Innovation
01/30/2011

Vernetzt arbeiten im Betahaus

Ich programmiere dir eine Facebook-App, du machst mir die Buchhaltung - in etwa so geht es im Betahaus Hamburg zu. Dort treffen sich Kreative in Kaffeehaus-Atmosphäre und arbeiten vernetzt zusammen.

"Beta" ist ein Begriff, den vor allem Softwareentwickler nutzen. Er steht für die Testversion, das Unfertige - einen Zustand, in dem sich auch viele Freiberufler befinden. Sie arbeiten an Projekten, entwickeln eine Geschäftsidee oder haben gerade ihr Start-Up gegründet. Im Betahaus Hamburg in St. Pauli finden sie einen Platz, um vernetzt zusammenzuarbeiten. Coworking nennt sich das.

Kennenlernen und austauschen
Vorbilder gibt es in den USA, das erste deutsche Betahaus entstand in Berlin. Besucher können sich einen Schreibtisch mieten, für einen Monat oder nur einen Tag. Es gibt WLAN, eine Bar und noch wichtiger: den Austausch mit anderen. "Die Leute sollen nicht nur nebeneinandersitzen und losarbeiten, sondern sich auch kennenlernen und ihre Kompetenzen austauschen", sagt die 30-jährige Mitgründerin Lena Clausen. Für stille, konzentrierte Arbeit ist ein eigener Bereich reserviert. Die Einrichtung ist minimalistisch. "Wir haben einige Ordner im Regal - aber nur als Alibi." Alles Wichtige läuft online.

Sie brauchen nur Computer und Internet
Ins Betahaus kommen Programmierer und PR-Berater, aber auch Ingenieure. Eines verbindet ihre Arbeit: "Sie brauchen nur ihren Computer und Internet, um zu arbeiten", sagt Clausen. Für viele Freie ist der Coworking-Hort die soziale Alternative zum Büro zu Hause. "Man köchelt da in einem Sud, der immer klumpiger wird und zäh", sagt Valentin Heyde, der als freier Kommunikationsberater arbeitet. "Die Leute hier lieben es, dass sie endlich wieder Struktur im Alltag haben. Du ziehst dich ordentlich an, du gehst unter Menschen. Du sitzt nicht um 19.00 Uhr zu Hause und sagst: "Mein Mann kommt gleich, ich sollte mal duschen"", beschreibt Clausen die Lage vieler.

Blick über den Tellerrand
Das Arbeiten im Betahaus gibt zudem neue Impulse. "Hier ist der Blick über den Tellerrand quasi Teil des System", sagt Heyde, 35 Jahre. "Im Dezember brauchte ich kurzfristig einen Entwickler für eine Facebook-App. Im Betahaus musste ich nur einmal in die Runde rufen, einen Tag später saßen wir beim Kunden."
Dass nur Freischaffende mit Latte Macchiato und Macbook auftauchen, ist ein Vorurteil: "Wir hatten schon die Innovationsabteilung einer großen Firma hier, die von unseren Strukturen lernen wollte", erzählt Clausen. Oft kämen kleinere Projektteams aus Unternehmen. Was sich im Betahaus abspielt, sei aber nicht auf alle Branchen übertragbar. "Atomkraftwerke und Banken werden nie Coworking machen."

(dpa)

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