Digital Life
09.07.2012

USA: 1,3 Millionen Anfragen an Netzbetreiber

Die Anfragen von Behörden nahm im vergangenen Jahr stark zu. Allein Sprint verzeichnete knapp 500.000 Anfragen von US-Behörden. Oftmals wurden Auskünfte ohne gerichtliche Anordnung erteilt, da die Anfragen als Notfall eingestuft wurden.

US-Netzbetreiber mussten allein im vergangenen Jahr knapp 1,3 Millionen Anfragen von Behörden beantworten. Das berichtet die New York Times. Die Zahlen stammen von offiziellen Anfragen des demokratischen Abgeordneten Edward J. Markey, der die Daten von insgesamt neun US-Netzbetreiber, darunter auch AT&T, T-Mobile, Sprint und Verizon, anfordern ließ. Die Anfragen betrafen neben der Abfrage von Textnachrichten und Standortbestimmungen auch deutlich ungenauere Abfragen wie Protokolle von Funktürmen, die Daten von allen in der Nähe befindlichen Handybesitzern aufzeichnen.

"Unangebrachte" Anfragen
Die Zahlen sind eindrucksvoll und zugleich bedenklich. Allein AT&T erhält knapp 700 Anfragen pro Tag, von denen knapp 230 als Notfälle eingestuft werden und somit keinerlei gerichtliche Anordnungen benötigen. Sprint übertrifft diese Zahl nochmals und verzeichnet nach eigenen Angaben derzeit knapp 1.500 Anfragen pro Tag. Über die Zahl der Ablehnungen machten zahlreiche Netzbetreiber keinerlei Angaben. C Spire Wireless, ein kleiner Anbieter, gab jedoch bekannt, dass er 15 Prozent der knapp 12.500 Anfragen, die man in den letzten fünf Jahren erhielt, abgelehnt hätte. T-Mobile gab unter anderem zu Protokoll, dass man zwei Anfragen an das FBI zurückgesendet hätte, die "unangebracht" gewesen seien. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.

Hoher Verwaltungsaufwand
Auch Markey zeigt sich von den Daten überrascht: "Ich hätte mir nie erwartet, dass die Zahlen derart gewaltig sein würden." Anfang April wurde

, dass zahlreiche Netzbetreiber "Preislisten" für Vorgänge wie das Abhören eines Mobiltelefons führen. Angesichts der zahlreichen Anfragen wird nun auch klar warum. Cricket, ein kleiner Netzbetreiber, der im vergangenen Jahr 42.500 Anfragen bearbeiten musste, beklagt gegenüber der New York Times den enormen Aufwand, der oftmals noch nicht einmal von den Behörden entgeltlich ersetzt wird. Mittlerweile hat man diese Anfragen an Neustar, einen Dienstleister, übertragen. Neustar ist derzeit für die Verwaltung von derartigen Anfragen von knapp 400 Telekommunikatonsunternehmen zuständig.

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