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Datenschutz Websites installieren ungefragt Tracking-Tools.

Foto: ap
Mit Tracking Tools sammeln die Betreiber von Internetseiten und Werbetreibende Daten, die äußerst genaue Rückschlüsse auf Internetuser zu lassen.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Man besucht ein Geschäft in einem Einkaufszentrum. Nach dem Verlassen des Geschäftes, folgt einem ein Mitarbeiter aus diesem Geschäft durch das gesamte Einkaufszentrum, um herauszufinden, welche anderen Geschäfte man besucht, welche Artikel man dort kauft oder nur ansieht, vor welchen Geschäften man sich wie lange aufhält und wann man das Einkaufszentrum wieder verlässt. Dieses seltsam anmutende Szenario ist im Internet durch den Einsatz von Tracking Tools Gang und Gebe.

Tracking-Tools sammeln Daten, mit denen sich die Betreiber von Websites und Werbetreibende ein sehr genaues Bild von den Besuchern einer Website machen. Das Wissen darum, was auf der Seite wie lange angesehen oder was wie oft aufgerufen wurde, lässt Rückschlüsse auf den User zu . Diese Informationen nutzen Marktforschungsinstitute und Websitebetreiber, um ihre Produkte noch zielgenauer gestalten und damit besser verkaufen zu können.

Eine Erhebung des //Wall Street Journal// (WSJ) vermittelt nun einen Eindruck davon, welche Dimensionen das Ausforschen der Internetnutzer bereits angenommen hat. Das WSJ untersuchte 50 jener US-amerikanischen Websites, die gemeinsam 40 Prozent der US-amerikanischen Views auf sich vereinen. Das Ergebnis der Untersuchung: Längst kommen nicht mehr nur Cookies zum Einsatz. Auch zahlreiche andere Trackingmethoden darunter so genannte Beacons oder Zählpixel werden verwendet.

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Beacons sind meist 1x1 Pixel große Bilder, die transparent oder in der Farbe des Hintergrunds gehalten sind, damit sie nicht sichtbar sind. Öffnet der Nutzer eine Datei, wird der Zählpixel von einem Server im Internet geladen und dieses Herunterladen registriert. So kann der Betreiber des Servers evaluieren, wann und wie viele Nutzer diesen Zählpixel angefordert haben.

Durchschnittlich 60 Tracking Tools pro Website

Die vom WSJ besuchten Websites installierten insgesamt 3.180 Tracking-Dateien auf jenem Computer, auf dem die Seiten für die Untersuchung besucht wurden. Zwölf Seiten, darunter Microsofts MSN.com installierten mehr als 100 Tracking Tools während eines einzigen Besuchs. Nur von einer Seite, Wikipedia.org, wurde kein einziges Tracking-Instrument installiert. Leicht unterdurchschnittlich schnitt die Webpräsenz des WSJ, die außer Konkurrenz evaluiert wurde, mit 60 installierten Tracking-Tools ab. 2,224 Tools, die der Verfolgung der Spuren im Internet dienen, stammten von 131 Firmen, die sich genau diesem Geschäftsfeld, namentlich dem Verfolgen von Nutzungsverläufen im Internet, verschrieben haben. Google, Microsoft und Quantcast zählten zu jenen Firmen, auf deren Seiten am meisten Tracking-Tools installiert wurden, gaben jedoch bekannt, die auf diese Art bezogenen Daten nicht mit den realen Namen der Internetnutzer zu verbinden und den Personen die Möglichkeit zu bieten, die gesammelten Daten aus den Tracking-Netzwerken entfernen zu lassen.

Nicht nur Internetseiten, die vornehmlich von Erwachsenen, sondern auch solche, die von Kindern und Jugendlichen besucht werden, verzichten nicht auf den Einsatz von Tracking Tools. Ganz im Gegenteil: Das WSJ besuchte auch 50 Websites, die vorrangig von Minderjährigen besucht werden. Nach dem Aufrufen dieser Seiten befanden sich auf dem Computer 4.123 Tracking Tools. Die meisten, nämlich 248, installierte die Website snazzyspace.com, die Templates und ähnliches zur Verfügung stellt, mit dem Seiten in sozialen Netzwerken, mehr oder weniger, individuell gestaltet werden können. Die Tracking Tools stammen, laut dem Betreiber der Website, von Werbetreibenden.

Der gläserne User

Die mit Tracking Tools gesammelten Daten lassen Rückschlüsse auf Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Postleitzahl, Einkommen und Familienstand zu. Darüber hinaus können Onlineeinkäufe sowie persönliche Vorlieben, wie etwa jene für Fernsehsendungen und Spielfilme evaluiert werden. Von Seiten der Werbeindustrie wird darauf hingewiesen, dass das Sammeln all dieser Informationen datenschutzrechtlich unbedenklich sei, da die Daten nicht mit realen Namen in Verbindung gebracht werden und auf das Sammeln der Daten in den Datenschutzrichtlinien hingewiesen werde. Ein schaler Beigeschmack bleibt aber dennoch, vor allem, wenn Daten Minderjähriger gesammelt und mitunter weiterverkauft werden. Die Rechtfertigung von Websitebetreibern und Trackingfirmen, die gesammelten Daten würden unter anderem lediglich dazu dienen, den Internetusern möglichst auf ihre Interessen zugeschnittene Werbeanzeigen präsentieren zu können, scheint da wenig tröstlich.

Ob der datenschutzrechtlichen Bestimmungen in Österreich muss, zum Beispiel im Falle des Einsatzes von Googles Analytics, einem der am häufigsten benutzen Tracking Tools, der Betreiber einer Website auf dieser darauf hinweisen, dass dieses Tracking Tool zum Einsatz kommt. In den USA ist der immer häufiger werdende Einsatz von Tracking Tools bereits zu einem Fall für die Gesetzgebung werden. So berät der Kongress derzeit Gesetze, welche den Einsatz von Tracking Tools regulieren und eindämmen soll. Das Sammeln von Daten von Personen, die jünger als 13 Jahre alt sind, bedarf bereits der Zustimmung der Eltern.

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Beacons werden auch bei E-Mails eingesetzt, damit der Absender evaluieren kann, ob eine Nachricht geöffnet wurde. Mehr zum Thema Beacons erfahren Sie hier.

(futurezone) Erstellt am 29.10.2010, 09:41

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