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Kultur im Wandel
01/07/2011

"Wegen Internet-TV wird ORF-Steuer kommen"

Dass das Internetzeitalter die Sehergewohnheiten verändert hat und für eine veränderte Fernsehlandschaft sorgen wird, ist unbestritten. Im Interview mit der FUTUREZONE erklärt Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell, warum Steuerzahler künftig pauschal zur Kassa gebeten werden.

FUTUREZONE: Was heißt es für die ORF-Gebühren, wenn ich künftig vermehrt oder ausschließlich im Internet fernsehen kann, sprich: eigentlich keinen Fernseher mehr brauche?
Fritz Hausjell: Aus genau diesem Grund gibt es derzeit in manchen Ländern Veränderungen, wie etwa die automatische Einhebung von Fernseh-Steuern statt Gebühren, die an ein Empfangsgerät gekoppelt sind. Das, würde ich sagen, kommt in ein paar Jahren auch in Österreich.

Naht das Ende des zeitgebundenen TV-Programmes?
Nein, es bleibt auf absehbare Zeit - 10 bis 15 Jahre - noch sehr bedeutsam. Große Teile des Publikums werden ihr Programm nicht aus zeitversetztem Fernsehen zusammenstellen, sondern nach Hause kommen und durchzappen, nach dem Motto: Wer bietet mir etwas?

Aber wandert nicht schon jetzt das junge Publikum vom Fernsehen ab?
Die Abwanderung des Publikums findet statt, wenn man es auf die zeitbezogene Ausstrahlung von TV-Programmen bezieht. Das Fernseh-Publikum insgesamt wird aber vielleicht sogar größer, weil es mehr Möglichkeiten der Nutzung gibt.

TV-Sender erreichen also online zusätzliches Publikum - trotz Konkurrenz durch das Internet-Angebot?
Wer kann sehenswerten Content entwickeln? Es gibt die jetzigen Fernsehanstalten. Oder User Generated Content, aber das sind Videos mit endenwollender Attraktivität.

Aber läuft Qualitäts-Fernsehen im offenen Wettbewerb im Internet nicht Gefahr, weniger wichtig zu werden?
Gerade in der letzten ökonomischen Krise hat sich gezeigt, dass Qualitätsmedien eher zugewonnen haben.

Die US-Printmedien haben Finanzierungsprobleme, weil Online-Werbung weniger Geld bringt. Droht das auch im Fernsehen?
Das Privatfernsehen wird sich in Richtung Unterbrechungswerbung und Product Placement verschieben und sich so weiter über Werbung finanzieren. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist hier wegen rechtlicher Einschränkungen gefordert. Andererseits ist auch seine Finanzierung weniger von Werbung abhängig.

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(Georg Leyrer)