social web
10/13/2010

US Immigrationsbehörde fahndet im Social Web

Eine US-Bürgerrechtsorganisation legt Dokumente offen, die zeigen, wie Mitarbeiter der US-Immigrationsbehörde Social Networks für Nachforschungen nutzen.

von Thomas Prenner

Was von vielen Seiten schon länger vermutet wird, wurde nun durch Dokumente belegt. Wie Papiere zeigen, die kürzlich von der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) veröffentlicht wurden, verwenden die US Behörden gezielt Social Networks um Informationen über Immigranten zu sammeln. So wird den Mitarbeitern des U.S. Citizenship and Immigration Services (USCIS) geraten in besagten Social Networks Freundschaft mit verdächtigen Personen zu schließen um so ihr Alltagsleben besser erfassen zu können.

Im Rahmen dieser Vorgehensweise ist nicht vorgegeben in welcher Form der potentielle Einwanderer als verdächtig erscheinen muss, demnach sind also so gut wie alle Antragssteller potentielle Ziele derartiger Ermittlungen. Außerdem wird in den Dokumenten nicht festgelegt ob, oder wie sich der Staatsbedienstete gegenüber dem Verdächtigen zu erkennen geben muss.

Nicht illegal, aber fragwürdig
Die Behörden agieren hier zwar nicht illegal, bewegen sich jedoch auf fragwürdigem Boden. So werden Menschen mit vielen Kontakten in Social Networks generalisierend als "narzisstisch" angesehen. Auch die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Daten oder deren Aktualität scheint niemand zu stellen. So ist es durchaus nicht unüblich, dass auf vielen Online Profilen längst ungültige Angaben über Beziehungsstatus oder ähnlichem zu finden sind. Genau jene können jedoch im Zweifelsfall Gegenstand einer Ermittlung der Behörde werden, auch hier legt das Papier keinerlei Einschränkungen oder Verhaltensempfehlungen nahe.

Die Gefahren, die durch unsachgemäße Nutzung von Social Networks grundsätzlich schon ausgehen, werden somit durch unsachgemäße Auswertung der Behörden noch verstärkt.

(Thomas Prenner)