Digital Life
30.05.2018

USA: Anwälte schicken Werbung auf Handys von Menschen in Notaufnahme

In den USA suchen Anwälte mit Handywerbung in den Notaufnahmen von Krankenhäusern Kunden. Datenschützer sind alarmiert.

Beim sogenannten Geofencing werden mobile Geräte geortet und gezielt angesprochen. Im Handel kommt die Form des digitalen Marketings seit Jahren zum Einsatz, etwa um Kunden in Geschäften spezielle Angebote zu unterbreiten oder virtuelle Gutscheine zu verteilen. Wie NPR berichtet, machen in den USA zunehmend auch Anwälte davon Gebrauch. Sie spielen gezielt Handywerbung an Leute aus, die sich in der Notaufnahme von Krankenhäusern befinden.

Rechtslage unklar

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in den Notaufnahmen Leute befinden, die einen Anwalt benötigen würden, etwa um sie bei einer Schadenersatzklage zu vertreten, sei sehr hoch, zitiert NPR einen Marketingexperten: Die Methode sei „total legitim“.

Datenschützer, aber auch Staatsanwälte sehen das anders. Private medizinische Informationen sollten nicht auf diese Art genutzt werden, sagt Maura Healey Generalstaatsanwältin von Massachusetts. Besonders dann nicht, wenn dies ohne Wissen und Einwilligung Betroffener passiere.

Christliche Werbung in Abtreibungskliniken

Hayley ging bereits gegen die Nutzung der Technologie vor und erwirkte in einem Vergleich, dass eine digitale Marketingagentur aus Boston, die beispielsweise in Abtreibungskliniken mobile Werbung von christlichen Gruppen ausspielte, künftig nicht mehr in Gesundheitseinrichtungen werben darf.

Rechtlich ist der Einsatz von Geoinfencing in Gesundheitseinrichtungen nicht eindeutig geklärt. Das Bundesgesundheitsdatenschutzgesetz lasse sich auf die ortsbezogenen mobilen Werbungen nicht anwenden, sagt der Rechtsexperte Bill McGevern. Ob der Konsumentenschutz in solchen Fällen greife, müsse erst ausjudiziert werden.