© Hersteller, Monatege Jakob Steinschaden

Rückblick
12/27/2011

Web-Trends 2011: Sozialer, nischiger, grüner

Alles social, alles mobile, alles local? Facebook, Apple und Google haben in den vergangenen Jahren jene Plattformen gelegt, auf deren Fundament 2011 Web-Dienste erfolgreich aufbauten. Die futurezone fasst die zehn wichtigsten Trends zusammen.

von Jakob Steinschaden

2011 ist, einmal abgesehen von Google+, keine große Plattform entstanden. Vielmehr ging es der großen Mehrheit der Web-Dienste darum, sich es in Online-Netzwerken und auf Smartphones gemütlich zu machen und zur Nummer Eins in ihrer Nische (Foto, Speicher, Musik, Urlaub, Games, News, etc.) zu werden. Bevorzugtes Geschäftsmodell: Freemium. Einige der Dienste (siehe Punkt 9) haben es sogar soweit gebracht, in ihrer Sparte selbst als Technologie-Plattform für andere Services wahrgenommen zu werden. Und eine kleine Randbemerkung: Beim Design dürfte die Farbe Grün immer beliebter werden (z.B. Evernote, Spotify, Groupon, WhatsApp).

1. Gefällt mir, gefällt mir nicht, gefällt mir, gefällt mir nicht,...
Der Like-Button, der Twitter-Hashtag #fail und Googles +1 haben uns auf den Geschmack gebracht, 2011 sollte nun alles und jeder zum Zwecke der besseren Vermarktung bewertet werden: Digg-Gründer Kevin Roses neue Smartphone-App Oink (“Rate the adventure!”) schlägt dabei in die gleiche Kerbe wie das Berliner Start-up Amen (“The best and worst of everything”). Auf die Spitze trieb die Bewerterei aber der kontroverse US-Dienst Klout, der den Einfluss von Internetnutzern auf andere anhand ihrer Social-Media-Aktivitäten (Twitter-Follower etc.) messen will. Wie lange sich Doktoren, Cafés und Pastagerichte die Online-Scores gefallen lassen, wird sich wohl 2012 weisen.

2. Schnappschuss-App killed the Digicam
Keine Überraschung: Seit Handys mit fünf, acht oder manchmal sogar mehr Megapixel daherkommen, müssen Canon, Nikon und Co. dabei zusehen, wie ihre Digicam-Absatzzahlen dahinschmelzen. Hand in Hand geht das mit dem Aufstieg von Foto-Apps, allen voran

. Mit einfacher Handhabe, vielfältigen Veröffentlichungsmöglichkeiten und lustigen Bildfiltern haben es neben Instagram auchPath,DailyBooth,
,HipstamaticoderPicPlzauf Millionen Smartphones geschafft. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis Apple und Google ähnliche Funktionen in ihre Betriebssysteme integrieren - oder eines der Start-ups aufkaufen.

3. Der langsame Tod der SMS
Es soll bereits Leute geben, die ihre private Kommunikation auf die Burg-Mails des Smartphone-Spiels “Lords & Knights” ausgelagert haben. In anderen Worten: Instant-Messaging-Funktionen und -Dienste schaufeln das Grab der SMS. Millionen Handy-Nutzer verzichten zunehmends auf die 160 Zeichen lange Kurznachricht und schicken sich lieber kostengünstige iMessages und

zu. Bei den Mobilfunkern schrillen intern deswegen längst die Alarmglocken, weil ihnen damit eine langjährige Cashcow wegbricht. Die SMS hat nur mehr so lange eine Daseinsberechtigung, so lange es weiße Flecken auf der 3G-Landkarte gibt - wird sie zum exotischen Technologie-Relikt des Waldviertels?

4. Tschüss USB-Stick, hallo Cloud-Speicher
Hat man früher seine Daten am Schlüsselbund mit sich herumgetragen, schickte man sie spätestens 2011 hochmodern in die Cloud. Online-Speicher-Dienste, allen voran Dropbox, sorgen heute bei Millionen Nutzern dafür, dass Dokumente, Fotos und, ja, MP3s, brav zwischen Tablet, Smartphone und Notebook gesynct werden und damit überall und jederzeit griffbereit sind. Mit den Cloud-Ambitionen der Branchen-Riesen Apple, Google und Amazon ist davon auszugehen, dass 2012 kleinere Player wie Box.net, Wuala oder SugarSync übernommen werden bzw. zusperren müssen. Für eines hat die Cloud-Speicherei 2011 jedenfalls gesorgt: Sie hat Privatnutzern sehr lebensnah vorgeführt, was Security-Probleme und der US-Patriot-Act in der Praxis zu bedeuten haben.

5. Die Behübschung des Web
Noch mehr Daten aus den Nutzern herauszulocken, erschien vielen Start-ups 2011 nicht mehr wirklich sinnvoll. Deswegen verlegte man sich an allen Fronten darauf, die vorhandenen Datenströme aufzuhübschen und in ansprechendes Design zu betten. Ein paar Beispiele: Die App Reeder schönt Googles RSS-Reader auf Apple-Geräten, Readability, ReadItLater und Instapaper bereiten Online-Texte auf Knopfdruck optisch ansprechend auf, und Anwendungen wie Summify, Storify oder Paper.li bauen Social-Media-Feeds in übersichtliche Web-Layouts um. Dem Ganzen setzte Facebook zu Jahresende mit den

die Krone auf, die die Nutzerdaten übersichtlicher und leichter zugänglich machen sollen.

6. Couponing: Jeder will es, nicht jeder braucht es
2011 glaubten viele, dass die Chicagoer Internet-Firma Groupon den E-Commerce neu erfunden hätte. Seit der eher dürftigen Performance an der Börse, Berichten über windige Geschäftspraktiken und nicht immer attraktiven Angeboten gibt es ebenso viele Zweifler an dem Geschäftsmodell. Nichtsdestotrotz: Angefangen von Größen wie Facebook, Google, Amazon oder Yelp bis hinunter zu österreichischen Tageszeitungen mischten 2011 immer mehr Firmen im täglich neuem Schnäppchen-Business mit. Ob sich der Hype auch ins Jahr 2012 hinüberretten kann, müssen die Betreiber noch beweisen.

7. Der große Trend zum Teilen
Knapp 75 Prozent der Deutschen sehen einer Salesforce-Studie zufolge Besitz nicht mehr als alleinige Voraussetzung, um reich an Möglichkeiten zu sein. “Wer teilt, spart Geld. Sharing-Unternehmen, die dies überzeugend nachweisen können, haben gute Geschäftsaussichten“, sagt dazu JP Rangaswami von Salesforce. 2011 haben es Web-Firmen wie AirBnB (Zimmer vermieten), ZipCar und GetAround (Autos teilen) oder Netcycler (Alltagsgegenstände herborgen) geschafft, von einer breiteren Masse wahrgenommen und genutzt zu werden. Zusammen mit Musik-Streaming, Online-Videotheken und Cloud-Diensten könnte man bereits verleitet sein, zu sagen: Besitztum ist Vergangenheit.

8. Indie-Games go Mainstream
Was sich bereits 2010 mit Doodle Jump und Angry Birds abzeichnete, blühte 2011 voll auf: Kleine, unabhängige Game-Entwickler zeigten den alten Größen, wie man erfolgreiche Titel auch ohne Heerscharen an Programmierern und Millionen am Konto kreieren kann - indem man neue Vertriebs-Plattfomen wie Facebook, Android oder iOS für sich nutzt. Das Paradebeispiel ist sicherlich Minecraft des schwedischen Studios Mojang, das sich allein im Beta-Stadium etwa vier Millionen Mal verkaufte. Der große Game-Hersteller EA etwa reagierte auf die Bewegung im Untergrund und kaufte nach Popcap (“Pflanzen gegen Zombies”) und Chillingo (“Angry Birds”-Publisher) das Studio Firemint (“Flight Control”) auf. Den Machern von “Tiny Wings”, “Fruit Ninja” oder “World Of Goo” droht 2012 jedenfalls noch mehr Aufmerksamkeit.

9. Wenn ich groß bin, werde ich eine Plattform
Facebook, Twitter, Google und Apple leben es der Technik-Branche vor, der Nachwuchs folgt. Anstatt eine Anwendung unter vielen anderen bei einem Online-Netzwerk oder in einem App Store zu sein, ist es jetzt en vogue, selbst eine Plattform zu werden. Spotify versucht das mit HTML5-Apps genauso wie Box.net, das es Entwicklern erlaubt, Zusatzfunktionen für den Online-Speicher-Dienst zu entwerfen. Auch Evernote-Chef Phil Libin zeigte sich in einem Interview zuversichtlich, sich endlich auch als Plattform beschreiben zu können. Ähnliche Ambitionen sind auch bei Soundcloud oder Dropbox zu bemerken. Wie lange das Spielchen noch weitergehen kann, wird sich 2012 weisen - wenn der erste Dienst als Plattform auf einer Plattform auf einer Plattform aufzubauen versucht.

10. G´sundes Start-up-Land Österreich
Wenn man im Ausland nach den Stärken österreichischer Internet-Start-ups gefragt wird, kann man Ende 2011 endlich eine Antwort geben: “Health”. Neben der erfolgreichen Linzer Fitness-App Runtastic setzen auch die Medikamenten-Suchmaschine Diagnosia, der digitale Ernährungs-Coach iJoule, die Speisenbewertungs-App ClearKarma und die mobile Diabetiker-Software MySugr auf das Gesundheitsthema. Ob ein Zusammenhang zum weltrekordverdächtigem Stelzen-Konsum der Österreicher besteht, muss noch erforscht werden, eines ist jedenfalls fix: Der Wiener

, Business Angel des Jahres, hat (hatte) gleich bei drei der fünf erwähnten Start-ups die Finger im Spiel.
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