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Wearables Wearables: Intelligente Mode für den Markt.

Foto: Wolfgang Langeder
Von Sportjacken mit bewegungssensiblen LEDs über integrierte RFID-Chips in der neuen Burberry-Kollektion bis hin zu einem Cocktail mixenden Kleid als Kunstprojekt – die bislang getrennt voneinander existierenden Welten von Technologie und Mode vermischen sich immer mehr. Auch in Österreich gibt es zunehmend Projekte, die sich darauf spezialisieren.

Wearables sind zurzeit in aller Munde. Dafür haben nicht zuletzt Spekulationen über eine iWatch von Apple und die bereits seit längerem angekündigte Datenbrille Google Glass gesorgt. Auch intelligente Kleidungsstücke mit dem Ziel dem Träger durch integrierter, oftmals waschbarer Elektronik sowie Informations- und Kommunikationstechnologien intelligente Zusatzfunktionen zu ermöglichen, zählen zu dem Bereich des Wearable Computings. Obwohl zurzeit noch ein Nischenmarkt, sollen die „smart textiles" laut den Unternehmensberatern von Cientifica in den nächsten Jahren deutlich an Relevanz gewinnen.

Wolfgang Langeder, Designer und Gründer von Utope, ein österreichisches Label aus Linz, das sich auf intelligente Mode spezialisiert hat, sieht darin das Potenzial für junge Unternehmen. "Bisher gibt es noch sehr wenige „wearable electronics" Produkte. Dadurch wird die Etablierung in diesem neuen Marktsegment erleichtert, auch weil es verhältnismäßig wenig Konkurrenz gibt."

Design muss sein
Wolfgang Langeder hat bereits 2009 an seinem Utope Projekt zu arbeiten begonnen. Seit 2010 kollaboriert er mit dem Frauenhofer IZM in Berlin und 2012 folgte schließlich seine offizielle Unternehmensgründung. Im Design seiner Produkte sieht er auch ökonomische Relevanz. „Technologie allein verkauft sich nicht. Mir ist es wichtig meine Produkte den Benutzern durch ein gutes Design zugänglich zu machen – auf funktionaler und emotionaler Ebene. Schließlich möchte ich die Produkte von Utope auch im Modebereich vertreiben", erklärt Langeder. Bei seiner „Sporty Supahereo"-Jacke, die mit integrierten LEDs ausgestattet ist und unter anderem auf die Bewegungen des Trägers reagiert und durch Blinkzeichen anderen Verkehrsteilnehmern signalisieren kann, wann der Träger abbiegen möchte, steht deswegen auch die Optik im Fokus. Sie wurde im Februar auf der Sportartikelmesse ISPO München präsentiert. Wo und wann sie genau erhältlich sein wird, ist noch offen. Der Preis wird bei ungefähr 1500 Euro liegen.


Sicherheit geht vor
Jungen Unternehmen, die sich auf so einem Nischenmarkt fokussiert haben, stellen sich aber auch Probleme in den Weg - vor allem bei der tatsächlichen Umsetzung. „Besonders noch nicht existierende Produktionsmöglichkeiten für dehnbare Elektronik sowie das generell fehlende Bewusstsein in der Gesellschaft für intelligente Kleidung fordern uns oft heraus", erzählt Langeder. Trotzdem sieht er das ungeheure Potenzial in diesem Sektor, speziell im gehobenen Sportbekleidungsbereich. „Da Österreich im Bereich Mode keine ausgeprägte Vorreiterolle spielt, ist es auf jeden Fall notwendig international zu starten und zu arbeiten", verrät der Designer. Sein neuestes Projekt, der alarmgesicherter Rucksack "The Keep Safe Backpack", der rot zu blinken beginnt und einen Alarmton von sich gibt, wenn er unerlaubterweise geöffnet wird, verdeutlicht seinen Schwerpunkt: „Ich werde vor allem im Bereich Sicherheit weiterarbeiten, da sind für mich am deutlichsten nutzbare Anwendungen erkennbar."

Intelligente Kleidung für zu Hause
Trotz Nischenmarkt-Status gibt es bereits einige Produkte und Toolkits unter den Wearables, die zu einem smarten Kleidungsstil verhelfen können. Wer sich für die intelligente Fahrradjacke von Utope interessiert, aber lieber selbst Hand anlegen möchte, für den könnte das LilyPad Arduino Toolkit von Interesse sein. Leah Buechley, Professorin am Massachusetts Institute of Technology (MIT), hat den Werkzeugsatz um 100 Euro entwickelt, mit dem man Blinker auf seine Jacke montieren kann.

Wer sich nicht für die praktische, sondern für die spaßige Seite der Wearables interessiert, können die bereits auf der Straße zu sehenden intelligenten T-Shirts von ThinkGeek ab 15 Euro empfohlen werden. Je nach Modell zeigen diese unter anderem die Lautstärke der Umgebung oder den WLAN-Empfang durch integrierte Elektronik an. Auch das britische Unternehmen Cutecircuit spezialisiert sich auf den Bereich von E-Textilien. So gibt es in ihrer Kollektion ein frei programmierbares T-Shirt, das durch eine eingebaute Kamera und ein Mikrofon auch als Dolmetscher verwendet werden kann. Der Prototyp hat einen stolzen Preis von 20.000 Euro und ist für Werbezwecke vorgesehen. Daneben wirken die knapp 875 Euro für ein Kleid mit LEDs derselben Marke fast schon leistbar.

Smart Catwalk
Nicht nur im klassischen Modesektor, sondern auch im High-Fashion Bereich sind smarte Textilien die Ausnahme und nicht die Regel. Trotzdem wird auch hier immer mehr mit Technologie und Wearables gearbeitet, besonders im Avantgarde-Bereich. So designte die niederländische Designerin Iris van Herpen für die diesjährige Fashion Week in Paris Kleider , die von 3D-Drucker ausgedruckt wurden. Diese wurden gemeinsam mit der MIT-Designerin Neri Oxman und der österreichischen Architektin Julia Körner entwickelt. Auch der britische Modeschöpfer Hussein Chalayan setzt seit Beginn seiner Karriere immer wieder auf Technologie in seinen Kollektionen. Beste Beispiele dafür sind seine Roboter-Kleider, die mit Hilfe von Elektronik und Feinmechanik entweder Länge, Silhouette oder Details am Kleid während des Tragens transformieren.

High-Tech Haute Couture
Ein aktuelles Beispiel aus der gehobenen Schneidereikunst, das Technologie und Mode vereint, ist die britische Modemarke Burberry. In der neuen Kollektion werden RFID-Chips ins Gewand integriert, die bei Kontakt mit Mobilgeräten oder dem interaktiven Burberry-Geschäft in London Videos freischalten. Auch die Herbst Kollektion 2013 des amerikanischen Designers Asher Levine wird smart. Für die Kollektion hat er mit „Phone Halo", ein Unternehmen, das sich auf Bluetooth-Dienste spezialisiert, zusammengearbeitet. Seine Produkte werden kleine Chips enthalten, die dem Käufer helfen, verloren gegangenen Kleidungsstücke durch eine kundenindividuelle „TrackR App" wieder zu finden.

Wearables und Kunst
Dass die Verbindung von Technologie und Mode auch im Kunstbereich großen Anklang findet, dürfte nicht verwundern. Immer wieder gibt es Kollaborationen zwischen Designer, Künstler, Techniker und Hackern, die mal mehr, mal weniger ernst versuchen, die Bereiche künstlerisch zu vermischen. Das „DareDroid" Kleid, entwickelt von The Modern Normads (MoNo), muss hier erwähnt werden. Designerin Anouk Wipprecht, Künstlerin Jane Tingley und der in Wien lebende Hacker Marius Kintel stecken hinter diesem Kunstprojekt. Es besteht aus einem biomechanischen Kleid, das im Stande ist, Cocktails zu mischen, die die Trägerin im Austausch für eine Runde „Wahrheit oder Pflicht" an Leute verteilen kann. Ausgangspunkt des Projektes war die Frage nach dem Mechanismus von sozialer Interaktion im öffentlichen Raum.

Etwas ernster ist das Projekt vom Künstler-Kollektiv Kobakant. Diese entwarfen und entwickelten „The Crying Dress", ein Kleid, das  anstelle oder mit der Trägerin gemeinsam weinen kann. Inspiriert durch die Vorstellung an eine trauernde Witwe im Jahr 2028 ruft das elegante, schwarze Design des Kleides und sein Entstehungskontext Assoziationen an eine Beerdigung hervor.

(Sabrina Wegerer) Erstellt am 05.03.2013, 06:00

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