet aber weitestgehend die gleiche Funktionalität, ohne Daten zu speichern.