Digital Life
22.08.2013

Web-Arzneimittel werden populärer

22 Prozent der Österreicher haben laut einer aktuellen Umfrage bereits Medikamente über das Internet bestellt. Apotheken wollen mehr auf Beratung und Information setzen.

Die Zukunft der Arzneimittelversorgung wird immer stärker von zwei derzeitigen Gegenpolen bestimmt sein: Einerseits Kauf im Internet, andererseits die Apotheke als besonders vertrauenswürdiger Partner. „22 Prozent der Österreicher haben bereits Medikamente online bestellt. Bis 2007 waren es erst zwei Prozent“, sagte am Samstag bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen Meinungsforscher Werner Beutelmeyer (market Marktforschung) zu einer von seinem Institut in Zusammenarbeit mit der Oberösterreichischen Apothekerkammer aktuell durchgeführten repräsentativen Umfrage.

„Preiserotik und Diskretion“
„Bis 2007 hatten 63 Prozent der Österreicher über die Internet-Bestellmöglichkeit von Medikamenten Bescheid gewusst. Inzwischen wissen schon 94 Prozent der Österreicher, dass es diese Möglichkeit gibt. Die Vorteile sind Bequemlichkeit, Online-Shopping hat immer auch eine `Preiserotik` - und Diskretion“, erklärte Beutelmeyer. Die repräsentative Umfrage mit 507 Probanden der Altersgruppe über 16 Jahren wurde Anfang Juli dieses Jahres durchgeführt.

Der Anteil der Menschen, welche Arzneimittel-Bestellungen im Internet für auf jeden Fall „bequem“ halten, stieg von 2007 auf 2013 von 40 auf 59 Prozent, bei der „Diskretion“ lag der Zustimmungsfaktor bei 27 bzw. jetzt 41 Prozent. Meinten im Jahr 2007 exakt 20 Prozent der Österreicher, dass das Preis-Leistungsverhältnis bei Medikamenten-Versandhandel besser als „in einer Apotheke oder im Drogeriemarkt“ sei, glauben das nun bereits 41 Prozent der Österreicher.

Risikobewusstsein steigt
Auf der anderen Seite ist sich die Bevölkerung zunehmend auch der Gefahren der Internet-Arzneimittelbestellungen und des Versandes bewusst: 90 Prozent der Menschen glauben, dass es das Risiko der Einnahme von für den jeweiligen Konsumenten ungeeigneten Medikamenten gibt (2007: 76 Prozent). Nunmehr 84 Prozent sehen durch die mangelnde Beratung durch den Apotheker die Gefahr einer falschen Einnahme. Das Risiko, dass auch Minderjährige auf diesem Weg Arzneimittel bestellen könnten, ist 81 Prozent der Österreicher bewusst.

Sehr positiv wird von der österreichischen Bevölkerung trotzdem die Rolle der öffentlichen Apotheken eingeschätzt. 30 Prozent der Österreicher gehen binnen einer Woche einmal in eine Apotheke. 70 Prozent sind mit ihrer Apotheke sehr zufrieden, weitere 28 Prozent zumindest zufrieden. Allerdings waren nur 34 Prozent der Befragten mit dem Angebot weiterer ergänzender, sinnvoller Produkte sehr zufrieden. Fazit: Die Menschen wünschen die Sicherheit der Beratung in der Apotheke und wollen, dass man sich am „Point-of-Sale“ mehr um sie bemüht, so das Fazit des Meinungsforschers.

Apotheken müssen mehr auf Beratung setzen“
Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Oberösterreichischen Apothekerkammer: „Mit dem großflächigen Zugang, den der Bürger jetzt zur Information hat, bekommt der Experte eine andere Funktion.“ Gleichzeitig steige aber auch das Risikobewusstsein der Bevölkerung. Die Standesvertreterin: „`Virtuelle Pillen` erfahren zum Beispiel Transportwege, die außerhalb der normalen Transportwege (für Arzneimittel, Anm.) liegen. (...) Ich habe ein massives Problem, dass da kritiklos liberalisiert wird.“

Die Apothekerschaft müsse jedenfalls noch mehr auf Beratung und Information setzen: „Beratung und Betreuung durch den Apotheker werden derzeit nicht erfasst.“ Man müsse unter diesen Prämissen auch diskutieren, ob nicht auch dieser Service einen „Tarif“ haben sollte. Wenn jedenfalls beim Angebot weiterer Leistungen in den Apotheken nur 34 Prozent der Österreicher sehr zufrieden seien, „dann stimmt da etwas nicht.“

 

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