Finnland
10/17/2010

Webseite führte zu Massenaustritt aus Kirche

Tausende Finnen traten innerhalb eines Tages über eine Onlineplattform aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche aus. Der Anlass: Eine Fernsehdiskussion zu Homosexualität und gleichgeschlechtlicher Ehe.

Die finnische Internetseite eroakirkosta.fi ermöglicht es, Mitgliedern der Evangelisch-Lutherischen Kirche über ein Onlineportal aus der Kirche auszutreten. In der letzten Woche verzeichnete die Seite eine ungewöhnlich hohe Zahl an Kirchenaustritten. Laut Heikki Orsila, Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit von eroakirkosta.fi, ist diese Entwicklung nicht zufällig. Am Mittwoch strahlte der finnische öffentlich-rechtliche Sender //Yleisradio// die Sendung Ajankohtainen Kakkonen, frei übersetzt: Die aktuellen Zwei, aus. Die Sendung, die in der vergangenen Woche am Dienstag ausgestrahlt wurde, beschäftigte sich mit verschiedenen Themen zu den Rechten von Homosexuellen. Unter anderem wurde auch das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehen aufgegriffen. Diskussionsteilnehmer waren unter anderem der christlich-demokratische Parlamentsabgeordnete Päivi Räsänen und der Bischof von Tampere, Matti Repo. Besonders Päivi hat in der Vergangenheit bereits bekannt gegeben, dass er gleichgeschlechtlichen Ehen kritisch gegenüber steht.

Kirchenaustritt über das Internet möglich

Nach Angaben von Hailli Orsila fanden die Hälfte aller Abmeldungen vom Dienstag in dem Zeitraum statt, in dem die Sendung ausgestrahlt wurde. Am Ende des Tages verzeichnete die Seite über 2633 Kirchenaustritte. Das ist, so Orsila, eine Rekordsumme. Die finnische Internetseite eroakirkosta.fi, zu Deutsch: Verlasst die Kirche, ermöglicht es Finnen seit 2003 per Mausklick aus der Kirche auszutreten. Die Betreiber der Seite verfügen dabei nicht über das Recht, die Person direkt aus dem Kirchenregister auszutragen. Sie fungieren nur als Mittelmänner und schicken die Formulare an das jeweilige Magistrat. Diese Art des Austritts ist möglich, da finnisches Recht zwar für einen behördlichen Kirchenaustritt ein schriftliches Formular verlangt, dieses aber nicht unterzeichnet sein muss.

(futurezone)