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Software-Betrug
06/23/2011

Weltweiter Schlag gegen Online-Kriminelle

Im Kampf gegen die wachsende Internet-Kriminalität haben Behörden verschiedener Länder gemeinsam zugeschlagen. In Deutschland wurden Beweise gegen „Scareware“-Betrüger sichergestellt, in der Ukraine wurde mutmaßlichen Anführern der Gruppe das Handwerk gelegt.

Sicherheitsbehörden aus zwölf Ländern ist ein gemeinsamer Schlag gegen Online-Kriminelle gelungen. Bei der „Operation Trident Tribunal“ seien zwei Gruppen gestoppt worden, die zusammen rund 74 Millionen Dollar (52 Mio Euro) erbeutet hätten, teilte die US-Bundespolizei FBI mit. Mindestens zwei Verdächtige wurden festgenommen, 47 Computer und Server wurden beschlagnahmt. Fast eine Million Nutzer sei Opfer der Betrüger geworden.

Bei einer Razzia von Fahndern des Bundeskriminalamts (BKA) wurden zwei Wohnungen und ein Firmengebäude im Rhein-Main-Gebiet sowie Rechenzentren unterschiedlicher Provider in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen durchsucht. Es seien Beweismittel wie Festplatten sichergestellt worden, teilte das BKA am Donnerstag in Wiesbaden mit.

72 Millionen Dollar Schaden
Der Großteil des Schadens - 72 Millionen Dollar - geht laut FBI auf eine Gruppe zurück, die Computernutzer mit Hilfe sogenannter „Scareware“ ausnahm. Dabei wird ein Computernutzer zur Installation angeblicher Sicherheitssoftware gedrängt. Für das Programm muss bezahlt werden, dieses ist aber bestenfalls nutzlos oder sogar selbst ein Computerschädling, mit dem zum Beispiel Daten zu Bankkonten abgegriffen werden können. Zudem kommen die Kriminellen schon beim Bezahlvorgang an Kreditkarteninformationen.

Die diese Woche gestoppten Online-Kriminellen hätten bis zu 129 Dollar für die Installation der vermeintlichen Sicherheitssoftware verlangt, berichtete das FBI. Geschätzte 960.000 Computernutzer seien auf den Trick hereingefallen. Ein Schwerpunkt der Aktion lag in Lettland, wo fünf Bankkonten beschlagnahmt wurden, über die Geld an mutmaßliche Anführer geflossen sein soll.

Köpfe aus der Ukraine
Die Köpfe der Online-Gang kamen jedoch aus der Ukraine, wie der Geheimdienst des Landes berichtete. 16 Verdächtige seien verhört worden, teilte die Behörde der Nachrichtenagentur Interfax zufolge in der Hauptstadt Kiew mit. Die Angreifer hätten mit dem Wurm Conficker die Kontrolle über Computer übernommen und Konten bei Banken verschiedener Länder geplündert. Mit der Beute hätten sie sich unter anderem Luxusgüter und Immobilien gekauft. Conficker hatte sich vor allem 2009 stark verbreitet und Millionen Rechner erfasst.

Im zweiten Fall wurden dem FBI zufolge zwei Verdächtige in Lettland festgenommen, ein Mann und eine Frau, beide Anfang 20. Sie hätten sich als Vertreter einer Werbeagentur ausgegeben und auf der Website der US-Zeitung „Minneapolis Star Tribune“ und angeblich im Auftrag einer Hotelkette Anzeigen mit bösartigem Computer-Code geschaltet. Mit Hilfe der präparierten Werbung wurden Computer von Internet-Nutzern infiziert und ihnen dann als Lösung für auftauchende Probleme ebenfalls angebliche Sicherheitssoftware zum Kauf angeboten. Den Schaden schätzt das FBI auf zwei Millionen Dollar.